Orkantief "Sabine" wütet in Bayern! Unfälle, Schäden, Flugausfälle

München - Bayern wappnet sich für den schweren Sturm "Sabine". Hunderte Flüge fallen aus, der Fernverkehr der Bahn kommt zum Erliegen und Schulunterricht wird flächendeckend abgesagt. Erste Sturm-Ausläufer treiben ihr Unwesen.

Sturmtief "Sabine" hat in weiten Teilen Deutschlands den Verkehr bereits erheblich durcheinandergebracht und am Sonntagabend erste Schäden verursacht.
Sturmtief "Sabine" hat in weiten Teilen Deutschlands den Verkehr bereits erheblich durcheinandergebracht und am Sonntagabend erste Schäden verursacht.  © Thomas Frey/dpa

Der Freistaat sieht mit dem Tief "Sabine" dem bislang heftigsten Sturm des Winters entgegen. Dieser hat es richtig in sich. Bereits am Sonntag kam es zu spürbaren Ausfällen an den Flughäfen und auf den Bahnstrecken.

Die Deutsche Bahn stellte ihren kompletten Fernverkehr ein. Auch die Länderbahn im Grenzgebiet Bayern und Sachsen ließ die Züge nur noch bis zu den Endbahnhöfen fahren und stellte den Betrieb ein. Weitere Störungen werden folgen.

In der letzten Nacht wurden aus Unterfranken, Mittelfranken und dem nördlichen Teil Schwabens erste Einsätze gemeldet. Wegen umgestürzter Bäume waren Straßen unpassierbar.

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Bei Aschaffenburg musste die Bundesstraße 469 immer wieder kurzzeitig gesperrt werden, weil der Wind Planen von Gemüsefeldern auf die Straße wehte. In den anderen Regionen war es gegen 3 Uhr allerdings noch ruhig, allerdings bereiteten sich die Rettungskräfte auf "Sabine" vor.

In den allermeisten Schulen Bayerns findet am Montag kein regulärer Unterricht statt. Aus allen sieben Regierungsbezirken wurde flächendeckend gemeldet, der Unterricht sei abgesagt. An den meisten Schulen soll eine Notbetreuung eingerichtet werden für Schüler, die von ihren Eltern nicht anderweitig versorgt werden können, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.

Am Flughafen München fielen bereits am Sonntag 131 Flüge dem herannahenden Sturm zum Opfer - vor allem besonders Verbindungen gen Norden, wo "Sabine" bereits früher wütete als in Bayern. Für Montag waren am Sonntag 424 der 1000 Starts und Landungen abgesagt.

Orkantief "Sabine" sorgt für Beeinträchtigungen in Bayern

Auswirkungen des Wetters: Die Deutsche Bahn hat den Fern- und Regionalverkehr wegen des Sturmtiefs "Sabine" nach bundesweit eingestellt.
Auswirkungen des Wetters: Die Deutsche Bahn hat den Fern- und Regionalverkehr wegen des Sturmtiefs "Sabine" nach bundesweit eingestellt.  © Martin Gerten/dpa

Der Sturm könnte noch Beeinträchtigungen bringen. Da ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit Arbeiten auf dem Flugfeld eingestellt werden müssen, könnte der Betrieb dort durch den Sturm zeitweise zum Erliegen kommen. Auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens schickte der Sturm Vorboten. So wird der Tierpark Hellabrunn keine Besucher empfangen.

Der Deutsche Wetterdienst warnte für die Höhen des Bayerischen Waldes oberhalb von 1000 Metern ab 22 Uhr sowie für die Alpen in Lagen über 2000 Metern ab 18 Uhr vor extremen Orkanböen mit entsprechenden Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Eine echte Gefahr.

Die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn wurden im Laufe des Sonntags eingestellt, auch im Nahverkehr kam es zu Beeinträchtigungen. Neben einem Sturmblog richtete die Bahn auch eine kostenlose Hotline für Fahrgäste ein.

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An neuralgischen Punkten wurden Einsatztrupps zusammengezogen, die mit Kettensägen ausgerüstet sind und möglichst rasch umgestürzte Bäume von den Gleisen räumen können. Reisende können Tickets für den Fernverkehr, die sie an den Sturmtagen nicht nutzen, noch bis 18. Februar weiter nutzen. Fahrgäste wurden gebeten, sich vor Fahrtantritt über die Lage zu informieren. "Wir beobachten die Wetterlage ganz genau", sagte ein Sprecher bezüglich des Wetters.

Der Wetterdienst warnt indes vor schweren Schäden an Gebäuden, weil Bäume entwurzelt werden könnten. Die Menschen sind aufgerufen, sich von Hochspannungsleitungen, Bäumen und Gerüsten fernzuhalten. Ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Hochfranken sagte, es werde zwar kein Jahrhundertsturm erwartet. "Aber wir bereiten uns auf ein ernstes Sturmereignis vor."

Problematisch könne werden, dass es der erste Sturm des Winters sei und morsche Bäume besonders schnell umknicken könnten. Der Höhepunkt werde zum einsetzenden Berufsverkehr am Montagmorgen erwartet. "Wir hoffen, dass der eine oder andere auf das Auto- oder Bahnfahren verzichten kann."

Update 15.45 Uhr: Abfertigungsstopp am Flughafen München

Der Flughafen München hat wegen des Sturmtiefs "Sabine" am Montag einen Abfertigungsstopp verhängt.

Seit etwa 7.45 Uhr wurden keine Flugzeuge am Boden mehr be- oder entladen, wie ein Sprecher sagte. Nachdem es zunächst noch vereinzelte Landungen gegeben hatte, kam der Flugverkehr später komplett zum Erliegen.

Insgesamt waren am Nachmittag schon 630 von 1050 Flügen annulliert worden, die eigentlich am Montag in München starten und landen sollen, sagte ein Sprecher. Sobald der Sturm nachlasse und eine Abfertigung wieder gefahrlos möglich sei, solle sie wieder aufgenommen werden. Wann das der Fall sein würde, war am Nachmittag noch unklar.

Die Windstärke müsse die Grenze von 50 Knoten (etwa 92 Stundenkilometer) unterschreiten, sagte ein Sprecher. Dann dürften die ersten Fahrzeuge wieder über das Rollfeld fahren.

Update 13.55 Uhr: S-Bahnen stehen teilweise noch immer still

Wie die Bahn mitteilte, "werden Erkundungsfahrten durchgeführt, um neue Erkenntnisse zum Zustand der Bahnanlagen gewinnen zu können". Darüber hinaus werde bereits "mit Hochdruck an der Schadensbehebung" gearbeitet.

Ein Teil der S-Bahnen sind allerdings inzwischen bereits wieder im Einsatz.

Update 13.30 Uhr: Flugverspätungen am Allgäu Airport

Wegen "Sabine" kommt es am Allgäu Airport in Memmingen zu Flugverspätungen. Die Landungen zweier Maschinen mussten zudem nach Bergamo in Italien umgeleitet werden, wie eine Sprecherin sagte.

Dabei handelt es sich um einen Ryanair-Flug aus London-Stansted und eine Wizzair-Maschine vom rumänischen Flughafen Sibiu. Am Morgen hatte der Flugbetrieb laut Sprecherin planmäßig stattgefunden. Passagieren wird geraten, sich rechtzeitig vor Abflug an die entsprechende Airline zu wenden.

Update 12.30 Uhr: Regionalverkehr in Franken startet wieder

Die Deutsche Bahn hat die ersten Regionalstrecken in Nordbayern wieder für den Verkehr freigegeben. Es komme jedoch auch in Franken noch zu erheblichen Verspätungen, teilte die Bahn mit.

Der private Betreiber Agilis nahm am Montagvormittag ebenfalls auf der Strecke Weiden-Bayreuth sowie auf zwei weiteren Strecken den Verkehr wieder auf, allerdings mit reduzierter Geschwindigkeit. Mit Verzögerungen und Ausfällen müsse weiterhin gerechnet werden, teilte Agilis mit.

Update 11.40 Uhr: Private Bahnanbieter mit düsterer Prognose

Private Bahnanbieter rechnen mit erheblichen Behinderungen. (Archivbild)
Private Bahnanbieter rechnen mit erheblichen Behinderungen. (Archivbild)  © Peter Kneffel/dpa

Die privaten Eisenbahnunternehmen rechnen in Bayern noch mindestens bis Montagnachmittag mit erheblichen Behinderungen im Bahnverkehr.

Wie die Bayerische Regiobahn am Vormittag in Holzkirchen mitteilte, hätten die ersten Erkundungsfahrten auf den Strecken in Südbayern "zu teilweise ernüchternden Ergebnissen" geführt.

Auf der Strecke München-Rosenheim liegen den Angaben zufolge aufgrund des Sturmtiefs "Sabine" Bäume in den Gleisen, die Aufräumarbeiten würden mindestens fünf Stunden dauern. Auch die Strecke der "Bayerischen Oberlandbahn" (BOB) von Holzkirchen nach München sei blockiert.

Das Unternehmen Agilis kündigte an, dass auf den Routen in Nordbayern auch am Nachmittag noch mit Zugausfällen und Verspätungen zu rechnen sei. Am Vormittag wurden auf einzelnen Strecken wie Weiden-Bayreuth wieder erste Bahnen mit reduzierter Geschwindigkeit eingesetzt, die Strecke Hof-Münchberg musste hingegen auf unbestimmte Dauer gesperrt werden.

Die Länderbahn ("Alex") hatte bereits am Sonntagabend den Verkehr den Bayern und Sachsen eingestellt. Am Montag begann das Unternehmen zunächst in Sachsen, die Strecken auf Schäden zu kontrollieren. In Bayern sei das voraussichtlich "frühestens am Nachmittag" möglich. "Ob der reguläre Zugverkehr heute wieder aufgenommen werden kann, entscheidet sich dann in Abhängigkeit vom Streckenzustand", teilte die Länderbahn mit.

Update 11.35 Uhr: Unis schränken Betrieb wegen "Sabine" ein

Wegen des Sturmtiefs sind an einigen bayerischen Universitäten die Lehrveranstaltungen ausgefallen.

Die Staatsexamensprüfungen werden jedoch wie geplant stattfinden, wie ein Sprecher des Kultusministeriums am Montag sagte. Nur wenn Betroffene den Prüfungsraum nachweislich nicht gefahrlos oder wegen Zugausfällen erreichen könnten, werde ein Fernbleiben genehmigt und ein zeitnaher Nachholtermin organisiert.

Prüflinge, die bis zu einer Stunde nach Prüfungsbeginn erschienen, würden die volle Bearbeitungszeit erhalten. Das Kultusministerium rät, sich für weitere Informationen an die jeweilige Außenstelle des Prüfungsamts zu wenden.

Handelt es sich um Prüfungen, die nicht zentral vom Kultusministerium geregelt werden, entscheidet die jeweilige Universität.

An der Technischen Universität München oder der Universität Bayreuth fallen beispielsweise alle Prüfungen laut Homepage aus. Prüfungen etwa an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Universität Passau oder der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt finden statt.

Update 11.30 Uhr: Orkantief "Sabine" befindet sich auf Rekordjagd

In Bayern kommt es vielerorts zu Sperrungen, da Orkantief "Sabine" wütet.
In Bayern kommt es vielerorts zu Sperrungen, da Orkantief "Sabine" wütet.  © Armin Weigel/dpa

"Sabine" hat in tiefen Lagen rekordverdächtige Werte erreicht. Bei Fürstenzell im niederbayerischen Landkreis Passau wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 154 Stundenkilometer gemessen. "Das ist in solchen Tieflagen eine absolute Spitze", sagte der Meteorologe vom Dienst, Martin Schwienbacher.

Über den Großen Arber, mit 1455 Metern höchster Berg des Bayerischen Waldes, fegte der Orkan mit bis zu 161 Stundenkilometern - bisher die stärkste Böe in Bayern. Auf Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, registrierte die dortige Messstation 158 Stundenkilometer.

"Sabine" komme zumindest in Bayern ziemlich nahe an den Sturm "Kyrill" heran, der im Januar 2007 schwere Schäden verursacht hatte, sagte Schwienbacher. Damals waren im Flachland in Bayern 144 Stundenkilometer und auf der Zugspitze knapp über 180 km/h gemessen worden.

Allerdings ist "Sabine" noch nicht durch! "Es kommt am Mittag im Süden Bayerns noch zu Windspitzen mit Orkanstärke", sagte Schwienbacher. Das bedeutet Windstärken ab 120 Stundenkilometern. Im Norden sei das Schlimmste aber vorbei. Aber: "Am Nachmittag kommen Schauer herein, an diesen Schauern geht der Wind punktuell stark nach oben."

Update 10.45 Uhr: Tiergarten in Nürnberg bleibt geschlossen

Der Nürnberger Tiergarten bleibt am Montag geschlossen. Auch die für den Tag geplanten Beerdigungen auf den Friedhöfen hat die Stadt abgesagt. Wegen des Sturms könnten nach Angaben der Behörde Bäume umstürzen und Äste herabfallen, so dass etwaige Besucherinnen und Besucher im Tiergarten in erheblicher Gefahr sind.

Auf den städtischen Friedhöfen sind deshalb am Montag nur Einäscherungsfeiern im Krematorium möglich. Auch die kirchlichen Friedhöfe haben der Stadt zufolge aufgrund des Wetters komplett geschlossen.

Am Dienstag sollen so viele Beisetzungen wie möglich nachgeholt werden.

Update 10.30 Uhr: Anhänger von Lastwagen umgekippt, S-Bahn steht

Auf der Autobahn 92 ist der Anhänger eines Lastwagens umgekippt.
Auf der Autobahn 92 ist der Anhänger eines Lastwagens umgekippt.  © Alexander Auer/dpa

Der Sturm hat auf der Autobahn 92 von Deggendorf Richtung München einen Lastwagen erfasst und umgeworfen. "So wie es aussieht, ist der Lkw witterungsbedingt ins Schleudern gekommen und umgestürzt", sagte ein Sprecher der Polizei.

Der Fahrer wurde am Montagmorgen leicht verletzt. Zwei Fahrspuren auf Höhe Landshut waren blockiert. Die Polizei leitete den Verkehr um.

Zudem ist auch der Betrieb Münchner S-Bahn weitgehend eingestellt worden. Lediglich auf der Stammstrecke zwischen Pasing und dem Ostbahnhof in München wurde nach Bahnangaben noch ein Pendelverkehr aufrecht erhalten, die Züge in das Münchner Umland blieben in den nächstgelegenen Bahnhöfen stehen.

"Solange der Sturm noch in voller Stärke über Bayern unterwegs ist, wird der Zugverkehr weiterhin nicht rollen können", betonte die Bahn.

Zunächst gab es keine Prognose, wann der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden kann. Nach Ende des Sturms wollte die DB zunächst Erkundungsfahrten auf den Strecken starten, um die Schäden zu dokumentieren. Auch bei den privaten Anbietern wie dem "Alex" oder der "Bayerischen Regiobahn" kam es zu entsprechenden Ausfällen.

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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