Staat nimmt Milliarden durch Glücksspiel ein

Glücksspiel ist auch für den Staat ein lohnendes Geschäft: die Steuereinnahmen sind beachtlich.
Glücksspiel ist auch für den Staat ein lohnendes Geschäft: die Steuereinnahmen sind beachtlich.  © @ blickpixel (CC0-Lizenz) / piabay.com

Deutschland - Für Spieler - egal ob das Spiel aus Lotterien, Pokern, Sportwetten oder anderen Glücksspielen besteht - ist der Fakt ein Ärgernis. Sie meinen zwar, mit einem kräftigen Geldsegen einen Gewinn zu machen, doch an die Einnahmen, die der Staat durch das Glücksspiel erhält, kommt selbst der größte Jackpot nicht heran.

Jährlich sind es Milliarden an Geldern. Sie kommen auf verschiedenen Wegen zustande und teilen sich durchaus auf das private Umfeld auf. Gelder aus Gewinnspielen müssen nicht versteuert werden - das gilt aber nur für den ersten Gewinn.

Die Zinsen, die später durch den Geldsegen aufkommen, unterfallen wieder der Steuer. Der Staat nimmt daher zwei Mal Geld für dieselbe Sache ein. Dieser Artikel geht darauf ein, welche Bereiche unter den staatlichen Geldsegen fallen und wie Glücksspiel allgemein reguliert wird.

In welchen Bereichen nimmt der Staat Geld ein?

Einerseits erscheint es seltsam. Da geht der Staat hin und subventioniert einige Lotterien, auf der anderen Seite verdient er an denselben Spielen. Spieler könnten meinen, dass sich die Katze selbst in den Schwanz beißt.

Und doch, der Gewinn für den Staat durch die Glücksspiele ist weitaus höher, als es Subventionen sein können. Auf die einzelnen Glücksspiele fallen verschiedene Einnahmequellen an:

  • Automatenspiele - jährlich rund 1,12 Milliarden Euro
  • Pferderennen/Sportwetten/Lotto - jährlich rund 1,67 Milliarden Euro.

Eine präzise Zahl geben die Finanzbehörden nicht preis, beziehungsweise sind die genauen Zahlen des Vorjahrs noch nicht bekannt.

Glücksspiel findet immer öfter auch online statt.
Glücksspiel findet immer öfter auch online statt.  © @ fielperson (CC0-Lizenz) / piabay.com

Eine weitere Einnahmequelle im Zusammenhang mit den Glücksspielen steht nur in mittelbarer Relation zu dem eigentlichen Spiel: die Steuern. Sie fallen bei Weitem nicht nur bei tatsächlichen Gewinnen an, sondern kommen bereits beim Spiel selbst zustande:

  • Lotto - Lotterieabgabe von 20 % des Einsatzes
  • Rennwetten - 5 % des Wetteinsatzes
  • Sportwetten - 5 % des Einsatzes
  • Spielautomaten - Vergnügungssteuer, die auf Landesebene berechnet wird.

Einnahmen aus Glücksspielen sind niemals direkt zu versteuern, doch die anfallenden Zinsen müssen versteuert werden. Ein wenig problematisch sieht die Sache bei den Rentenlotterien aus. Hier fällt die Einkommenssteuer nur dann nicht direkt an, wenn sich ein Spieler den gesamten Gewinn auszahlen lässt.

Nimmt der die monatliche Rentenzahlung hingegen an, wird das überwiesene Geld als ganz normale Einnahme gerechnet - und die Einkommenssteuer kommt direkt zustande.

Wie wird das Glücksspiel in Deutschland reguliert?

Seit dem Jahr 2008 gibt es den sogenannten Glücksspielstaatsvertrag. Er wurde mitunter geschaffen, um eine gesetzliche Grundlage zu bilden, die sich nicht allein auf Lotterien und Casinos beschränkt, sondern die Glücksspiele im Internet miteinschließt.

So ganz funktionierte der Vertrag jedoch nicht, einzelne Punkte, beispielsweise die staatliche Monopolstellung auf Sportwetten wurden vom Europäischen Gerichtshof direkt zunichtegemacht. Daher kam es 2012 zur ersten offiziellen Änderung des Glücksspielstaatsvertrags. Dieser besagt Folgendes:

  • Gewöhnliche Lottospiele (Euro-Jackpott, Lotto, Zusatzlotterien) - dürfen online angeboten werden (beispielsweise durch die offiziellen Annahmestellen, die das Bundesland bestimmt)
  • Private Anbieter - es gibt eine Experimentierphase, die sich auf sieben Jahre ausdehnt
  • Konzessionen - im gewissen Umfang können Konzessionen auch an private Anbieter gehen
  • Online-Casinos - keine Websperren

Jedes Bundesland hat die Möglichkeit, eigene Regeln zusätzlich zu dem Staatsvertrag aufzusetzen. Grundsätzlich muss jeder Glücksspielanbieter nicht nur die festen Regeln des Staatsvertrags beachten, sondern sich zudem dem Spielerschutz annehmen. Der besagt aus, dass beispielsweise Casinos darauf achten müssen, dass es Anlaufstellen innerhalb des Betriebs bezüglich der Spielsucht gibt.

Casinos und auch Lottoannahmestellen können Spieler ausschließen oder der Spieler selbst eine Sperre ins Leben rufen. Bei Onlineanbietern ist die Aufklärung natürlich schwieriger, da hier nur auf die Gefahr der Spielsucht hingewiesen werden kann und eine echte Beratung nicht stattfindet.

Aus diesem Grund schränken die Lottostellen den Einsatz ein. Es gibt in der Regel immer einen monatlichen Höchsteinsatz, den Spieler nicht überschreiten können. Bis zur offiziellen Freischaltung eines Accounts liegen die Höchstgrenzen deutlich unter denen, die nach der Bestätigung gelten.

Hinweis: Erst kürzlich wurde die zweite Änderung des Glücksspielstaatsvertrags als Entwurf vorgelegt. Demnach soll die Experimentierphase mit Wettanbietern verlängert und mehr Konzessionen bereitgestellt werden.

Wie wird es mit der Regulierung im Glücksspielbereich weitergehen?
Wie wird es mit der Regulierung im Glücksspielbereich weitergehen?  © @ Pexels (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Warum ist die Regulierung gerade bei Online-Casinos wichtig?

Casinos, die sich überwiegend im Internet bewegen, konzentrieren sich nicht ausschließlich auf ein Bundesland oder ein europäisches Land. Sie können mühelos aus dem Ausland genutzt werden, was schwarzen Schafen unweigerlich in die Hände spielt.

Das heißt beispielsweise, dass ein Casino nur mittelbar an die Konzessionen eines Landes gebunden ist - der Standort oder die Meldeadresse kann problemlos im Ausland liegen, wo andere Gesetze gelten. Die EU beugt dieser Problematik vor, in dem es unter anderem eine EU-Lizenz gibt, die das Online-Glücksspiel allgemein reguliert. Laut bestesonlinecasino.org sind mittlerweile viele Online-Casinos entsprechend lizensiert.

Übrigens darf sich Deutschland auf diesem Gebiet mal wieder nicht als Vorreiter bezeichnen. Während andere EU-Länder sich schon längst des Online-Glücksspiels angenommen und regulierte Wege gefunden haben, streiten sich in Deutschland weiterhin die einzelnen Bundesländer und kommen nicht in den Gang. Das einzige Bundesland, welches kurzzeitig ausscherte und Lizenzen zur Verfügung stellte, war Schleswig-Holstein. Die Grundlage der einzelnen Regulierungspunkte für Online-Casinos liegt in folgenden Bereichen:

  • Schutz von Jugendlichen - Jugendliche dürfen nur im ganz gewissen Ausmaß an Spielen teilnehmen (Kontrolle über Ausweis, Post-Ident-Verfahren).
  • Schutz vor Spielsucht - obliegt den Casinos. Sie müssen mit Einsatzgrenzen, dem Ausschluss von Spielern und Informationen zur Spielsucht samt Anlaufstellen reagieren.
  • Schutz vor Geldwäsche - früher wurden Glücksspiele oft zur Geldwäsche genutzt, Casinos müssen diesen Punkt besonders beachten und gegen die Geldwäsche vorgehen.
  • Zahlungswege - die Einzahlung sowie die Auszahlung von Gewinnen muss über sichere Wege erfolgen können.

Übrigens wurden Spielstätten auf Malta und Gibraltar spezielle Konzessionen gegeben, um den Standort von Online-Casinos in diesen Regionen sicherzustellen und zu regeln.

Natürlich bedeuten die Regulierungen des allgemeinen Online-Spielvergnügens auch, dass der Staat nicht leer ausgeht und an den Einnahmen beziehungsweise den Spielsteuern weiterhin verdient.

Fazit - Spieler können gewinnen, der Staat gewinnt immer

Es ist ja durchaus unfair. Glücksspieler müssen teils ihr ganzes Leben darauf warten, bis sie einen erwähnenswerten Gewinn einfahren, und der Staat braucht nicht einmal einen Lottoschein ausfüllen, um kräftig zu verdienen.

Andererseits ist die Regulierung des Spielbetriebs nicht nur auf staatlicher Ebene sinnvoll, da er massiv gegen Betrug und unseriösen Online-Casinos vorwirkt. Es könnte also eine Win-win-Situation sein - wenn auch der Spieler hinsichtlich der Einnahmen oft leer ausgeht.

Titelfoto: @ fielperson (CC0-Lizenz) / piabay.com


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