Böser Verdacht: Hat ein Fischer in der Ostsee 23 Robben brutal getötet?

Stralsund - Bleibt der Tod von 23 hilflosen Kegelrobben im Greifswalder Bodden im Herbst 2017 für immer ungesühnt? Zumindest will die Staatsanwaltschaft jetzt die Ermittlungen gegen einen verdächtigen Fischer einstellen.

Zum Glück kein seltener Anblick mehr an der deutschen Ostseeküste: zwei niedliche Kegelrobben.
Zum Glück kein seltener Anblick mehr an der deutschen Ostseeküste: zwei niedliche Kegelrobben.  © dpa/Stefan Sauer

Der Mann war in Verdacht geraten, für den Tod der Meeressäuger verantwortlich zu sein.

Demnach soll er spezielle Fischfangnetze, sogenannte Reusen, absichtlich so gestellt haben, dass sich Robben darin verfangen und schließlich ertrinken!

Der Tatnachweis habe jedoch nicht mit der für eine Anklage notwendigen Sicherheit geführt werden können, erklärte Martin Cloppenburg, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, gegenüber der DPA.

Die Kadaver der streng geschützten Robben waren zwischen September und Dezember an der Südküste Rügens angespült worden.

Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Robben tatsächlich in den Reusen starben.

Ein Experte des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund untersuchte am 6. Dezember 2017 eine der toten Kegelrobben.
Ein Experte des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund untersuchte am 6. Dezember 2017 eine der toten Kegelrobben.  © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Laut Beamten des LKA sei es nicht möglich gewesen, verwertbare DNA-Spuren an den Reusen zu sichern und diese dann auch später den toten Tieren zuzuordnen, so Cloppenburg weiter. Daraufhin habe man auf das Beschlagnahmen der Reusen verzichtet.

Gegen den Fischer war wegen des möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt worden.

Noch Ende April wurde im Greifswalder Bodden und an der Greifswalder Oie mit rund 300 Kegelrobben ein über 100 Jahre alter Rekord verzeichnet (TAG24 berichtete).

Die Fischereibranche moniert seit Jahren wachsende Robbenbestände. Fischer beklagten bei ihren Heringsfängen im Frühjahr Verluste von 20 Prozent und mehr, weil ein Teil ihres Fangs in den Stellnetzen angefressen war.

Um den Fischbestand zu schützen, denkt der CDU-Politiker und EU-Abgeordnete Werner Kuhn (63) sogar darüber nach, die Robben zum Abschuss freizugeben (TAG24 berichtete).

Titelfoto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa


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