Europa-Ekstase à la Eintracht: Frankfurt düpiert Benfica und steht im Halbfinale

Frankfurt am Main - Trotz einer 2:4-Niederlage bei Benfica Lissabon im Europa League-Viertelfinal-Hinspiel waren Hoffnung und Euphorie bei Eintracht Frankfurt ungebremst. Doch um den Einzug in die Runde der letzten Vier zu verwirklichen, brauchte es ein kleines Wunder. Und die Teufelskerle vom Main setzten sich tatsächlich mit dem notwendigen 2:0 (1:0) durch.

Harter Kampf um jeden einzelnen Ball: Eintrachts Ante Rebic (Re.) im Duell mit Benficas Jardel.
Harter Kampf um jeden einzelnen Ball: Eintrachts Ante Rebic (Re.) im Duell mit Benficas Jardel.  © DPA

Die Tore erzielten Filip Kostic (36.) und Sebastian Rode (67.) und machten somit den Halbfinal-Einzug für die Eintracht perfekt. Der nächste Gegner - niemand geringeres als der englische Top-Klub Chelsea London.

Kaum eine Kulisse hätte besser für einen solch bedeutenden Abend geeignet gewesen sein, als die Frankfurter Commerzbank Arena, die für das "Duell der Adler" (Anm. d. Red.: Beide Mannschaften haben den König der Lüfte als Wappen-Tier) natürlich ausverkauft war. Insgesamt hatten sich also 48.000 Fußball-Verrückte in der Arena eingefunden, um das Eintracht-Europa-Wunder live zu erleben.

Ihren Beitrag zur absoluten Gänsehaut-Stimmung leisteten vor allem die die Anhänger in der Nordwestkurve, die erneut eine wahnsinnige Choreographie - in die sogar die Pressetribüne involviert wurde - auf die Beine gestellt hatten. Dem Gegner wurde darin unmissverständlich klar gemacht, dass man sich "Im Herzen von Europa" befand.

Nach der unrühmlichen 1:3-Niederlage gegen den FC Augsburg tauschte SGE-Coach Adi Hütter - teils gezwungenermaßen - auf drei Positionen um. Besonders bitter: Der überragend aufspielende Martin Hinteregger (Oberschenkelverhärtung) musste von Simon Falette ersetzt werden. Darüber hinaus kamen Mijat Gacinovic und David Abraham für Goncalo Paciencia und Almamy Touré in die Startelf.

Mit dem zwölften Mann im Rücken hatte die Truppe vom Stadtwald die erste sehenswerte Aktion. Über Danny da Costa und Ante Rebic kam der Ball schließlich zu Kostic, dessen Abschluss war jedoch zu unplatziert (8.). Generell wurde bereits nach einer Viertelstunde klar, dass die Gäste darauf aus waren, ihren Vorsprung aus dem Hinspiel geschickt zu verwalten und auf schnelle und verheerende Konter zu lauern.

Eintracht-Kapitän David Abraham (Re.) versuchte Benfica-Wunderkind Joao Felix mit allen Mitteln zu bremsen.
Eintracht-Kapitän David Abraham (Re.) versuchte Benfica-Wunderkind Joao Felix mit allen Mitteln zu bremsen.  © DPA

Die Eintracht zeigte hingegen, dass sie unbedingt ein frühes erstes Tor erzielen wollte, auch wenn die Chance bis dahin Mangelware blieben. Darüber hinaus schlichen sich in den ersten 25 Minuten immer mehr kleine Ungenauigkeiten in das Kombinationsspiel der Hausherren ein.

Das machte es dem portugiesischen Rekordmeister umso einfacher halbwegs Ruhe in die Partie zu bekommen und die von der SGE ausgehende Gefahr einzudämmen. Doch die Eintracht ist besonders im Europapokal zu allem fähig. Und so fiel das langersehnte erste Tor doch noch in Halbzeit ein - wenn auch mit ein wenig Glück.

Nach einer Einzelaktion von Rebic, rollte die Kugel Gacinovic vor die Füße. Dessen Pfostenschuss netzte Kostic, der jedoch im Abseits stand, letztlich ein - 1:0 für die Eintracht und zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Tor, um das Weiterkommen zu realisieren (36.).

Dass das Wunder absolut im Bereich des Möglichen lag, machte auch die Herangehensweise der Hütter-Truppe nach dem Führungstreffer klar. Die Aktionen in Richtung Benfica-Tor wurden zwingender, die Portugiesen hingen sichtlich in den Seilen, konnten sich jedoch bis in die Halbzeitpause retten.

Kurz nach dem Wiederanpfiff wurde es dann direkt richtig brenzlig für die Gastgeber, als Joao Felix sich durch den Frankfurter Strafraum tänzelte und Falette beinahe zum Eigentor zwang (48.).

Filip Kostic (Li.) erzielte das 1:0 für die Eintracht.
Filip Kostic (Li.) erzielte das 1:0 für die Eintracht.  © DPA

Die nächste Chance für die Portugiesen hatte der Ex-Frankfurter Haris Seferovic, der einen Kopfball nicht platziert genug in die Hände von Kevin Trapp spielte (52.) - die Gäste zeigten sich weitaus gefährlicher.

Davon ließen sich die Mannen vom Stadtwald jedoch nur kurzzeitig beeindrucken. Schnell gewannen die Adlerträger vom Main die Spielkontrolle zurück und drängten weiter auf das dringend benötigte zweite Tor. Eine Einzelaktion samt Torabschluss von Gacinovic (57.) sowie ein gelungenes Zusammenspiel von Rebic und Jovic (60.) führten jedoch nicht zum erwünschten Ergebnis.

Und in der 67. Spielminute war es dann tatsächlich soweit: da Costa köpfte den Ball in Richtung Rebic, der erneut als Vorbereiter agierte. Doch hieß der Goalgetter nicht etwa Jovic oder Kostic - NEIN - Rode versenkte das Leder mit einem strammen Schuss aus rund 18 Metern Entfernung - 2:0, das Eintracht-Wunder war Stand jetzt Realität.

Doch Benfica blieb dran und traf in Minute 85 in Person von Eduardo Salvio den Außenpfosten - Durchatmen! Das Powerplay der Gäste wurde indessen von einem gellenden Pfeifkonzert der Eintracht-Fans begleitet. Nach vier Minuten Zugabe war es endlich vollbracht - der größte Europapokal-Erfolg der SGE seit 39 Jahren war perfekt.

Nach der Europapokal-Nacht wartet auf die Frankfurter schon am Montag wieder die "Mission Champions League". Um dieses ambitionierte Ziel zu verwirklichen, muss die Eintracht im Montagsspiel (22. April/20.30 Uhr) beim VfL Wolfsburg bestehen.

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