Streitatlas: Wo ist der Zoff am größten in Sachsen?

Martin Stolpe, Rechtsanwalt aus Leipzig.
Martin Stolpe, Rechtsanwalt aus Leipzig.

Von Katrin Richter

Leipzig - Wie oft in Sachsen juristisch die Fetzen fliegen, hängt stark vom Wohnort ab. Am häufigsten streiten die Leipziger. Das geht aus dem aktuellen Streitatlas einer Rechtsschutzversicherung hervor. Demnach kommen in Sachsen 22 Streitfälle auf 100 Einwohner.

Dass die Sachsen sich gern miteinander anlegen, zeigt die Erhebung der Advocard Rechtsschutzversicherung, die dafür Daten ihrer Kunden auswerten ließ.

Den meisten Zoff gibt es demnach in der Stadt Leipzig und im Umland: Mit knapp 30 Fällen pro 100 Einwohner ist Leipzig sogar die Streithauptstadt Deutschlands. Martin Stolpe, Rechtsanwalt aus Leipzig zu den Ergebnissen: „Leipzig boomt, und dadurch bieten sich vermehrt auch Streitanlässe.“

Leipzig ist deutsche Streithauptstadt und verdrängt die Kölner Jecken von Platz eins.
Leipzig ist deutsche Streithauptstadt und verdrängt die Kölner Jecken von Platz eins.

Auf Platz zwei des Knatsch-Rankings kommt Dresden mit 25,3 Fällen. Am friedlichsten geht es in Görlitz zu (16,7 Fälle). Was noch auffällt: In Bautzen streiten sich seit 2012 deutlich mehr Menschen. Hier haben die Streitigkeiten um gut ein Viertel zugenommen.

Dabei geht es häufig um gar nicht viel. In knapp 66 Prozent der Fälle liegt der Streitwert bei unter 2000 Euro. Doch dafür nehmen die Kläger aus Sachsen mitunter viel Zeit in Kauf. In 33 Prozent der Fälle kann eine Verhandlung zwischen einem und zwei Jahren dauern.

Die häufigsten Gründe der Sachsen vor Gericht zu ziehen, sind private Streitigkeiten. Ein gutes Drittel (35,4%) des Zoffs dreht sich um Persönliches, wie ein falsch geliefertes Smartphone, Schadensersatzansprüche nach Verleumdung im Netz oder Schmerzensgeld nach Kunstfehlern. Zweithäufigstes Thema ist der Verkehr (27,9%). Im Erzgebirgskreis zieht man mit 33,4 Prozent sogar häufiger vor den Kadi, wenn es ums Auto geht.

Während die Best Ager ab 66 Jahren ihr mildes Gesicht zeigen (rund 5,5 Prozent Streitfälle). Wird zwischen 46 und 55 Jahren am häufigsten gestritten. Sachsenweiter Spitzenreiter ist Nordsachsen mit 32 Prozent. Doch auch die unter 36-jährigen Sachsen werden mit 26,8 Prozent immer streitlustiger. Der Zoff stirbt nicht aus.

Sachsens Frauen sind bundesweit spitze

Verteilung.
Verteilung.

Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen führen die Tabelle der Streithähne mit deutlichem Vorsprung vor den friedfertigen Süddeutschen (Bayern, Platz 16) an. Sachsen reiht sich an 13. Stelle mit 22 Streitfällen pro 100 Einwohner ein.

Unschlagbar streitbar sind die Sächsinnen im Bundesdurchschnitt: Während die Frauenquote bundesweit beim Stunk nur 32,8 Prozent beträgt, zankt es sich in Sachsen zu 36,2 Prozent weiblich. In der Landeshauptstadt sind die Dresdnerinnen sogar in 39,2 Prozent der Fälle involviert.

Kein Spaß versteht der Erzgebirgler auch, wenn es um sein Auto geht. 33,4 Prozent der Streitigkeiten im Erzgebirgskreis betreffen den Verkehr. Auffallend ist, dass die Sachsen häufiger um Verkehrsthemen streiten als im Bundesvergleich (27,9 verglichen mit 24,7 Prozent). Deutlich weniger Rangeleien gibt es im Vogtlandkreis um die Themen Wohnen und Miete (-7,8 Prozent).

Grafik: advocard, Fotos: PR (1), imago (1)


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