Pegida-Aktivist hetzte gegen kriminelle Ausländer: Jetzt ist er selbst einer

Würzburg - Er hetzte auf Pegida-Kundgebungen immer wieder gegen "kriminelle Ausländer" und forderte zur Schließung der europäischen Grenzen auf. Am Donnerstag wurde der als "Ed der Holländer" bekannte Edwin Wagenveld (50) vom Landgericht Würzburg zu einer Haftstrafe verurteilt.

Der Verurteilte soll außerdem die niederländische Pegida nach deutschem Vorbild aufgebaut haben (Symbolbild).
Der Verurteilte soll außerdem die niederländische Pegida nach deutschem Vorbild aufgebaut haben (Symbolbild).  © dpa/Arno Burgi

Zuvor war der seit 20 Jahren in Deutschland lebende Wagenveld in den Jahren 2013 bis 2016 von fränkischen Gerichten zu hohen Geldstrafen wegen vorsätzlicher Körperverletzung und unerlaubtem Handel mit Schusswaffen verurteilt worden. Nun kam es richtig dicke für ihn. Wegen hinterzogener Steuern im Gesamtwert von rund 290.000 Euro muss der 50-Jährige nun für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das berichtete die Mainpost am Donnerstag.

Somit ist er jetzt selbst einer der kriminellen Ausländer, vor denen er zuvor stets gewarnt hatte. Im Landkreis Rhön-Grabenfeld soll er laut Anklageschrift einen Waffenladen und einen Internat-Handel mit Softairwaffen betrieben haben. Damit war er zwar recht erfolgreich, die Einnahmen versteuerte er aber nicht.

Er selbst versuchte sich laut Informationen der Mainpost aus der Sachlage herauszureden. "Sie sprechen hier über Waffen", sagte er und ergänzte: "aber das meiste war Spielzeug". Darüber hinaus gab er an, dass mindestens 30 Prozent seiner Kunden nicht für die gelieferten Waren bezahlt hätten. "Um ein Inkasso-Büro zu beauftragen, hat mir das Geld gefehlt", versuchte er die Schuld von sich zu weisen.

Doch so arm dran, wie er dem Gericht glauben machen wollte, schien Wagenveld wohl gar nicht zu sein. "Wenn Sie kein Geld hatten, wie konnten sie dann von 2009 bis 2011 fast 240.000 Euro von ihrem holländischen Konto abheben", fragte ihn die Staatsanwältin.

Aufgrund seines Geständnisses muss der 50-Jährige "nur" zwei Jahre und neun Monate in den Knast (Symbolbild).
Aufgrund seines Geständnisses muss der 50-Jährige "nur" zwei Jahre und neun Monate in den Knast (Symbolbild).  © 123RF

Dies begründete der gebürtige Niederländer mit dem Vorwand, dass er bei Lieferung seiner Waffen bar hätte zahlen müssen.

Er selbst konterte mit der Äußerung: "Ich war froh, wenn ich unsere Miete von 400 Euro bezahlen konnte" und wollte damit klarstellen, dass er sich in einer prekären finanziellen Lage befunden habe. Dagegen sprachen jedoch teure Auslands-Urlaube, Parties und unzählige Shopping-Trips, die die Anklage vorbringen konnte.

Auch sein Engagement für die Pegida tat der Angeklagte als lapidar ab. Er sei politisch angeblich nicht mehr "so aktiv" und "helfe nur noch aus". Tatsächlich wird aber davon ausgegangen, dass er die niederländische Pegida federführend nach dem Vorbild der deutschen Bewegung aufgebaut habe.

Aufgrund der drückenden Beweislast gab der bekannte Pegida-Aktivist nach Rücksprache mit seinem Anwalt aber letztlich doch noch nach und gestand die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe. Dies verkürzte die für drei Tage angesetzte Verhandlung erheblich und auch die Haftstrafe reduzierte sich dadurch. "Hätten Sie kein Geständnis abgelegt, wäre die Strafe höher", so der Vorsitzende Richter.

Auf den Erlass eines Haftbefehls wurde verzichtet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: dpa/Arno Burgi


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