Verbindung zu Anis Amri? Spion verschwindet, bevor Gericht Verfahren starten kann

Jena - Einen spektakulären Fall rund um einen vermeintlichen jordanischen Spion könnte es am Oberlandgericht in Jena geben - wenn der Angeklagte wieder auftaucht.

Mit der Durchsuchung einer radikalen Moschee in Hildesheim soll der Kontakt nach Jordanien begonnen haben.
Mit der Durchsuchung einer radikalen Moschee in Hildesheim soll der Kontakt nach Jordanien begonnen haben.  © DPA

Das berichtet der MDR. Festgenommen wurde der Mann im vergangenen Jahr, nach wochenlanger Beobachtung. Als der Verdacht aufkam, dass er verschwinden könne, stoppte ihn ein Einsatzkommando auf einem Rastplatz an der A44.

Der Angeklagte soll zuvor einen Mitarbeiter des jordanischen Geheimdienstes über eine Razzia in einer radikalen Islamisten-Moschee informiert haben. Eine Razzia in der Moschee, in der auch der Berlin-Attentäter Anis Amri ein- und ausgegangen war.

Da der Angeklagte deutscher Staatsbürger ist, habe er sich so der Spionage für einen ausländischen Geheimdienst schuldig gemacht, besonders, da es nicht bei dem einmaligen Kontakt blieb. Immer wieder soll er Informationen über mögliche Islamisten an seinen Kontaktmann weitergegeben haben.

Trotzdessen schmetterten die Richter in Jena die Klage zunächst ab, sagten, dass die Weitergabe der Informationen über mutmaßliche Islamisten an Jordanien am Ende auch Deutschland geholfen habe. Die Bundesanwaltschaft wollte das nicht so stehen lassen, legte Beschwere beim Bundesgerichtshof ein, der ihnen zustimmte.

Doch jetzt, wo dem Verfahren förmlich nichts mehr im Weg steht, gibt es ein anderes Problem: der Angeklagte ist verschwunden! Nachdem das Gericht die Klage nicht zugelassen hatte, musste er aus der Untersuchungshaft entlassen werden und verschwand anscheinend danach sofort. Kann er nicht gefunden werden, wird es wohl nie zu einem Prozess kommen.

Indes meldet sich auch der Amri-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zu Wort. Es müsse geklärt werden, ob der Angeklagte Informationen über Anis Amri an den jordanischen Geheimdienst weitergegeben habe und in welchem Maß diese dem Bundesamt für Verfassungsschutz bekannt waren.

Im Dezember 2016 hatte Anis Amri bei diesem Anschlag 12 Menschen getötet.
Im Dezember 2016 hatte Anis Amri bei diesem Anschlag 12 Menschen getötet.  © DPA

Titelfoto: DPA

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