Meine Meinung: Wer sich über den Klo-Witz von AKK aufregt, hat Fasching nicht verstanden!

Konstanz – Es ist wieder so weit: Die närrische Zeit steuert auf ihren Höhepunkt zu. Und wie es so ist in der fünften Jahreszeit: Da werden Witze gerissen, da hagelt es Zoten. Kurzum: Da wird scharf geschossen. Nicht immer schlau. Nicht immer witzig. Und nicht immer über der Gürtellinie.
Annegret Kramp-Karrenbauer in Stockach.
Annegret Kramp-Karrenbauer in Stockach.  © DPA

Doch bevor die Narren in Deutschland heute bei den Rosenmontagsumzügen unterwegs sind, jagt im närrischen Treiben 2019 schon ein Skandal den nächsten! Oder besser: ein Skandälchen das nächste.

Angefangen hatte alles mit Annegret Kramp-Karrenbauer (56). Also nicht mit der CDU-Bundesvorsitzenden selbst, sondern mit Bernd Stelter. Der hatte bei einer Karnevalsaufzeichnung Witze über Kramp-Karrenbauers Doppelnamen gemacht. Das passte einer Zuschauerin (die selbst einen Doppelnamen hat) gar nicht, sie kam auf die Bühne, stellte ihn zur Rede. Der WDR stellte die Szene anschließend via Twitter ins Netz.

Tagelang sorgte der Vorfall für Schlagzeilen, auch für die Dame, die Stelter die Meinung geigte, hatte er offenbar Folgen. Wie der WDR berichtet, werde die Steuerberaterin im Netz angefeindet, erhalte negative Bewertungen auf entsprechenden Portalen. Mit diesem ersten Skandal hatte Kramp-Karrenbauer alias AKK aber eben nur am Rande zu tun.

Dann kam der zweite Empörungsaufschrei – und dieses Mal steht sie im Zentrum des Sturms. AKK war im baden-württembergischen Stockach nahe Konstanz vors „Stockacher Narrengericht“ zitiert worden. Und dort tat sie das, was unzählige Redner in der Faschingszeit machen: Sie riss Witze.

Unter anderem ließ sich die CDU-Chefin über Toiletten fürs dritte Geschlecht aus. "Guckt Euch doch mal die Männer von heute an", witzelte AKK: "Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin, da seht Ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen."

Unterm Gejohle des Publikums ging es weiter: "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette."

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

Bumm! Skandal! Auf Twitter sprang die Empörungs-Maschine erwartungsgemäß unter dem Hashtag #AKK darauf an und heulte los. Die 56-Jährige ist, wenn es nach den Twitter-Hysterikern geht, wahlweise homophob, transphob, reaktionär oder was weiß ich was.

Dabei hat sie nur das gemacht, was in der Faschingszeit zum guten Ton gehört: flache Witze reißen. Die Fastnacht ist nun einmal nichts für Zartbesaitete und Schöngeister. Da gehört auch der derbe Kalauer zum festen Bestandteil einer Rede.

Genau damit hat übrigens im vergangenen Jahr die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" im Bayerischen Rundfunk für Ärger und Schlagzeilen im ganzen Land gesorgt. Ob Welt oder Süddeutsche Zeitung: Alle schrieben sie über das angeblich skandalöse Verhalten der Faschingstruppe.

Was war passiert? Die Komiker hatten sich in einem Lied über den Altersunterschied von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (41) und dessen Ehefrau Brigitte (65) lustig gemacht. Die First Lady Frankreichs bezeichneten sie etwa als "gut eingefahrenen Schlitten". Darauf hin hagelte es Prügel von allen Seiten. Dass sie direkt im Anschluss ähnlich scharf den Altersunterschied von Donald Trump (72) und seiner Gattin Melania (48) veralberten, ging im Empörungs-Geschrei völlig unter.

Hauptsache geblökt. Hauptsache empört. Hauptsache auf Twitter die eigene Humorlosigkeit raushängen lassen. Denn das offenbaren all die Dauer-Empörten in schöner Regelmäßigkeit: sie haben keinen Humor. Über sich selbst lachen können sie schon gar nicht. Vermutlich lachen sie nicht mal heimlich im Keller. Wenn es so weitergeht, wird künftig scharf reglementiert, was in der närrischen Zeit noch zum Witzemachen taugt.

Schon jetzt wissen wir: Witze über Intersex-Toiletten sind verboten. Witze über die Eheleute Macron auch. Auch nicht mehr alle Faschingskostüme sind von der humoristischen Sittenpolizei genehmigt. Als Indianer verkleiden? Rassismus! Als Afrikaner? Rassismus! Cowboys fördern patriarchale Männerbilder, die sind auch raus. Und der Colt im Halfter fördert Gewalt. Oder toxische Männlichkeit. Oder sonst irgendeinen Quatsch.

Ob Witze oder Kostüme: Wer im Fasching 2019 nicht bei irgendwelchen Nörglern anecken will, der ist wohl am besten still und malt sich maximal noch eine rote Nase ins Gesicht. Den Kern der närrischen Zeit, das Verkleiden, das durch-den-Kakau-ziehen, das Anprangern, das Verpacken von unangenehmen Wahrheiten in derben Witzen, den haben die Dauer-Empörten eh nicht verstanden.

In diesem Sinne: Helau, Alaaf und feiert ja nicht zu lustig! Sonst gibt's am Ende nur wieder Skandälchen...

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