Sturmflut im Norden: Pegel steigen, Fischmarkt unter Wasser

Hamburg - Nur eine Woche nach "Zeetje" hat Sturmtief "Benjamin" den Norden nun wieder fest im Griff. Erste Einschränkungen gibt es im Fährverkehr.

Eine Fußgängerin steht am überfluteten Hamburger Fischmarkt (Archivfoto).
Eine Fußgängerin steht am überfluteten Hamburger Fischmarkt (Archivfoto).  © DPA

In Hamburg, Bremen und Teilen der schleswig-holsteinischen Nordseeküste werden am Dienstag kritische Wasserstände erwartet (TAG24 berichtete).

In St. Pauli sollen die Wasserstände am Nachmittag voraussichtlich bei etwas mehr als 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser liegen, wie das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie am Montagabend mitteilte.

In Schulau, Glückstadt und Brunsbüttel rechnen die Experten ebenfalls mit einer Sturmflut. Auch an der nordfriesischen Küste werden nachmittags Wasserstände von etwa 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser erwartet.

Schon zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst mitgeteilt, dass Sturmtief "Benjamin" am Dienstag schwere Sturmböen aus Nordwest bis Nord der Stärke 10 bringen werde.

Vereinzelt könne es sogar orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 105 Kilometern pro Stunde entsprechend Windstärke 11 geben, warnte der DWD am Montag.

Auch im Schiffsverkehr reagierte man inzwischen auf das angekündigte Wetter: Der Fährverkehr zwischen Schlüttsiel (Kreis Nordfriesland) und den Halligen fällt am Dienstag vorerst aus. Die Fahrplanänderung gelte für den gesamten Tag, gab die Wyker Dampfschiff-Reederei auf ihrer Internetseite bekannt. Auf der Verbindung zwischen Föhr und Amrum könne es nachmittags möglicherweise auch zu Fahrplanänderungen kommen.

Die Zugverbindung nach Sylt werde aber nicht eingeschränkt, teilte eine Sprecherin der Deutschen Bahn mit. Es dürften aufgrund des Wetters lediglich keine leeren Lastwagen oder Gefahrguttransporter befördert werden.

Auch Ostseeküste erneut betroffen

Die Wellen der Nordsee schlagen an einen Anleger. (Archivbild)
Die Wellen der Nordsee schlagen an einen Anleger. (Archivbild)  © DPA

Auch in Heiligenhafen (Schleswig-Holstein) bereiten sich die Bewohner auf die nächste Flut vor: Nach aktuellen Vorhersagen rechne die Stadt mit Wasserständen von rund 1,10 Metern über dem mittleren Wasserstand, sagte der Leiter des Bauamtes der Stadt, Roland Pfündl: "Wir schließen die Deichdurchlässe und die zur Ostsee offenen Regenwasserkanäle. "Auch die mobilen Hochwasserschutzwände im Hafenbereich müssten geschlossen werden.

Anfang Januar hatte "Zeetje" in Heiligenhafen und anderen Orten an der Ostseeküste schwere Überflutungen und erhebliche Schäden verursacht (TAG24 berichtete). Damals wurden in Heiligenhafen Wasserstände von rund 1,60 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht. "Die Höhe der dabei entstandenen Schäden können wir noch nicht beziffern, wir analysieren sie gerade mit den zuständigen Landesbehörden", sagte Pfündl.

Das Land habe Heiligenhafen und anderen besonders betroffenen Kommunen aber finanziell unter die Arme gegriffen. Ob das auch dieses Mal der Fall sein wird, ist noch unklar.

"Erstmal müssen wir feststellen, wie hoch der Schaden ist", sagte Pfündl.

Update, 14.21 Uhr

Auf Helgoland erreichte das Hochwasser seinen Scheitelpunkt gegen 13.30 Uhr. Mit 1,55 Meter über dem normalen Hochwasser sei die Sturmflutmarke von 1,5 Metern knapp überschritten worden, sagte ein Sprecher beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Die ost- und nordfriesischen Inseln sowie die Halligen waren den Tag über teilweise auf sich allein gestellt, da die Fähren in den Häfen blieben. Auch das Sylt-Shuttle schränkte wegen des Wetters den Betrieb ein.

Wohnwagengespanne, Pkw mit Anhänger, Lkw mit leeren Anhängern sowie Lkw mit Gefahrgut und Motorräder wurden nicht befördert, wie das Unternehmen mitteilte. Größere Sturmschäden wurden jedoch zunächst nicht bekannt.

Auf der Elbe fuhren die Fähren zwischen Glückstadt und Wischhafen zunächst fahrplangemäß. Dort entscheiden die Kapitäne selber, bei welchen Windstärken sie ihr Schiff noch sicher lenken können.

"Wenn aber das Wasser über die Ufer tritt, können wir nicht mehr fahren, da unsere Kunden dann nicht von Bord kommen", sagte Geschäftsführerin Hildegard Both-Walberg.

Etwas weiter im Binnenland im Hamburger Hafen waren die Fähren zunächst nicht betroffen. Solange die Anleger nicht überflutet würden, gebe es keine Probleme, sagte hier eine HADAG-Sprecherin

Update, 16.16 Uhr: Fischmarkt überschwemmt

Der Fischmarkt stand am Dienstagabend unter Wasser.
Der Fischmarkt stand am Dienstagabend unter Wasser.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Der Fischmarkt in Hamburg steht bereits teilweise unter Wasser. Der Höhepunkt der Sturmflut wird in etwa zwei Stunden erwartet. Autofahrer sollten daher unbedingt ihre Fahrzeuge aus den niedriggelegenen Gebieten entfernen.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) überschritt Sturmtief "Benjamin" am Nachmittag seinen Höhepunkt. Spitzenreiter bei den Windgeschwindigkeiten war die ostfriesische Insel Spiekeroog in Niedersachsen mit Orkanböen von 119 Stundenkilometern (12 Beaufort).

In Schleswig-Holstein wurden auf Helgoland und Sylt Sturmböen bis 93 Stundenkilometer gemessen (10 Beaufort), in Büsum sowie in der Ostsee am Leuchtturm Kiel 89 Stundenkilometer (10 Beaufort). Im Landesinneren gehörten Glücksburg und Rendsburg mit jeweils 9 Beaufort zu den besonders stürmischen Orten. I

n Hamburg war es mit Böen von 70 Stundenkilometer am Flughafen (8 Beaufort) vergleichsweise ruhig.

"Der Wind wird vor allem im Binnenland spürbar weniger", sagte der Hamburger Meteorologe Michael Knobelsdorf.

An den Küsten von Nord und Ostsee bleibe es jedoch weiter stürmisch. Der Wind flaut nach Einschätzung des DWD in der Nacht auf Donnerstag kurzzeitig ab, bevor "am Wochenende wieder Sturm angesagt" ist.

Update, 20.18 Uhr:

Größere Schäden durch Sturm "Benjamin" blieben bis zum Abend aus. In Hamburg wurden Teile des Fischmarkts überspült. In Travemünde drückte der Wind eine Fähre gegen den Anleger. Das Schiff wurde am Rumpf durchlöchert. Ansonsten kippten vereinzelt Bäume um, Fähren fielen aus. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

Die Hansestadt erlebte am Dienstag die erste Sturmflut des Jahres. Die Elbe überflutete ab dem späten Nachmittag Teile des St.-Pauli-Fischmarkts. Der Scheitel sei nach 17.30 Uhr mit 2,08 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht worden, sagte ein Sprecher des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Damit war der Fischmarkt vorübergehend bis zu einem halben Meter unter Wasser.

Die Feuerwehr in der Hansestadt musste bis zum Abend zu 20 sturmbedingten Einsätzen ausrücken. So war in Hamburg-Harburg eine zehn Meter hohe Buche auf drei Autos gefallen.

In Wilhelmsburg habe sich auf dem Dach einer 2000 Quadratmeter großen Kühlhalle 30 Zentimeter Wasser gesammelt, das von der Feuerwehr abgepumpt wurde, sagte ein Sprecher.

Aber für Hamburg sei das alles nichts Besonderes gewesen, sagte ein Sprecher.

Titelfoto: DPA

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