War es eine Sekte? Prozess nach Massenrausch

Eine verletzte Person wird auf einer Trage von Sanitätern zum Rettungsfahrzeug gebracht.
Eine verletzte Person wird auf einer Trage von Sanitätern zum Rettungsfahrzeug gebracht.  © Christian Butt/dpa

Stade - Gut zwei Jahre nach dem folgenschweren Massenrausch bei einem Heilpraktikerseminar im niedersächsischen Handeloh muss sich einer der beiden Organisatoren ab Donnerstag vor Gericht verantworten.

Dem Diplom-Psychologen und Psychotherapeuten wird nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Stade vorgeworfen, Drogen an die Seminarteilnehmer im Kreis Harburg verteilt zu haben.

Angeklagt ist der 52-Jährige wegen Überlassens von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch und wegen Drogenbesitzes.

Zweiter Organisator des Seminars war die Ehefrau des Psychotherapeuten. Das Verfahren gegen sie wurde bereits gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Über 160 Rettungskräfte waren am 4. September 2015 im Einsatz.

Die 27 Teilnehmer des Seminars wurden mit Wahnvorstellungen, Krämpfen und Herzrasen in verschiedene Krankenhäuser gebracht.

Feuerwehrmänner, Rettungskräfte und Rettungsfahrzeuge während des Notfalleinsatzes vor dem Tagungszentrum.
Feuerwehrmänner, Rettungskräfte und Rettungsfahrzeuge während des Notfalleinsatzes vor dem Tagungszentrum.  © Feuerwehr Harburg/Matthias Köhlbrandt/dpa

Sie sollen an einem Drogenexperiment teilgenommen haben, wie sich schnell herausstellte, möglicherweise sogar mit Sekten-Hintergrund.

Letzteres sei aber nicht Teil der juristischen Untersuchungen, hatte der Verteidiger zuletzt betont. Teilnehmer des Seminars seien Heilpraktiker, Ärzte, Homöopathen und Psychologen gewesen, berichtete die Geschäftsführerin des Tagungszentrums.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, verschiedene Betäubungsmittel an die Seminarteilnehmer verteilt zu haben. Darunter soll außer dem Halluzinogen 2C-E auch die psychoaktive Substanz DragonFly gewesen sein, so ein Gerichtssprecher.

Laut Anklage sollte im Rahmen einer äußerst umstrittenen Therapieform, der sogenannten Psycholyse, eine Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Unklar ist, wie genau die Teilnehmer wussten, was sie zu sich nahmen.

Das Urteil soll am 6. Dezember fallen.

Zahlreiche Rettungswagen und Notärzte mussten anrücken, nachdem es zu der Massenvergiftung gekommen war.
Zahlreiche Rettungswagen und Notärzte mussten anrücken, nachdem es zu der Massenvergiftung gekommen war.  © Christian Butt/dpa

Titelfoto: Matt Masin/Orange County Register via ZUMA/dpa, Ch


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0