6500 Haushalte ohne Strom: Bekennerschreiben von Extremisten im Internet!

Berlin - Der Vorwurf klingt ungeheuerlich: War ein Brandanschlag von Extremisten schuld am Stromausfall in 6500 Haushalten in Berlin-Charlottenburg?

Experten begutachten den Schaden am Tatort Mörschbrücke in Berlin-Charlottenburg.
Experten begutachten den Schaden am Tatort Mörschbrücke in Berlin-Charlottenburg.  © dpa/Paul Zinken

In rund 6500 Haushalten in Berlin-Charlottenburg ging am Montag über Stunden nichts mehr. Der Strom war nach einem Kabelbrand weg. Im Netz taucht wenig später ein Bekennerschreiben auf.

Der Stromausfall ist mutmaßlich auf einen Brandanschlag zurückzuführen!

Im Netz bekannte sich am Montag eine Gruppe mit dem Namen "Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen" dazu, eine "große Menge Kabel" angezündet und "gezielt Kabel durchtrennt" zu haben.

Ziel war demnach die Schädigung von Militär, der Flugbereitschaft der Bundesregierung, der Flughafen Tegel und mehrere Großkonzerne, welche die Starkstromkabel nutzen.

Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen, wie ein Sprecher sagte. Über die genaue Ursache für den Brand könne noch nichts gesagt werden.

Kapitaler Stromausfall in Berlin. (Symbolbild)
Kapitaler Stromausfall in Berlin. (Symbolbild)  © dpa (Symbolbild)

In Berlin verüben immer wieder linksextremistische Gruppen gezielt Brandanschläge. So zuletzt im Vorfeld des Hamburger G20-Gipfels, als in mehreren Bundesländern an 13 Stellen Feuer in Bahnanlagen gelegt wurde.

"Anschläge auf die Infrastruktur, wie zum Beispiel das Stromnetz, treffen alle. Das ist kein dummer Scherz, denn das kann Leben gefährden", verurteilte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (53, SPD) die Tat.

"Wer wissentlich das Leben von zum Beispiel Patienten in Krankenhäusern gefährdet oder riskiert, dass es im Straßenverkehr Unfälle gibt, der muss konsequent bestraft werden."

Seit den Montagmittag waren im Norden Charlottenburgs 6500 Haushalte und 400 Gewerbekunden stundenlang ohne Strom. Erst gegen 20.30 Uhr waren nach Angaben von Stromnetz Berlin alle Anschlüsse wieder am Netz.

Damit seien die Reparaturarbeiten deutlich schneller vorangegangen als zunächst gedacht, sagte Stromnetz-Sprecher Olaf Weidner der Deutschen Presse-Agentur. Am Nachmittag hatte das Unternehmen noch damit gerechnet, dass die betroffenen Haushalte bis nach Mitternacht vom Strom sind.

Unter der Mörschbrücke waren acht 10.000-Volt-Kabel zerstört worden. "Wir haben um 12.53 Uhr einen Alarm bekommen, dass es einen Kabelbrand gibt", sagte ein Feuerwehrsprecher am Montag.

Die Reparatur der Kabel dürfte einige Zeit dauern, erklärte Strom-Profi Weidner. Um die Kabel unter der Brücke reparieren zu können, müsse diese an beiden Seiten geöffnet werden. Das brauche Zeit.

Normalerweise könnten Ausfälle durch Umschaltungen binnen 90 Minuten behoben werden: "Hier sind aber auch die Reservekabel betroffen gewesen."

Titelfoto: dpa (Symbolbild)