Staatsbesuch in der DDR-Zeitmaschine

Heile DDR-Welt im Museum. Diese Szene mit zwei Besuchern ergab sich zufällig bei Modrows Besuch. Links Familie Walther aus Eisenach.
Heile DDR-Welt im Museum. Diese Szene mit zwei Besuchern ergab sich zufällig bei Modrows Besuch. Links Familie Walther aus Eisenach.

Von Torsten Hilscher

Radebeul - Der vorletzte Ministerpräsident der DDR und frühere Vorsitzende der SED-Kreisleitung Dresden, vormalige Europaparlamentarier und Ehrenvorsitzende der Linkspartei, Hans Modrow (87), besuchte das DDR-Museum in Radebeul.

Wenige Monate vor dem 10-jährigen Bestehen würdigte Genosse Modrow so die Arbeit der Ostalgie-Einrichtung.

Begrüßt wurde Modrow vom Leiter der Einrichtung, Hans-Joachim Stephan (60). Der diplomierte Verwaltungswirt siedelte vor wenigen Jahren aus Westdeutschland nach Radebeul.

Modrow war auf Einladung des Freundeskreis Palast der Republik Berlin gekommen. Einmütig bekundeten Stephan und Modrow, dass der Umgang zwischen Ost- und Westdeutschen zum gegenseitigen Verständnis unerlässlich sei.

Hans Modrow stattete am Freitag dem DDR-Museum einen Besuch ab.
Hans Modrow stattete am Freitag dem DDR-Museum einen Besuch ab.

Modrow: „Man sollte Geschichte so darstellen, wie sie war - mit all ihren Gegensätzen. Nur dann kann man sie verstehen und annehmen.“ Das Museum habe diese Aufgabe hervorragend gelöst.

Modrow, der sich ohne Zeichen von Schwäche die vier Etagen der Ausstellung erklären ließ, würzte den Rundgang mit Anekdoten seiner aktiven Funktionärszeit.

Dabei blieb auch Platz für spontane Begegnungen: So mit Familie Walther aus Eisenach. Freudig überrascht (und mit Erfolg) baten Simone und Thomas Walther den Gast um ein gemeinsames Foto - Erinnerungen an die Zeit des damals gewährten Ehekredits machten die Runde.

Extra angereist zum Genossenbesuch hingegen war Christine Menz (78). Die rüstige Rentnerin arbeitete als Sekretärin des SED-Parteisekretärs des Arzneimittelwerkes und später der Stadt Radebeul, ihr Mann wirkte als Ortsgruppenvorsitzender der SED.

Die DDR lebt - wenigstens für ein paar Stunden in Radebeul. Die reichen dann aber auch wieder.

Staatsmänner unter sich. Helmmut Kohl (l.) bei seinem Dresden-Besuch im Dezember 1989. Hier spricht gerade Hans Modrow.
Staatsmänner unter sich. Helmmut Kohl (l.) bei seinem Dresden-Besuch im Dezember 1989. Hier spricht gerade Hans Modrow.
Das DDR-Museum ist eine Reise in die Vergangenheit.
Das DDR-Museum ist eine Reise in die Vergangenheit.

Fotos: Gunter Hübner, Matthias Rietschel


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