So gefährlich sind unsere Busse

Tückische Hintertüren - sie schließen nach vier Sekunden. MOPO-Reporter Torsten Hilscher erlebte das am Körnerplatz, seine Hand klemmte fest.
Tückische Hintertüren - sie schließen nach vier Sekunden. MOPO-Reporter Torsten Hilscher erlebte das am Körnerplatz, seine Hand klemmte fest.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Dieses Erlebnis steckt mir noch tief in den Knochen. Nach Feierabend in der Redaktion steige ich in den Bus. Die Fahrt geht vom Altenberger Platz in Richtung Bodenbacher Straße.

Im Bereich für Kinderwagen hockt eine Frau, sicherlich 80 Jahre alt. Sie ist spindeldürr. Ihre Hände umklammern einen Rollator. Nur mit Mühe hatte sie den Sitzplatz an der Wand umklappen können.

Haltestelle Hepkestraße möchte sie den Bus verlassen. Die Türen öffnen. Aber Momente später gibt es schon wieder ein Warnsignal. Zischen, die Hydraulik schließt beide Türflügel.

Die alte Dame hat zu diesem Zeitpunkt mit den Füßen noch nicht den Gehweg berührt. Sie wird eingeklemmt.

Der hilflosen Frau schießen Tränen in die Augen. "Warum machen die das?", stöhnt sie leise.

Hätten nicht die vereinten Kräfte eines jungen Mannes und meine die Türen aufgestemmt, wäre vielleicht Schlimmeres passiert. Keine Heldentat, ich war gewarnt.

Tags zuvor hatte mir ein Bus desselben Typs am hinteren Eingang beim Einstieg die Hand eingeklemmt. Erklärung des Fahrers: "Das liegt an den Bussen. Die schließen nach drei bis vier Sekunden. Da kann ich nichts machen."

Hatten Sie, liebe Leser, ähnliche Erlebnisse? Dann melden Sie sich gern bei uns in der Redaktion. Per Mail: mopodd.lokales@tag24.de oder Telefon: 0351/48 64 26 61

Das sagen die Verkehrsbetriebe

Andere Nummer, aber selber Bus-Typ: In solchen Brummis wurden jüngst Fahrgäste eingequetscht.
Andere Nummer, aber selber Bus-Typ: In solchen Brummis wurden jüngst Fahrgäste eingequetscht.

"Eigentlich darf so etwas nicht vorkommen. Und kann eigentlich auch nicht", so DVB--Sprecher Falk Lösch (50).

Es gebe Richtlinien des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, mit den Bus-Herstellern abgestimmt.

Im Detail: Weil die Fahrer die hinteren Türen nicht oder schlecht einsehen könne, werden diese auf "Automatik" gestellt.

"Tatsächlich schließen sie dabei nach vier Sekunden. Aber drei unabhängige Systeme schützen den Fahrgast: Eine Lichtschranke, mechanischer Widerstand und eine Belastungsmessung im Trittbrett", so Lösch.

Was passierte also in den beiden Fällen: Die Hand war "zu schwach", um von den Sensoren erkannt zu werden. Die Seniorin wurde vom Fahrer übersehen.

Fotos: Uwe Meinhold, Eric Münch


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