Wer soll das bezahlen? So teuer ist das Wohnen in Berlin

Berlin - Für Mieter und Wohnungskäufer wird Berlin immer teurer. "Berlin ist die Stadt mit der größten Dynamik", sagte die Ökonomin Carolin Wandzik am Dienstag."

Wohnungen in Berlin, aufgenommen bei Sonnenuntergang. (Archivbild)
Wohnungen in Berlin, aufgenommen bei Sonnenuntergang. (Archivbild)  © dpa/Paul Zinken

In keiner der größten deutschen Städte seien Mieten und Kaufpreise zuletzt so stark gestiegen wie in der Hauptstadt. Das geht aus einem Vergleich hervor, den Wandzik für den Zentralen Immobilien-Ausschuss (ZIA) erstellt hat.

Immer mehr Mieter und Käufer wichen aufs Umland aus, nicht nur in Berlin. Es gebe Hinweise auf eine Trendwende, sagte die Ökonomin Carolin Wandzik am Dienstag in Berlin. "Aufgrund der steigenden Preise in den Zentren ist die Abwanderung ins Umland wieder deutlich gestiegen."

Allerdings ist auch Brandenburg nicht mehr überall günstig. Denn seit 2011 seien viele Umlandgemeinden stärker gewachsen als Berlin, etwa Bestensee, Dallgow-Döberitz, Teltow und die Landeshauptstadt Potsdam. In Schönefeld, Hoppegarten und Teltow stiegen die Neuvertragsmieten im vergangenen Jahr stärker als in Berlin.

Teurer als der Berliner Durchschnitt ist bislang aber nur Kleinmachnow, wo Vermieter im vergangenen Jahr bei Neuverträgen 10,49 Euro verlangten. Im Schnitt zahlt man im Umland nur drei Viertel der Berliner Miete.

Berlin in etwa so teuer wie Köln und Düsseldorf

Der Fernsehturm ist hinter einem Wohnblock in Berlin-Mitte zu sehen. (Archivbild)
Der Fernsehturm ist hinter einem Wohnblock in Berlin-Mitte zu sehen. (Archivbild)  © dpa/Bernd von Jutrczenka

Wer in der Hauptstadt eine neue Wohnung sucht, muss sich im Mitttel inzwischen auf 10 Euro kalt je Quadratmeter und Monat einstellen. Angebotsmieten von 10,04 Euro im dritten Quartal 2018 entsprachen einem Plus von 9,2 Prozent, wie es im Bericht heißt. Damit habe sich der Anstieg der Mieten beschleunigt. Berlin ist demzufolge inzwischen in etwa so teuer wie Köln und Düsseldorf.

Die Wohnungspreise legten nach einem dem Gutachten des Verbands um 15,2 Prozent zu. Der amtliche Gutachterausschuss des Senats hatte für das Vorjahr ein Plus von zehn Prozent ermittelt.

Dass der Speckgürtel immer städtischer wird, hatte die Investitionsbank Berlin in ihrem jüngsten Wohnungsmarktbericht 2018 dargelegt. Es entstehen zunehmend Mehr- statt Einfamilienhäuser. Zum Teil fehlten aber Verkehrsverbindungen und soziale Infrastruktur

Die Immobilienbranche reagierte unterdessen erleichtert auf die Absage des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) an Forderungen, private Wohnungsunternehmen zu enteignen. Zugleich kritisierte ZIA-Präsident Andreas Mattner, dass Berlin Wohnungen zurückkauft. "Mit dem Ankauf von Wohnungen im großen Stil wird nichts erreicht, außer dass man die Steuerkasse plündert." Notwendig sei es, mehr Neubau zu ermöglichen.

Die Fachleute sehen immer mehr übertriebene Preise, vor allem in den sieben größten Städten und ihrem Umland, aber auch in einer Reihe weiterer Städte. "Wir beobachten diese Entwicklung mit ganz viel Argwohn", sagte der Ökonom Lars Feld bei der Vorstellung des Gutachtens.

Er sieht aber keine Hinweise auf das, was die Experten eine Immobilienblase nennen. Platzte eine solche Blase - etwa weil die Zinsen plötzlich steigen - brächen die Preise zusammen. Feld sagte, die Käufer finanzierten ihre Häuser und Wohnungen weiterhin recht konservativ.

Titelfoto: dpa/Paul Zinken

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