Ex-SS-Wachmann (92) hörte im KZ Schreie aus der Gaskammer

Hamburg - Der 92 Jahre alte ehemalige SS-Wachmann Bruno D. muss sich wegen Beihilfe zum 5230-fachen Mord vom 17. Oktober an vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Das ehemalige Konzentrationslager Stutthof liegt bei Danzig und ist inzwischen eine Gedenkstätte. (Archivbild)
Das ehemalige Konzentrationslager Stutthof liegt bei Danzig und ist inzwischen eine Gedenkstätte. (Archivbild)  © dpa/PAP/Piotr Wittman

Das sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag, nachdem die Welt zuerst darüber berichtete.

Der in der Hansestadt lebende Bruno D. war nach Angaben der Staatsanwaltschaft von August 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig als Wachmann im Einsatz.

Dabei habe er "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt".

Wie die Welt berichtet, soll sich Bruno D. in Vernehmungen im vergangenen Jahr an Einzelheiten wie Hunderte Leichen erinnert haben.

Auch die Morde in der Gaskammer sind wohl nicht unbemerkt geblieben. "Ich hab' da mal von Ferne diese Schreie gehört", sagte D. demnach.

Etwa zehn bis 30 Minuten dauerte es, bis die Gefangenen durch das tödliche Gas starben, so lange kämpften mit dem Tod und schrien.

Das KZ Stutthof bedeutete für 65.000 Menschen den Tod

In den vergangenen Jahren gab es mehrere Prozesse gegen ehemalige KZ-Wachmänner.
In den vergangenen Jahren gab es mehrere Prozesse gegen ehemalige KZ-Wachmänner.  © dpa/Guido Kirchner

Weil D. zur fraglichen Zeit erst 17 beziehungsweise 18 Jahre alt war, ist die Jugendstrafkammer für den Fall zuständig.

Im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende starben nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralstelle in Ludwigsburg rund 65.000 Menschen.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers wird jeder Prozesstag nicht länger als zwei Stunden dauern, weil der Angeklagte gesundheitlich angeschlagen ist.

Es sind zwölf Verhandlungstage bis zum 17. Dezember vorgesehen. Mehr als ein Dutzend Überlebende des KZ treten als Nebenkläger auf.

Befragt werden sollen laut Gericht unter anderem ein historischer Sachverständiger und ein Jugendpsychiater.

Titelfoto: Montage: dpa/PAP/Piotr Wittman, dpa/Guido Kirchner

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Hamburg:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0