Oertel steigt bei Pegida aus +++ Demo abgesagt!

Kathrin Oertel letzten Sonntag bei ihrer Rede auf dem Theaterplatz.
Kathrin Oertel letzten Sonntag bei ihrer Rede auf dem Theaterplatz.

Dresden - Schon wieder interner Wirbel bei der Dresdner PEGIDA. Nachdem in der vergangenen Woche Gründer Lutz Bachmann (42) von der Spitze des Vereins zurücktrat, ist jetzt Sprecherin Kathrin Oertel (37) ausgestiegen.

Außerdem wurde der 14. Abendspaziergang am kommenden Montag abgesagt. Rathaussprecher Kai Schulz bestätigte am Mittwoch 16:26 Uhr: "Pegida hat heute eine für Montag den 02.02.2015 geplante Demo abgesagt."

Der Grund für den Rücktritt soll wieder Lutz Bachmann gewesen sein. Entgegen seiner Ankündigung, er wolle sich aus dem PEGIDA-Verein zurückziehen, übernimmt er intern wohl weiter eine führende Rolle.

So ist offenbar der Facebook-Post zur Kundgebung am vergangenen Sonntag auf dem Theaterplatz von Lutz Bachmann verfasst und veröffentlich worden. Unter dem Post stand gezeichnet "LB" wie Lutz Bachmann. 30 Minuten später war das LB verschwunden, nachdem mehrere Leute gefragt hatten, ob denn "der Lutz immer noch da" sei.

Erst (Jugend-)Freunde, jetzt Gegner? Kathrin Oertel und Lutz Bachmann
Erst (Jugend-)Freunde, jetzt Gegner? Kathrin Oertel und Lutz Bachmann

Im Orga-Team war bei mehreren Mitgliedern der Eindruck entstanden, dass Bachmanns Entschuldigung für seinen rassistischen Facebook-Post (siehe unten) und sein Rückzug nicht ernst gemeint waren.

Daraufhin warfen außer Oertel noch weitere Gründungsmitglieder hin. Zu ihnen zählen nach stern-Informationen u.a. auch AfD-Mitglied Achim Exner, der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke und Thomas Tallacker.

Am Mittwochmittag erreicht MOPO24 den PEGIDA-Organisator René Jahn (49).

Er sagt: "Ich kann Kathrins Rücktritt bestätigen. Drei weitere Mitglieder des Orga-Teams und ich sind aus dem Verein ausgetreten. Es gab am Dienstag um 17 Uhr eine Sitzung des gesamten Orgateams. Dabei wurde kontrovers über die Rolle von Lutz Bachmann diskutiert. Wir waren der Meinung, dass es kontraproduktiv ist, wenn er weiter bei PEGIDA eine führende Rolle spielt. Wir würden früher oder später der Lüge bezichtigt und als Bewegung unglaubhaft. Hier geht es um PEGIDA, nicht um Einzelschicksale. Was der Verein jetzt nach unserem Rückzug macht, ist seine Sache."

Außerdem machte er deutlich: "Es kann nicht sein, das wir uns in aller Deutlichkeit von Lutz Bachmanns untragbaren Äußerungen distanzieren, er dann aber im Orga-Team der Pegida bleiben will. Mit diesem Nazi-Zeug und den rechten Äußerungen möchte ich nichts zu tun haben”.

Ingo Friedemann war bereits am Sonntag aus dem Orga-Team und dem Verein zurückgetreten; das bestätigte er auf MOPO24-Nachfrage. Dieser Entschluss sei bereits mit Auftauchen der Bachmann-Posts und des Hitler-Bildes gefallen.

René Jahn am Sonntag auf dem Theaterplatz.
René Jahn am Sonntag auf dem Theaterplatz.

Auf der Facebookseite von Pegida wurde eine Erklärung veröffentlicht, in der andere Gründe für die Rücktritte genannt wurden. So hätten Kathrin Oertel und Uwe Tallacker privat und beruflich zu sehr unter Anfeindungen von PEGIDA-Gegnern gelitten.

Was der Rückzug für die PEGIDA bedeutet, kann nur gemutmaßt werden. Fest steht, dass Kathrin Oertel seit dem Auftritt bei Günther Jauch (am Sonntag, 18.1.) massiv an Bedeutung und Bekanntheit zugelegt hatte. Nahezu jede große deutsche Zeitung hatte ihr Foto veröffentlicht.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (50, CDU) hatte sich am Montag sogar mit ihr zum Gespräch getroffen. Zum Oertel-Rücktritt wollte sich Ulbig gegenüber MOPO24 am Mittwochnachmittag aber nicht äußern.

Bachmann selbst war am 21. Januar zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass er auf seiner Facebookseite vor Jahren Ausländer als "Viehzeug" und "Gelumpe" beschimpft hatte. Außerdem hatte er sich als Hitler gepostet, mit der Unterschrift "Er ist wieder da!"

Seit dem führte Oertel die PEGIDA-Geschäfte zusammen mit René Jahn. Nun müssen die Karten wohl noch einmal neu gemischt werden. Für übernächsten Montag (9. Februar) ist nunmehr der 14. Spaziergang geplant.

Auf ihrer Facebookseite teilte PEGIDA am Mittwoch mit, dass in den nächsten Tagen in einer Sondersitzung ein neuer Vorstand gewählt werden soll. Demnach soll Lutz Bachmann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bachmann bestätigte das gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Bachmann zur SZ. "Ich bin auch froh, dass ich da draußen bin, ich will gar nicht mehr."

Lutz Bachmann, als Hitler frisiert. Das Bild ging um die Welt.
Lutz Bachmann, als Hitler frisiert. Das Bild ging um die Welt.

Fotos: dpa, imago, Felix Meinicke


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