Streit um diese Fahne bei PEGIDA

Während der PEGIDA-Demos sind schon immer zahlreiche Wirmer-Fahnen zu sehen.
Während der PEGIDA-Demos sind schon immer zahlreiche Wirmer-Fahnen zu sehen.

Hamburg - Anton Wirmer, der Sohn des NS-Widerstandskämpfers Josef Wirmer, kritisierte in einem Interview die Verwendung der so genannten Wirmer-Fahne durch PEGIDA-Anhänger.

Bei deren Demonstrationen wird von ihnen die Schwarz-Rot-Goldene Fahne geschwenkt, die das Philippuskreuz, wie etwa in der Norwegischen Flagge, darstellt.

Gegen diese Verwendung verwahrt sich Anton Wirmer. In einem Interview mit spiegel.de stellt er klar, dass sein Vater darin ein Symbol für Freiheit und Toleranz gesehen hat.

Dass nun unter anderem PEGIDA-Anhänger die von seinem Vater entworfene Flagge tragen, lehnt er ab: "Ich bin entsetzt. Es ist im Grunde die Verdrehung all der Ideen, die seine Flagge darstellt."

Und er stellt nochmal klar: "Die Wirmer-Fahne steht nicht für einen abstrakten Widerstandsbegriff. Sie steht vor allem für eine freiheitliche und tolerante Gesellschaft."

Noch mehr Sorge macht ihm allerdings ihre zunehmende Vereinnahmung durch rechtsextreme Gruppen.

Seine Familie prüft deshalb, ob man rechtlich gegen die Verwendung und den Verkauf der Fahne vorgehen kann.

Nach Auffassung vieler Rechter steht sie als Symbol gegen angebliche ausländische Fremdherrschaft. Die skandinavische Kreuzform soll eine Bekenntnis zur nordischen Kultur sein.

Die rechtsextremen Reichsbürger meinen, dass die Fahne der Hitler-Attentäter verwendet werden könne, da ein neues Deutsches Reich ohnehin nur ohne Hitler möglich sei.

Das ist die Wirmer-Fahne

Die Fahne wurde von Josef Wirmer (kl.F.) geschaffen.
Die Fahne wurde von Josef Wirmer (kl.F.) geschaffen.

Josef Wirmer gehörte zum engeren Kreis der Hitler-Attentäter um Claus Graf Schenk von Stauffenberg und entwarf die Flagge während der Vorbereitungen des Attentats im Jahr 1944.

Mit der Fahne wollte er einen bewussten Gegenpol zu den Nationalsozialisten setzen. Deshalb wählte er auch das Phillippuskreuz in den deutschen Nationalfarben als Zeichen gegen das Hakenkreuz.

Neben der Ablehnung der Ideen des Nationalsozialismus war sie verbunden mit der Hoffnung auf einen demokratischen Neustart und sollte als vorläufige Nachkriegs-Fahne dienen.

Nach dem missglückten Attentag auf Hitler wurde Wirmer festgenommen und zum Tode verurteilt. Am 8. September 1944 richteten ihn die Nazis hin.

Die CDU wollte die Fahne 1948 in Westdeutschland einführen, bekam dafür aber im Parlamentarischen Rat keine Mehrheit.

Fotos: imago, Eric Münch,


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