Streitpunkt Videobeweis in der Bundesliga: "Können wir in die Tonne treten!"

Augsburg - Der Videobeweis im Profi-Fußball scheint vielen Fans des runden Leders auf den Magen zu schlagen. Erst jüngst äußerte sich FC-Augsburg-Präsident Klaus Hofmann.

WM 2018: Schiedsrichter Björn Kuipers zeigt mit der beidhändigen Geste an, dass er seine Einschätzung der Spielszene noch einmal ansehen möchte.
WM 2018: Schiedsrichter Björn Kuipers zeigt mit der beidhändigen Geste an, dass er seine Einschätzung der Spielszene noch einmal ansehen möchte.  © Federico Gambarini/dpa

Wir erinnern uns: Früher haben sich etliche Fans und Offizielle beschwert, wenn ein Eingreifen des Schiedsrichters am Ende spielentscheidend, ja vielleicht sogar titelentscheidend war. Der Mann in schwarz wurde zum Buhmann, wenn das eigene Team um den (erhofften) Sieg gebracht wurde.

Die Lösung: Der Video-Assistent. In strittigen Szenen können Schlüsselmomente noch einmal genauer betrachtet werden.

Doch viele scheinen nun damit ein Problem zu haben. Erst am Montag äußerste sich der Präsident des FC Augsburgs dazu, dass es Änderungen geben muss. Doch schon in der vergangenheit kochten hier die Gemüter hoch.

"Die Schiedsrichter sind nicht mehr so souverän und selbstsicher, wie sie es vor dem Videokeller waren" meinte Fortuna-Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel bereits im vergangenen Jahr gegenüber stimme.de.

Sein Freiburger Kollege, Christian Streich, wird mit den Worten "Das wird verrückt. Das ganze Spiel ist nicht mehr das Spiel, was es sein muss. Das ist kein Fußball mehr." zitiert.

Auch zum Start der neuen Bundesligasaison sorgt der für viele gewöhnungsbedürftige Videobeweis aus Köln für Zündstoff. "Man muss aufpassen, dass der Schiedsrichter nicht zum Gehilfen des Video-Assistenten wird", mahnte beispielsweise Ex-FIFA-Schiedsrichter Markus Merk im Gespräch mit dem Nachrichtenportal t-online.de.

Muss der Videobeweis noch einmal überarbeitet werden?

4. Spieltag: Schiedsrichter Sascha Stegemann (r) schaut sich eine Spielszene zwischen RB Lepzig und dem FC Bayern München mit Videobeweis auf einem Monitor an.
4. Spieltag: Schiedsrichter Sascha Stegemann (r) schaut sich eine Spielszene zwischen RB Lepzig und dem FC Bayern München mit Videobeweis auf einem Monitor an.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Alles nur Schwarzmalerei?

In vielen Profisportarten ist es gängige Praxis, dass zur Sicherheit noch einmal auf die Aufzeichnungen geschaut wird. Jeder Eishockey-Fan kennt die Situation und das bange Warten darauf, mit welcher Entscheidung der Schiedsrichter von der Leitstelle zurück kehrt.

Auch im American Football, präzise in der NFL, können sogar die Coaches selbst bestimmte vermeintliche Fehlentscheidungen anzweifeln lassen und einen Videobeweis fordern. Seit vielen Jahren bereits. Doch auch hier werden der Videobeweis und die Regeln dazu ständig nachkorrigiert und optimiert. Es ist ein Prozess.

Auch der Präsident des FC Augsburg, Klaus Hofmann, forderte am Montag eine Überarbeitung der aktuellen Praxis. Obwohl er grundsätzlich ein Fan von der technischen Unterstützung sei, würde die aktuelle Handhabung den Akteuren "in sehr vielen Fällen den Spaß am Fußball" nehmen, sagte er gegenüber den Medien "Augsburger Allgemeine" und "Kicker".

Er nimmt die Verantwortlichen in die Pflicht. Der Video-Referee sollte nur bei ganz klaren Fehlentscheidungen eingreifen. Das sei vor der Einführung so beschlossen worden. "Dann sollten wir es auch so machen." Außerdem möchte Hofmann die Bildschirme am Spielfeldrand verschwinden lassen: "Soll er bei Sonneneinstrahlung und bei 60.000 brüllenden Zuschauern besser erkennen, ob es Elfmeter war oder nicht, als die vier, vierzehn oder 24 Mann im Kölner Videokeller?"

Außerdem sollen strittige Szenen auf den Leinwänden zu sehen sein - für alle Zuschauer sichtbar. Ob das durch die Fanbrillen betrachtet eine gute Idee ist? Doch Hofmann bleibt dabei. "Ansonsten können wir das Konzept über kurz oder lang in die Tonne treten."

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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