Tür-Falle! Rentnerin von Straßenbahn mitgeschleift

Mutter Edith und Sohn Karl-Heinz (59) wollen nach mehr als einem Jahr endlich die Schuldfrage geklärt wissen.
Mutter Edith und Sohn Karl-Heinz (59) wollen nach mehr als einem Jahr endlich die Schuldfrage geklärt wissen.

Von Stefan Ulmen

Dresden - Was ist bloß mit den Türen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) los? Vergangene Woche berichtete MOPO24 über die Automatik-Falle, weil sie zu schnell schließen. Jetzt meldete sich eine weitere Familie mit einem ganz ähnlichen Vorfall, der betroffen macht.

Edith M. feierte gerade ihren 89. Geburtstag und fährt seit 1956 mit der Tram durch Dresden. Doch seit einem schweren Unfall nur noch mit äußerster Vorsicht. Denn vor gut einem Jahr erlebte die betagte Dame den Albtraum jedes Straßenbahn-Passagiers.

Noch heute ist sie so davon aufgewühlt, dass ihr Sohn Karl-Heinz (59) über den Unfall berichten muss: „Am 18. Juni 2014, kurz vor Mittag wollte meine Mutter vom Schillerplatz zum Altmarkt.

Sie stieg wie immer in die letzte Tür des Straßenbahnzuges, damit es kürzer für sie nach Hause ist. Sie hatte bereits einen Fuß im Wagen, auch ihr Stock war drin, als die Straßenbahn plötzlich losfuhr!“

Schließen die Straßenbahn-Türen wirklich zu schnell? Die DVB sagen, es gebe drei unabhängige Sicherungssysteme dagegen.
Schließen die Straßenbahn-Türen wirklich zu schnell? Die DVB sagen, es gebe drei unabhängige Sicherungssysteme dagegen.

Die Rentnerin wurde sechs Meter mitgeschleift, erlitt einen doppelten Armbruch links und lag vier Wochen in der Uni-Klinik. „Danach ging sie mehr als zehn Wochen zur Reha nach Bad Gottleuba“, berichtet der Sohn. „Aber auch aktuell hat sie immer noch starke Belastungsschmerzen.“

Seit diesen knapp 14 Monaten wartet er auf die Klärung der Ursache, die Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch. Ägerlich für sie: „Die DVB haben sich wegen eines eventuellen Schadenersatzes nicht einmal bei meiner Mutter gemeldet. Dabei hätte sie am Schillerplatz sterben können!“

Was ihn aber noch mehr umtreibt: „Es müssten dringend Sensorleisten an den Türen angebracht werden, von oben bis unten. Ich habe eine entsprechende Mail mit einem Fachartikel an die Verkehrsbetriebe geschrieben - doch bis heute gab es keine Reaktion! Das ist schon traurig.“

Fotos: Eric Münch, privat


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