Weiter Zoff um Städtebund im Erzgebirge

Von Katrin Richter

Auer Stadtrat Tobias Andrä (34, parteilos) bezeichnet Silberberg als "Black Box" für die Bürger.
Auer Stadtrat Tobias Andrä (34, parteilos) bezeichnet Silberberg als "Black Box" für die Bürger.

Chemnitz - Über die Einheitsstadt „Silberberg“ wird seit mehr als 20 Jahren geredet. Doch auf der Zielgeraden ist die Fusion von Aue, Bad Schlema, Lößnitz und Schneeberg scheinbar längst noch nicht.

Stattdessen immer wieder Dauerquerelen um die künftige Erzgebirgsmetropole mit rund 45.000 Einwohnern.

Zündstoff bergen vor allem immer neue Diskussionen und Vorbehalte. Erst gab es Ärger um den Stadtnamen, dann stritt man in den vergangenen Monaten um eine Werbekampagne. Plötzlich verhandeln Aue und Bad Schlema über eine kleine Fusion.

Fest steht: Wenn im September 2017 Bundestagswahlen anstehen, sollen die Einwohner der vier Kommunen in einem Bürgerentscheid abstimmen, ob sie die Stadt Silberberg wollen. Die Mehrheit der Bevölkerung steht dem Projekt jedoch skeptisch gegenüber.

Das sei wenig überraschend, sagt der Auer Stadtrat Tobias Andrä (34, parteilos). „Für die Bürger ist Silberberg eine Black Box.“ Mit einer Informationskampagne sollen die Auer, Schneeberger, Lößnitzer und Bad Schlemaer aufgeklärt werden.

Vielen Menschen seien die Vorteile der Städte-Ehe nicht bekannt. Dabei gibt es durchaus triftige Gründe für einen Zusammenschluss. Hauptargument: Durch die Fusion fließe mehr Geld vom Freistaat.

Thomas Zöbisch (65), ehemaliger Aue-Stadtrat, erklärt: "Gemeinsam sind wir stark."
Thomas Zöbisch (65), ehemaliger Aue-Stadtrat, erklärt: "Gemeinsam sind wir stark."

Denn so wie die Bevölkerungsanzahl sinkt, schrumpfe auch die Finanzausstattung in den Kommunen. Auch freiwillige Leistungen wie Museen und Bäder könnten gewährleistet werden. Andrä: „Dann können wir uns etwa in den Kitas Öffnungszeiten bis 22 Uhr leisten.“

Der ehemalige Auer Stadtrat Thomas Zöbisch (65) verfolgt die Idee eines Städtebundes im Erzgebirge von Anfang an: „Der Gedanke, gemeinsam sind wir stark ist völlig richtig. Unsere Bevölkerung schrumpft. Die Alternative heißt, jeder stirbt für sich allein.“

Doch das Thema köchelt seit Jahren, ohne das jemals etwas entschieden werde, dass den richtigen Grundgedanken zum Durchbruch verhilft.

Zweifelhaft auch, ob der Druck einer Zweier-Fusion aus Aue und Bad Schlema, tatsächlich als Aufbruchsignal in Richtung Viererbündnis wirkt. Zöbisch: „Die Silberbergvision ist zur Farce geworden.“

Fotos: Maik Börner


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