Rathaus Dresden soll seine Daten veröffentlichen!

Stadtrat Norbert Engemaier (33, Piraten) hofft auf eine schnelle Umsetzung des „Open Data-Konzepts“.
Stadtrat Norbert Engemaier (33, Piraten) hofft auf eine schnelle Umsetzung des „Open Data-Konzepts“.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - DVB-Busse in Echtzeit auf dem Smartphone, Parkplätze auf Abruf und Wetterdaten aus jedem Stadtteil: Das „Open Data“-Konzept von Rot-Rot-Grün steht kurz vor dem Beschluss im Dresdner Stadtrat und soll das Leben der Dresdner vereinfachen.

Das Projekt will den Zugang zu Daten der Stadtverwaltung, die ohnehin gesammelt sind, erleichtern. Angefangen bei Mietpreisen bis hin zu Besucherzahlen in Schwimmbädern.

Doch was soll das Projekt konkret bewirken? „Als Beispiel gibt’s die Parkplatz-App oder die ÖPNV-Anwendung für unsere Stadt“, sagt Stadtrat Norbert Engemaier (33, Piraten).

Erstere zeigt freie Parkplätze in der Innenstadt an, letztere die fahrenden Busse, Trams und S-Bahnen in Echtzeit. Dieser Service erspare den Nutzern enorm viel Zeit, meint Engemeier.

Auch Wissenschaftler könnten von den zugänglichen Daten profitieren. Anwendungen für private Nutzer wären viel einfacher zu entwickeln.

Wer dennoch Angst vor der Herausgabe der gesammelten Daten hat, den beruhigt die Stadtverwaltung. „Personenbezogene Daten können zum Beispiel nicht öffentlich gemacht werden“, sagt Sprecher Karl Schuricht.

Einziges Manko: Rot-Rot-Grün wünscht sich das Open-Data-Konzept bereits zum November. Die Schätzung der Stadt: „Ein Termin für die Fertigstellung des Konzeptes kann noch nicht genannt werden.“

Offenheit für Bürger

Kommentar von Dominik Brüggemann

Die Rathauswände sind besonders dick. Interna bleiben in der Regel geheim. Umso wichtiger ist eine transparente Verwaltung, die zeigt, auf welcher Grundlage sie arbeitet. Das gläserne Rathaus als treffendes Bild. Der Plan, anonyme Verwaltungsdaten offen zugänglich zu machen, wäre die richtige Lösung.

Ich habe keine Sorge, dass bei dem Projekt von Rot-Rot-Grün jeder Dresdner seine intimsten Daten oder gar Geheimnisse offenlegen muss. „Open-Data-Konzept“ - das klingt erst mal kompliziert. Dabei machen die „offenen Daten“ - so der deutsche Begriff - den Alltag im besten Fall leichter.

Weder soll jeder Dresdner durchleuchtet, noch seine Daten und Geheimnisse veröffentlich werden. Nur Daten, die ohnehin bekannt sind, sollen leichter zugänglich gemacht werden.

Besonders für Wissenschaftler, Statistiker und Programmierer ist dieser Zugriff wünschenswert. Sie sind es, die aus dem Datenwust der Stadtverwaltung die sinnvollen Anwendungen zaubern können.

Mein Traum: Ein Blick auf die Internetseite der Dresdner Bäder zeigt mir, welches Bad besonders leer ist. Oder wie viele Menschen im Zoo unterwegs sind, im Bürgerbüro warten oder die Buslinie 61 nutzen.

Meine Hoffnung bleibt, dass für das Dresdner Projekt tatsächlich nur allgemeine Daten genommen werden. Nicht, dass am Ende jeder weiß, wo ich bade, wann ich in den Zoo gehe, oder wann ich mit dem Bus fahre.

Fotos: Eric Münch, Christian Suhrbier


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0