Deutsche Bahn Milliarden-Projekt Stuttgart 21 "gefährdet Leben"

Stuttgart - Am Dienstagabend thematisierte die ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" in einem ausführlichen Beitrag den Zustand des Milliarden-Projekts Stuttgart 21 und stellt fest: Es "gefährdet Leben".

Gegen Stuttgart 21: Proteste gibt es seit 2010 in Massen.
Gegen Stuttgart 21: Proteste gibt es seit 2010 in Massen.  © DPA

Dies stellte bereits einer der zwei Architekten des zukünftigen Stuttgarter Bahnhofs, Frei Otto, im Jahr 2010 fest. Nämlich sagte er gegenüber dem Magazin "Stern", man müsse "die Notbremse ziehen", da es um "Leib und Leben" gehe.

Denn der Bahnhof soll teilweise unter die Erde gelegt werden und aus dem alten "Kopfbahnhof" soll ein "Durchgangsbahnhof" entstehen. Dafür wird ein 33 Kilometer langes und mehrgleisiges Tunnelsystem gebaut, das zu großen Problemen führen kann.

Architekt Otto thematisierte damals, sowie gestern auch "Die Anstalt", die Boden-Problematik Stuttgarts:

So könne nach Otto der Bahnhof eventuell "wie ein U-Boot aus dem Meer" aufsteigen, da die Erde in Stuttgart voller Wasser und Gipsschichten ist, die so einen hohen Anteil an aufquellenden Mineralien besitzt, sodass sich in den Hohlräumen (also in den Tunneln) Krater bilden können.

Auch absurd: Wegen S21 mussten Eidechsen umgesiedelt werden. Die Umsiedlung einer einzelnen Eidechse kostete bisher 2000-8600 Euro. (Symbolbild)
Auch absurd: Wegen S21 mussten Eidechsen umgesiedelt werden. Die Umsiedlung einer einzelnen Eidechse kostete bisher 2000-8600 Euro. (Symbolbild)  © DPA

Aus diesem Grunde musste bereits ein Autobahntunnel in der Nähe von Stuttgart repariert werden, in dem sich gefährliche Risse gebildet hatten.

Aufgrund dieser Bedenken zog sich der inzwischen verstorbene Architekt Otto von dem umstrittenen Milliarden-Projekt zurück.

Doch alleine stand er mit seiner Kritik nicht: Ein geologisches Gutachten von 2003(!) gibt dem gebürtigen Chemnitzer nämlich recht - von diesem will nur scheinbar niemand wissen.

Doch das ist nicht das einzige Stuttgarter Boden-Problem, welches Leben "gefährdet".

So berichtet die Satire-Sendung auch über die gefährliche Neigung des neuen Bahnhofs.

Dadurch, dass der eine Teil des Bahnhofs nämlich sechs Meter höher als der andere ist, ist der neue "moderne" Stuttgarter Bahnhof "schief".

Ein Teil der Baustelle des Milliarden-Projekts Stuttgart 21.
Ein Teil der Baustelle des Milliarden-Projekts Stuttgart 21.  © DPA

Der komplette Bahnhof hat somit eine Neigung von 15 Promille.

"Die Anstalt" veranschaulichte diese Problematik, indem sie bei einer nachgestellten Neigung einen Kinderwagen abstellten, der beim loslassen natürlich sofort wegrollte.

Außerdem zog man zum Vergleich den Kölner Bahnhof hinzu, bei dem nur ein einziges Gleis eine Neigung von 2 Promille hat, was dennoch in den vergangenen Jahren zu einigen Unfällen mit acht Verletzten geführt hatte.

Noch nicht absurd genug alles?

Kommen wir zu den weniger schlimmen Tatsachen des Projekts, die einen dennoch ratlos zurücklassen. Wie zum Beispiel den Grund des Umbaus. Die Kapazität soll erhöht werden, der Regionalverkehr dichter, kürzere Fahrzeiten bei Regionalbahn - und Fernverkehr, sowie eine bessere Anbindung an den Stuttgarter Flughafen. Der neue Bahnhof soll leistungsfähiger werden.

Problem nur: Der alte Stuttgarter Bahnhof war bereits mit 37 Abfahrten pro Stunde der pünktlichste Bahnhof Deutschlands. Nun wird der neue Bahnhof statt 16, nur noch acht Gleisen haben und es wird nur noch mit 32 Abfahrten in der Stunde geplant.

Da bleibt einem nur noch die Ironie, wie die der Satire-Sendung "Die Anstalt". Deren Fazit ist: Stuttgart-21-Gegner! "Ihr habt gar nichts erreicht - ihr habt nur recht".

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