Steigende Mieten, leere Geschäfte: Dresdens Hauptstraße in der Krise

Ralf Büttner (47) hat sein Badtextil-Geschäft bewusst in 
Sichtweite zur Hauptstraße.
Ralf Büttner (47) hat sein Badtextil-Geschäft bewusst in Sichtweite zur Hauptstraße.  © Steffen Füssel

Dresden - Dresdens traditionsreiche Flanierstraße muss mit Leerstand kämpfen: Auf der Hauptstraße am Goldenen Reiter schließen momentan etliche Läden.

Die Einzelhandelsexpertin Claudia Spiegel (30) empfiehlt, die Identität der Flaniermeile zu stärken. Nur so habe die Einkaufsstraße eine sichere Zukunft.

Geschäftsinhaber Ralf Büttner (47) kennt die Lage rund um die Hauptstraße: „Hohe Mieten auf der Hauptstraße sind ein Problem, zumindest für die meisten privaten Geschäftsinhaber.“ Er selbst hat seinen Badetextil-Laden bewusst in der direkt benachbarten Heinrichstraße.

Büttner vermisst rund um den Goldenen Reiter ein ansprechendes Restaurant- und Imbissangebot, das Menschen anzieht. Zu dem Ergebnis kommt auch die Immobilienexpertin Claudia Spiegel (30). Sie arbeitet für den weltweit führenden Immo-Analysten „CBRE“ (73.000 Mitarbeiter). Ihr Fazit: „Die Hauptstraße steht im Wettbewerb zum Stadtzentrum. Entscheidend ist daher, dass die Hauptstraße sich ihre eigenen Lage-Identität als traditionelle Flaniermeile beibehält. Nahversorgungs- und Gastronomiekonzepte als Ankermieter können die Attraktivität steigern und damit zur Belebung des Umfeldes beitragen.“

Das hat für Mieter seinen Preis: „Auf der Hauptstraße liegt das aktuelle Mietniveau in der Spitze bei 30 bis 35 Euro pro Quadratmeter“, so die Expertin. Für die Bäckerei Bresan, den Blumenladen Gerbet und die Salatbar „Grünzeugs“ war das zu viel - die Händler zogen weg, die Läden stehen leer.

Claudia Spiegel sieht trotzdem eine Perspektive: Filialisten, Gastronomen und Inhaber, die sich auf das direkte Umfeld in ihrem Viertel ausrichten, haben aus ihrer Sicht eine Chance.

Strauss verblüht in Dresden: 70 Prozent Rabatt vor dem Aus





Die Strauss-Filiale auf der Hauptstraße schließt Ende Februar. Die Firma ist 
insolvent.
Die Strauss-Filiale auf der Hauptstraße schließt Ende Februar. Die Firma ist insolvent.  © Steffen Füssel

Ende Februar schließt die „Strauss“-Filiale auf der Hauptstraße nach 15 Jahren.

Der Ausverkauf läuft, noch liegen Restbestände mit 70 Prozent Preisnachlass in den Regalen.

Ende März soll auch die zweite Dresdner Filiale am Schillerplatz schließen. Die Filialen am Hauptbahnhof und in der Seestraße sind schon länger zu.

Strauss hatte im September 2016 einen Insolvenzantrag gestellt, es war der dritte Insolvenzantrag seit 2014. Ein neuer Investor hatte versucht, mit qualitativ besseren Produkten und neu gestalteten Filialen zu punkten. Der Versuch scheiterte.

Bundesweit haben 670 Menschen ihren Job verloren. Zuletzt hatte das Unternehmen noch 77 Filialen.

Aktuell stehen mehrere Geschäfte leer.
Aktuell stehen mehrere Geschäfte leer.  © Steffen Füssel

Titelfoto: Steffen Füssel


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0