Deshalb könnte Mitglieder-Boom für SPD schnell zum Problem werden

Ungetrübt dürfte die Freude über die vielen neuen SPD-Mitglieder beim Vorsitzenden Martin Schmidt nicht sein.
Ungetrübt dürfte die Freude über die vielen neuen SPD-Mitglieder beim Vorsitzenden Martin Schmidt nicht sein.  © DPA

Berlin - Nach dem knappen Ja der SPD zu Koalitionsverhandlungen mit der Union schnellt die Zahl der Parteieintritte bei den Sozialdemokraten bundesweit nach oben. Seit dem Sonderparteitag in Bonn am Sonntag wurden bislang rund 1700 Aufnahmeanträge registriert, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag ergab.

Die Jusos als entschiedene Gegner einer Neuauflage der großen Koalition hatten dazu aufgerufen, in die SPD einzutreten. Denn über einen möglichen Koalitionsvertrag sollen am Ende alle der zuletzt mehr als 440.000 SPD-Mitglieder abstimmen, sie haben damit das letzte Wort.

Die Stimmen der Neumitglieder könnten am Ende das Zünglein an der Waage sein. Die Mehrheit beim Parteitag für die Aufnahme von GroKo-Verhandlungen war derart knapp, dass der Ausgang dieser Mitgliederbefragung unberechenbarer ist denn je.

Ob die Neulinge aber auch tatsächlich abstimmen dürfen, steht noch nicht abschließend fest. Ein Sprecher der thüringischen SPD sagte, der SPD-Parteivorstand in Berlin müsse noch Zeitplan und Richtlinien für den Mitgliederentscheid festlegen.

Bei fast allen Landesverbänden wurden bislang nur die Online-Anträge gezählt, die auf Papier noch gar nicht erfasst. Im mitgliederstärksten Verband der SPD wurden auch die meisten Neueintritte verzeichnet: Allein in Nordrhein-Westfalen seien bis Dienstagmorgen mehr als 520 Aufnahmeanträge online eingegangen, sagte ein Parteisprecher.

Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert wirbt für Parteieintritte, um die GroKo zu verhindern.
Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert wirbt für Parteieintritte, um die GroKo zu verhindern.  © DPA

Neueintritte im dreistelligen Bereich verzeichneten seit Sonntag auch die SPD-Landesverbände in Hessen (190), Berlin (mehr als 170), Baden-Württemberg und Niedersachsen (je rund 150), Rheinland-Pfalz (mehr als 100), Bayern (100). Aber auch kleinere Landesverbände registrierten Eintritte in deutlich höherer Zahl als sonst üblich: So zählte Hamburg zwischen Sonntagabend und Dienstagmittag 67 Anträge, Schleswig-Holstein mehr als 60, Brandenburg registrierte 32 Eintrittsanträge, Sachsen mehr als 30, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern je 28, Sachsen-Anhalt 27, das Saarland 18 und Bremen 15.

Derweil wandte sich der Sprecher der Parlamentarischen Linken der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, gegen Parteieintritte nur zum Zweck der Teilnahme am Mitgliederentscheid über eine große Koalition.

"Probleme habe ich, wenn suggeriert wird: Tretet ein, und dann könnt ihr auch abstimmen, und dann könnt ihr wieder austreten", sagte Miersch in der ARD. Ähnlich äußerte sich auch einer der Hauptinitiatoren für Parteieintritte. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert sagte der "Rheinischen Post" : "Wir wollen Neumitglieder werben, die aus Überzeugung in die SPD eintreten, weil sie unsere Grundwerte teilen."

Die Jusos Nordrhein-Westfalen hatten dazu aufgerufen, schnell in die Partei einzutreten, um beim Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag mit Nein zu stimmen. Die Junge Union Rheinland-Pfalz warf ihnen daraufhin per Twitter Sabotage der SPD vor. Neinsager gingen zu den Jusos, sie selbst suchten junge Menschen, die gestalten wollten. Aber auch bei den Jusos selbst sind sich längst nicht alle einig. So erklärten die Jusos Bottrop, sie lehnten die Mitgliederkampagne ab.

Titelfoto: DPA


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