10-Milliarden-Stiftung soll Sachsens Chip-Industrie retten

Informatiker Thomas Streil (63) war bereits zu DDR-Zeiten Teil der Dresdner Mikroelektronik- Szene.
Informatiker Thomas Streil (63) war bereits zu DDR-Zeiten Teil der Dresdner Mikroelektronik- Szene.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Die Landeshauptstadt gilt als Mikroelektronik-Zentrale. Mit unsicheren Zeiten: Die Chip-Schmiede Globalfoundries (GloFo) baut 800 Jobs ab. Schon weg sind 350 Zeitarbeiter. Dresdner Wissenschaftler schlagen nun eine Stiftung zur Zukunft der Nanoelektronik vor - auch als Auffanggesellschaft für Spezialisten von GloFo.

Computertechnologie ist das Leben von Thomas Streil (63). Er entwickelte zu DDR-Zeiten den ersten Megabit-Chip mit, arbeitet am Zentrum Mikroelektronik, ZMD. Heute ist der Professor Firmenchef. Der Kontakt mit Ex-Kollegen ist eng, ob sie nun bei AMD, Infineon/Qimonda oder Globalfoundries arbeiteten.

Gegen Globalfoundries erhebte er harte Vorwürfe: „Was dort entwickelt wird, ist fürs Abstellgleis. Die forschen an 22-Nanometertechnologie, wo die Welt 14nm, ja sogar 7nm anpeilt.“

Hält nichts von den Ideen des Professors: Wirtschaftsminister Martin Dulig (41, SPD).
Hält nichts von den Ideen des Professors: Wirtschaftsminister Martin Dulig (41, SPD).

Tatsächlich bereitet die Firma TSMC aus Taiwan die Produktion von 7nm-Technik vor. Und der Verband der Elektrotechnik mit Sitz in Frankfurt/Main zeigt sich in einem Positionspapier in Sorge um den europäischen Mikroelektronik-Standort.

Streils Lösungsvorschlag: „Dresden braucht eine Europäische Nanoelektronik-Stiftung, ENF. In den leeren Reinst-Räumen von Qimonda, auch mit GloFo-Leuten“, sagt er und präsentiert eine Liste der Ideengeber, darunter Bernd Junghans vom Leibniz Institut.

Die geschätzte Kosten: 10 Milliarden Euro sollen laut Greil von Konzernen und dem Freistaat getragen werden. Forschungsziel: besagte 14 bis 7nm.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (41, SPD) hat Zweifel, ob die Idee „ein ernstzunehmendes Angebot“ ist und rügt Streils Stil:

„Ich erreiche doch keine europäische Strategie, in dem ich erstens die Player vor Ort schlecht mache und auch noch die beschimpfe, die für die politische Umsetzung zuständig sind.“

Die Sarad GmbH von Thomas Streil (3.v.l.) in Löbtau. In der Mitte sein Sohn (12).
Die Sarad GmbH von Thomas Streil (3.v.l.) in Löbtau. In der Mitte sein Sohn (12).

Fotos: dpa/Arno Burgi, Holm Helis, Eric Münch


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0