Jeder fünfte Selbstmord wegen Arbeitslosigkeit?

"Es bedarf einer Schulung von Fachpersonal, etwa in den Personalabteilungen, damit dieses erhöhte Suizidrisiken bei betroffenen erwerbstätigen und nichterwerbstätigen Personen besser erkennt und beim Umgang mit der Problematik helfen kann."
"Es bedarf einer Schulung von Fachpersonal, etwa in den Personalabteilungen, damit dieses erhöhte Suizidrisiken bei betroffenen erwerbstätigen und nichterwerbstätigen Personen besser erkennt und beim Umgang mit der Problematik helfen kann."  © DPA

Zürich - Forscher der Universität Zürich haben laut einer Studie herausgefunden, ob es einen Zusammenhang zwischen "Suiziden und Arbeit(slosigkeit)" gibt. Die Untersuchung beschäftigte sich mit der Situation in 63 Ländern!

Was für eine schlimme Zahl: Jedes Jahr nehmen sich rund 45.000 Menschen das Leben, "weil sie keine Arbeit haben oder jemand in ihrem Umfeld von Arbeitslosigkeit betroffen sei".

Das zeigt die Studie mit Zahlen aus dem Jahr 2008 - dem Jahr der Finanzkrise!

De existentielle Bedeutung von Arbeitslosigkeit für die Gesundheit ist groß:

Während andere Untersuchungen lediglich Krisenjahre und nur einzelne Regionen einbezogen, konnten Carlos Nordt, Ingeborg Warnke, Erich Seifritz und Wolfram Kawohl von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich Erkenntnisse für einen Zeitraum von über zehn Jahren sammeln.

Mit folgendem Schluss: "Pro Jahr steht weltweit etwa jeder fünfte Suizid direkt oder indirekt mit Arbeitslosigkeit in Verbindung", so Erstautor Carlos Nordt.

Arbeitslosigkeit kann Menschen in den Suizid treiben

Jeder fünfte Suizid pro Jahr konnte direkt oder indirekt mit Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht werden.
Jeder fünfte Suizid pro Jahr konnte direkt oder indirekt mit Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht werden.  © DPA

Nahezu eine Million Menschen nehmen sich das Leben - pro Jahr. Aber wie viele der Suizide stehen in Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit?

Länder wurden in die vier Weltregionen Nord- und Süd-Amerika, Nord- und West-Europa, Süd- und Ost-Europa sowie Nicht-Amerika und Nicht-Europa eingeteilt (keine Daten gibt es zu China und Indien).

"Trotz länderspezifischer Besonderheiten fanden wir in allen vier Weltregionen einen ähnlich starken Zusammenhang zwischen Arbeitslosen- und Suizidrate", fasst der Soziologe Carlos Nordt zusammen. Dieser Effekt unterscheide sich außerdem weder nach Geschlecht noch nach Alter.

Jeder fünfte Suizid pro Jahr konnte direkt oder indirekt mit Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht werden. Und: "Nach dem Krisenjahr 2008 stieg die Zahl der Suizide kurzfristig um 5000 Fälle an", sagt Nordt.

Diese Zahl hatten bereits andere Studien festgestellt. Nicht bekannt aber bisher war, dass in diesem Jahr gesamthaft rund 46.000 Suizide mit der Arbeitslosenrate verbunden waren: "Damit war die Zahl der Suizide mit diesem Hintergrund neunmal größer als der bisher bekannte Anstieg", so Nordt.

Alle vier Weltregionen betroffen

In Ländern mit allgemein tieferer Erwerbslosigkeit war der Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Suizid stärker ausgeprägt. Deshalb sind auch in Ländern mit tieferer Arbeitslosigkeit unbedingt Investitionen in Programme erforderlich, die Personen in den Arbeitsmarkt integrieren und ein gesundes Arbeitsklima fördern. Interessanterweise zeigt die Studie zudem, dass der Anstieg der Suizidrate dem der Arbeitslosenrate um etwa sechs Monate vorausging.

Normalerweise zieht es die TAG24-Redaktion vor, nicht über versuchte Suizide zu berichten.

Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, bei der Telefonseelsorge findet Ihr rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummer: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.


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