Wir haben Sachsens schönstes Dorf gefunden, es heißt...

Dieses Dorf hat wirklich Zukunft ...
Dieses Dorf hat wirklich Zukunft ...

Von Antje Meier

Stangengrün - Die Jury des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ hat entschieden: Der Sieger heißt... Stangengrün! Der 620-Seelen-Ortsteil von Kirchberg im Zwickauer Land schlug 16 Konkurrenten aus dem Feld, ist damit Sachsens attraktivstes, schönstes Dorf. Grund genug, einmal hinzufahren und zu schauen: Wie schön lebt es sich eigentlich in Stangengrün?

Es braucht nicht viel Zeit, um zu merken: In Stangengrün ist die Welt noch in Ordnung. Von goldenen Getreidefeldern umgeben, liegt das Dorf in einem Tal.

Ein leise plätschernder Bach schlängelt sich durch den Ort, dessen Bild von herrschaftlichen Dreiseithöfen mit wildromantischen Bauerngärten bestimmt ist.

In diesem futuristischen Gebäude hat Bürstenproduzent Ebert und Weichsel seinen Sitz.
In diesem futuristischen Gebäude hat Bürstenproduzent Ebert und Weichsel seinen Sitz.

Direkt nebenan kauen Kühe genüsslich das saftige Gras, machen diese fast kitschige Idylle perfekt. Platz haben Mensch und Tier in Stangengrün jedenfalls genug. Mit 1 168 Hektar ist das Dorf der größte Ortsteil von Kirchberg.

Und folgte der über 800 Jahre alte Ort lange dem allgemeinen Trend, Einwohner zu verlieren, wächst er nun wieder. Junge Menschen bleiben. Neue Familien ziehen her.

Auch, weil Gasthaus, Bäcker, Friseur, ein kleiner Einkaufsmarkt, Café und Blumenladen im Dorf das Nötige zum Leben bieten. Auch Jobs.

Größter Arbeitgeber ist der Bürstenhersteller Ebert und Weichsel, der etwa 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Menschen ...

Egal, mit wem man in Stangengrün spricht, ob erst vor wenigen Jahren zugezogen oder hier aufgewachsen - die Menschen sind sich einig, warum ihr Dorf das schönste in Sachsen ist: „Es ist das Miteinander!“, sagen alle Befragten gleichermaßen.

Blumige Aussichten

Direkt neben dem Café wartet Manuela Wirker (39) auf Kundschaft. Gemeinsam mit Ehemann Mario (39) zog sie vor einigen Jahren nach Stangengrün. Der ist bei der Kripo, wirkt zudem im Kirchberger Stadtrat, im Dorf-, Heimat- und Jugendverein mit. Sie hat inzwischen ihren kleinen Blumenladen, hilft auch gern mal im Café aus.

Mit Gottes Segen

Auch für Seelenheil ist in Stangengrün gesorgt, dank Pfarrer Jonas Großmann (28). Immerhin 350 Mitglieder aus dem Ort gehören seiner Kirchgemeinde an. „Die Kirche gehört zum Ort und zum gesellschaftlichen Leben einfach dazu“, erzählt Großmann.

„Das ist meine erste Stelle. Und ich bin sehr dankbar, dass ich hierher gesandt wurde. Denn das offene Miteinander und die Solidarität sind bemerkenswert.“ Doch auf ihn wartet auch eine große Herausforderung. Der Glockenturm muss saniert werden. Außerdem sollen neue Bronzeglocken her. Die alten sind bereits verstummt. „Dafür brauchen wir aber viele Spenden.“

Aber bitte mit Sahne!

Gudrun Wirker (61) führt das kleine Café zum Hakenhof. Einen schöneren Platz kann sie sich kaum vorstellen: „Es ist hier sehr idyllisch und die Landschaft tut den Augen gut“, schwärmt sie. In die passt sich das Café wunderbar ein. Einst eine Scheune, sanierte ihre Familie das Gebäude und baute es in ein Café um. Der Clou: Davor wartet auf E-Bike-Fahrer eine Solartankstelle zum Aufladen.

Trecker als Blickfang

Auf Landwirt Werner Gündel (75) wartet schon sein roter Traktor. Er hat nur kurz Mittagspause gemacht. Schon immer lebt er in Stangengrün, inzwischen mit Frau, Kindern und Enkeln unter einem Dach. Ein Mehrgenerationenhof sozusagen. Mit galantem Schwung klettert er auf seinen Trecker, grüßt freundlich und startet den tuckernden Dieselmotor. Er lacht und rollt vom Hof – zurück aufs Feld.

Kinder, Kinder

Die kleine Talea (3) hat sichtlich Spaß beim Zähneputzen. Denn das Waschbecken ist ganz ihres. Lange Zeit war das anders. Kleine und große Kinder mussten sich im Kindergarten „Spatzennest“ einen Waschraum teilen. „Wir sind froh, dass wir das ändern konnten“, sagt Bürgermeisterin Dorothee Obst. Für 100 000 Euro bekamen die Kleinen 2014 ihren eigenen Sanitärbereich. Das zahlte sich auch für Kirchberg aus. So wurde die Stadt im Juni als familiengerechte Kommune zertifiziert.

Dabei ist es fast ein Wunder, dass es das „Spatzennest“ noch gibt. Denn vor einigen Jahren ging die Kinderzahl zurück. Der Kindergarten stand auf der Kippe. Um ihn zu retten, gründeten die Stangengrüner einen Förderverein. Eine Tagesmutter übernahm die Betreuung. Inzwischen ist das Geschichte. Mit 25 Kindern aus Stangengrün ist die Kita voll.

Fotos: Andreas Wetzel


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