Hilfe! Telefon-Hacker treibt uns in den Wahnsinn

Pizza-Chef Sebastian Pechhold (31) wurde Opfer des Telefon-Hackers.
Pizza-Chef Sebastian Pechhold (31) wurde Opfer des Telefon-Hackers.

Von Pia Lucchesi

Dresden/Kamenz - Seit 2013 tyrannisiert ein Student aus Radeberg bundesweit Firmen und Pvivatleute per Telefon. Das Landeskriminalamt (LKA) hat umfangreich ermittelt, bei der Staatsanwaltschaft türmen sich die Akten. Doch bis heute musste sich der 25-Jährige vor keinem Richter verantworten. Die Opfer sind empört.

Autohäuser, Taxizentralen, Schlüssel-, Abschlepp- und Lieferdienste: Mindestens 16.000 Fälle (!) von „missbräuchlichen Anrufen“ konnte das Cybercrime Competence Center des LKA dem Radeberger bereits im Januar 2015 nachweisen. Doch der macht ungerührt weiter.

Um seinem „Hobby“ nachzugehen, nutzt der junge Mann offenbar modernste Hard- und Software.

Der Hacker tyrannisiert zahlreiche sächsische Unternehmen. Doch bis jetzt wurde ihm noch nicht das Handwerk gelegt. (Symbolbild)
Der Hacker tyrannisiert zahlreiche sächsische Unternehmen. Doch bis jetzt wurde ihm noch nicht das Handwerk gelegt. (Symbolbild)

Er telefoniert mit unterdrückter Rufnummer, oft auch mit einer ausländischen sogenannten „Portierungskennung“ - was die Rückverfolgung der Telefonate verhindern soll. Seine „Opfer“ beleidigt er, über Stunden blockiert er deren Anschlüsse. Oder er ruft mit deren Nummer nachts andere Leute an, um sie zu belästigen.

„Es ist der Horror“, stöhnt Sebastian Pechhold (31). Ihm gehört der Freddy Fresh Pizzalieferdienst in der Dresdner Neustadt.

Der skrupellose Student peinigte ihn und sein Team im Oktober 2015 fast täglich.

Pechhold: „Ich sprach mit dem Mann. Er konnte mir nicht erklären, warum er das tut. Er war und ist kein Kunde, kennt mich nicht. Meine Mitarbeiter stresst das psychisch sehr.“

Der Telefonterror kostet Pechhold Nerven, seinen guten Ruf und Geld: „Ich habe den Mann angezeigt und verklage ihn jetzt, denn er hat auf meine Kosten über 400 Euro vertelefoniert.“

Seit Oktober liegt bereits eine Anklageschrift gegen den Studenten beim Amtsgericht Kamenz.

Einen Termin für die erste Verhandlung gibt es aber bis heute nicht! Die Staatsanwaltschaft Görlitz bereitet derweil zwei weitere Verfahren gegen den Radeberger vor.

Pizza-Chef Pechhold hat für das langsame Agieren der Justiz kein Verständnis. Er fragt sich: „Wer schützt eigentlich uns Opfer?“

Fotos: dpa, Petra Hornig


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