Basti und seine Familie betreiben Leipzigs "Kälte Mobil": "Für uns sind alle Leute gleich"

Leipzig - Seit einem Jahr betreibt Basti Schauer zusammen mit seiner Familie das sogenannte Street Mobil Leipzig. Die private Obdachlosenhilfe unterstützt Leipzigs Wohnungslose mit Essen, Kleidung und allem, was sie benötigen und findet dabei selbst immer mehr Anklang. Die Gründe für das Projekt sind überraschend simpel.

Basti Schauer bei der Arbeit. Etwa 50 Portionen gibt er pro Abend aus.
Basti Schauer bei der Arbeit. Etwa 50 Portionen gibt er pro Abend aus.  © Eric Mittmann

"Im letzten Winter war es ja so kalt", erklärt Basti Schauer, während er aus dem Kofferraum seines Autos Essen verteilt. Auf der Speisekarte stehen an diesem Abend Erbsensuppe mit Würstchen. Dazu gibt es Brot, heißen Kaffee, Schokoriegel und sollte die Suppe ausgehen, stehen auch noch ein paar Fünf-Minuten-Terrinen bereit. "Das mit der Kälte war mir dann irgendwann zu viel, weil Leipzig ja auch keinen Kältebus hat. Also haben meine Familie und ich zwei Liter Suppe vorbereitet und sind los. An diesem Abend haben wir nichts verteilt. Du kannst nicht einfach in die Stadt fahren und Essen ausgeben. Die Leute müssen Vertrauen zu dir aufbauen. Außerdem besitze ich ein Gesundheitszeugnis."

Etwa einen Monat habe es gedauert, bis sich das Street Mobil rumgesprochen hat. Mittlerweile gibt Basti um die 50 Portionen pro Abend aus, sagt er. Das Essen bereiten er und seine Familie selbst vor. "Wir geben meist Suppe aus. Das hält warm, ist nahrhaft und muss schnell gegessen werden. Andere Sachen, wie belegte Brötchen oder Obst, nehmen die Leute, stecken sie sich in die Taschen und vergessen sie am Ende noch, sodass sie schlecht werden. Das wollen wir nicht."

Etwa zwei Stunden dauere die Vorbereitung der Mahlzeiten. "Insgesamt bin ich dann so vier Stunden unterwegs." Das Ganze viermal die Woche, neben einem Vollzeitjob bei Porsche. "Meine Frau und meine Tochter bereiten viel vor", winkt Basti ab.

Auch auf seinen Fahrten in die Innenstadt begleiten sie ihn regelmäßig. "Meine Tochter im Moment eher weniger, weil sie das Ganze zu sehr mitnimmt. Man erlebt hier wirklich viel. Trotzdem baut man irgendwann eine persönliche Bindung zu den Leuten auf. Wir urteilen auch nicht. Für uns sind alle Menschen gleich, solange sie sich benehmen."

Street Mobil Leipzig: "Ich will das hier nur weitermachen"

Seit einem Jahr betreiben Basti Schauer und seine Familie das Street Mobil, eine private Obdachlosenhilfe.
Seit einem Jahr betreiben Basti Schauer und seine Familie das Street Mobil, eine private Obdachlosenhilfe.  © Eric Mittmann

Neben den Mahlzeiten versorgen Basti und seine Familie Leipzigs Wohnungslose auch mit Kleidung, Schlafsäcken und Hygieneartikeln. Allesamt gespendet von Leipzigs Bürgern. "Wir haben irgendwann mal eine Facebook-Seite gestartet, die mittlerweile wirklich gut angenommen wird. Die Leute auf der Straße sagen mir mittlerweile auch, was sie brauchen. Wir geben das dann über Facebook weiter und meist meldet sich dann jemand, der uns helfen kann. Wir können natürlich nur das ausgeben, was gespendet wird und nehmen da auch nur Sachspenden an."

Durch das Netzwerk der Familie seien mittlerweile auch Hilfs-Aktionen möglich geworden. So plante Basti zur Zeit des Treffens mit TAG24 eine Haarschneide-Aktion samt Fotoshooting für Bewerbungsbilder, die im kommenden Jahr stattfinden soll. "Der Salon Schnittstelle hat angeboten, den Leuten die Haare zu schneiden und ihnen die Bärte zu stutzen. Die Fotos übernimmt dann das Atelier Schaukunst. Wenn sich von 15 Teilnehmern vielleicht zehn bewerben und acht einen Job bekommen, wäre das doch super."

Am Donnerstag veranstaltete das Team des Street Mobils zusammen mit dem Verein Asisto das erste Weihnachtsessen für Obdachlose in Leipzig (TAG24 berichtete). Und auch zu Weihnachten hatten Basti und seine Familie für eine Überraschung gesorgt. "Wir haben Weihnachtstüten vorbereitet." Darin enthalten: Süßigkeiten, eine Wärmelampe sowie wiederverwendbares Besteck. "Vorher haben wir Plastikbesteck und -Becher rausgegeben. Das wollten wir etwas nachhaltiger gestalten."

Denn eines steht für Basti fest: Das Street Mobil wird er auch weiterhin betreiben. "Als wir damals angefangen, haben wir sowohl von links als auch rechts Gegenwind bekommen. Dabei sind wir überhaupt nicht politisch. Für uns sind alle Leute gleich. Ich will das hier nur weitermachen."