Er riecht nach Tod und sieht aus wie ein Penis: Das ist der ungewöhnliche Pilz des Jahres

Bad Blankenburg - Geruch und Aussehen haben der Gewöhnlichen Stinkmorchel unschöne Vergleiche eingebracht. Nun hat ihr die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) auf einer Tagung im thüringischen Bad Blankenburg den Titel des "Pilz des Jahres 2020" verliehen.

Stinkmorchel lassen sich besonders zur aktuellen Jahreszeit gut sammeln - essen kann man sie allerdings nur, wenn er fachgerecht zubereitet wird.
Stinkmorchel lassen sich besonders zur aktuellen Jahreszeit gut sammeln - essen kann man sie allerdings nur, wenn er fachgerecht zubereitet wird.  © DPA

"Neben dem Aasgeruch sind vor allem die einem männlichen Begattungsorgan ähnelnden Fruchtkörper auffällig", teilte die DGfM am Sonntag mit.

Zu Beginn seiner Wachstumsphase bilde der Pilz zunächst eine Hexenei genannte Knolle. Der eigentliche Fruchtkörper wächst dann schnell heran - bis zu zwei Millimeter pro Minute. Am Ende ragt ein bis zu 20 Zentimeter langer und 4,5 Zentimeter breiter Pilz aus der Erde.

Der Fruchtkörper bescherte der Morchel ihren lateinischen Namen, wie die Experten mitteilten. "Phallus impudicus" bedeute so viel wie "unzüchtiger Penis".

Der ausgewachsene Pilz sei es auch, der den typischen Aasgeruch entwickle. Dieser lasse sich auf die Sporenmasse zurückführen, die an der Pilzspitze verschleimt. Von Bedeutung sei die Morchel vor allem als Nahrung für Insekten.

Denn die Sporen würden nicht vom Wind, sondern von Fliegen verbreitet, die durch den Aasgeruch angelockt werden. "Es riecht tatsächlich wie ein überfahrenes Tier, das im Straßengraben liegt", so Lachmann. Der DGfM zufolge ist der Pilz auch als Brutort für Insekten von Bedeutung.

In Laub- und Nadelwäldern Europas und auch darüber hinaus sprießt die Morchel von Juni bis Oktober. "Jetzt stehen die Chancen also gut, welche zu finden", sagt Lachmann. Giftig sei der Pilz nicht, er gelte aber in der ausgewachsenen Form als ungenießbar. Fachgerecht und wie Bratkartoffeln zubereitet, könnten aber auch Menschen die Hexeneier genießen.

Titelfoto: DPA

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