Stadtrat stimmt für Radweg an der Albertstraße

Dresden - Wem gehört die Albertstraße? Kurz aber heftig wurde am Mittwochabend darüber diskutiert, ob auf der wichtigen Verbindungsstraße zwischen der Carolabrücke und der Neustadt eine Autospur zugunsten eines Radweges wegfallen kann. Am Ende siegte der Radweg - auch weil ein wichtiger "Auto-Lobbyist" fehlte.

Die Albertstraße wird künftig deutlich fahrradfreundlicher. Noch teilen sich Radler dort einen holprigen Weg mit Fußgängern.
Die Albertstraße wird künftig deutlich fahrradfreundlicher. Noch teilen sich Radler dort einen holprigen Weg mit Fußgängern.  © Norbert Neumann

Grüne-Stadträtin Susanne Krause (37) sprach bei der aktuell vierspurigen Albertstraße von einer "unzeitgemäßen Stadtautobahn". Daher solle eine Fahrspur wegfallen, um für beide Richtungen sichere Radwege einrichten zu können.

Radler würden so zweieinhalb Minuten Zeit gewinnen. Autofahrer laut Stadt nur eine Sekunde langsamer vorankommen. Konflikte zwischen Radler und Fußgängern würden reduziert.

Unterstützt wurde die Forderung von einer Radler-Demo am Montag (TAG24 berichtete).

CDU-Stadtrat Veit Böhm (54) kritisierte hingegen den "fördermittelfinanzierten Rückbau von Verkehrsinfrastruktur" und forderte einen Verkehrsversuch für die geplanten drei Autospuren:

"Wir misstrauen der Rechnung, dass Autofahrer nicht benachteiligt werden."

"Auto-Befürworter" Zastrow fehlte bei der Abstimmung

Er fehlte bei der Abstimmung: FDP-Mann Holger Zastrow (50).
Er fehlte bei der Abstimmung: FDP-Mann Holger Zastrow (50).  © DPA

Die AfD befürchtete einen "Schritt zum Verkehrskollaps" und sprach vom "Fanatismus bei den Antragstellern".

FDP-Rat Robert Malorny (40): "Wir unterstützen kein Ausspielen der Verkehrsarten. Die Stadt soll endlich Alternativen für eine andere Radwegführung vorstellen."

Tilo Wirtz (52, Linke) warb für den Radweg auf der Autospur "als preiswerteste und schnellste Variante. Autos haben von vier Spuren nichts. Die Staus entstehen an den Kreuzungen, Radler gewinnen." Johannes Lichdi (55, Grüne) forderte, "Radwege nicht ins Nebennetz zu verbannen."

Unklar blieb, ob der Freistaat tatsächlich Fördermittel für das Projekt zur Verfügung stellt. "Es gibt keine Zusagen, aber positive Signale", so Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne).

Am Ende stimmten Grüne, Linke, SPD und die Fraktionslosen geschlossen (36 Stimmen) für den Radweg.

Die Abstimmung ging auch daher durch, weil den "Auto-Befürwortern" (33 Stimmen) Holger Zastrow (50, FDP) fehlte. Der organisierte zeitgleich auf seiner Hofewiese eine Halloween-Sause. OB Dirk Hilbert (48, FDP) fehlte krankheitsbedingt.

Holger Zastrow erklärte: "Ich habe meine erste Stadtratssitzung seit bestimmt acht Jahren verpasst. Aber ich bin ja nicht nur Stadtrat, sondern habe auch einen Beruf. Mittwochs sind normalerweise keine Ratssitzungen, aber am 30. Oktober fand traditionell einer der größten Halloween-Events Sachsens auf der Hofewiese mit rund 1000 Gästen statt. Ich war da alleinverantwortlicher Organisator, Regisseur und am Ende auch noch ein Darsteller. Da konnte ich leider unmöglich fehlen."

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