Immer mehr Fälle! So zocken "falsche Polizisten" die Deutschen ab

Stuttgart - In Deutschland zocken sogenannte "falsche Polizisten" ihre gutgläubigen Opfer ab. In Baden-Württemberg erbeutete eine Bande so 100.000 Euro, in Leverkusen brachten Kriminelle eine Seniorin um sage und schreibe 176.000 Euro! Die Betrugsmasche wird unter Ganoven immer beliebter - und der angerichtete Schaden wächst.

Die Betrüger haben es vor allem auf ältere Menschen abgesehen. Die Kriminellen gehen dabei arbeitsteilig vor. (Symbolbild)
Die Betrüger haben es vor allem auf ältere Menschen abgesehen. Die Kriminellen gehen dabei arbeitsteilig vor. (Symbolbild)  © 123RF/DPA

Im Kern geht es bei der Masche darum, an Geld oder Wertsachen von zumeist älteren Bürgern zu kommen. Für Pressesprecher Sven Heinz vom Landesverband Baden-Württemberg der Deutschen Polizeigewerkschaft sind die "falschen Polizisten" nichts Neues. "Es ist eine andere Variante des bekannteren 'Enkeltricks'", so Heinz gegenüber TAG24. Auch dabei wollen die Kriminellen an möglichst viel Erspartes ihrer Opfer.

Und wie gehen die Betrüger dabei vor? "Zuallererst erhalten die späteren Opfer einen unerwarteten Anruf", so Pressesprecher Heinz. Und weiter: "Die Anrufer geben vor, von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu sein." Dann bitten sie die Angerufenen beispielsweise darum, bei einem Ermittlungsverfahren gegen angeblich korrupte Polizisten, kriminelle Bankangestellte zu helfen. Wie sie dabei helfen können?

"Meist wird den Opfern eingeredet, dass zuhause gelagerte Wertsachen oder gar Erspartes bei der Bank in Gefahr und viel besser in Händen der (falschen) Polizisten aufgehoben sei", so Heinz. Die Abzock-Masche werde dann bei vielen Opfern versucht, bis schließlich eines darauf hereinfällt. "Dann werden ganz schnell andere Betrüger an die entsprechende Wohnadresse geschickt, um Geld oder Wertsachen in Empfang zu nehmen."

Anrufe von Fake-Polizisten haben bundesweit zugenommen. (Symbolbild)
Anrufe von Fake-Polizisten haben bundesweit zugenommen. (Symbolbild)  © DPA

Hinter dem Betrug stecken gut organisierte Banden, die arbeitsteilig vorgehen, berichtet Heinz: "Die Einen telefonieren eine gefilterte Namens- und Adressliste einer Stadt oder Region ab, andere halten sich 'standby' in besagter Stadt oder Region auf."

Fällt dann jemand auf die Masche herein, fahren die Betrüger hin, geben sich als Polizisten aus - und verschwinden mit ihrer Beute. Das Schlimmste dabei: Nicht selten vertrauen die Opfer so sehr auf die Echtheit der vermeintlichen Polizisten, dass sie ihre gesamten Ersparnisse herausgeben.

Die Masche hat in Baden-Württemberg sehr stark zugenommen. Laut dem Innenministerium in Stuttgart gab es 2016 noch 225 Fälle, dabei entstand ein Schaden von rund 1,39 Millionen Euro. Ganz anders sah es da schon vergangenes Jahr aus: Für 2017 wuchs die Zahl auf 1955 Fälle mit einem angerichteten Schaden von etwa 5,3 Millionen Euro an!

An Zahlen aus ganz Deutschland zu kommen war schwierig: Die Masche der "falschen Polizisten" wird im Regelfall nicht separat erfasst, sondern mit anderen Betrugsdelikten abgebildet. So auch in der aktuellen Polizeilichen Kriminalitätsstatistik. Es ist uns jedoch gelungen, an Informationen der Bundesländer zu kommen. Die gute Nachricht: In der Regel scheitern die Betrüger, es bleibt beim Versuch. Die schlechte Nachricht: Die Fälle nehmen zu!

Bayern

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Die angeblichen Polizisten werden nicht einzeln ausgewertet. Stattdessen kommen sie in einen Topf mit Betrügern, die über Callcenter operieren, also etwa auch falsche Gewinnversprechen machen. Die Zahl der Telefonbetrügereien ist jedoch regelrecht explodiert: So wurden laut LKA in München im Jahr 2016 etwa 2300 Fälle bekannt. Der Schaden: rund 3,5 Millionen Euro. Allerdings wurden 2017 bereits 10.800 Fälle bekannt. Die Beute wuchs auf rund 11 Millionen Euro an. Davon entfielen alleine Bargeld und Wertgegenständ einem Wert von über 7 Millionen auf die falschen Polizisten!

Berlin

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Eine Gesamtzahl für 2016 konnte die Polizei nicht liefern, zu komplex sei die Erfassung der Fälle. Jedoch erfassten die Beamten im vergangenen Jahr 392 Fälle von Telefonbetrügern, die sich als Polizisten ausgaben. In weiteren 365 Fällen untermauerten die Betrüger ihre Geschichte, indem sie den Angerufenen mit technischen Hilfsmitteln eine falsche 110er-Nummer anzeigten. Zum Schaden konnte man keine Aussage treffen.

Brandenburg

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Die Polizei kann keine Zahlen nennen. Zum einen, weil bei Telefon-Betrug oft der Tatort unbekannt sei. Liege dieser etwa im Ausland, so werden die Straftaten nicht für Brandenburg gezählt. Auch gebe es keinen bundeseinheitlichen Standard beim Erfassen der falschen Polizisten. Somit seien keine verlässlichen Zahlen möglich.

Bremen

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In der Hansestadt ist die Zahl der betrügerischen Polizisten stark angestiegen. Von 39 Fällen (2014) auf 288 (2016). Für das Jahr 2017 liegen laut Polizei noch nicht die kompletten Zahlen vor, jedoch ist ein Trend erkennbar: Mit Stand vom 17. Oktober waren es bereits 609 Delikte. Was die Schadenshöhe angeht, hielt sich die Polizei bedeckt.

Hamburg

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Auch hier war die Auswertung schwierig, laufen die Fake-Polizisten in der dortigen Statistik sowohl unter Trickdiebstahl als auch unter Trickbetrug. Jedoch ist der falsche Beamte am Telefon dort auch mittlerweile deutlich öfter aufgetreten: Die Zahl stieg von 615 (2016) auf 2108 (2017). Zum Schaden gibt es keine genauen Angaben. Laut Hamburger Polizei erbeuten die Täter aber im Erfolgsfall höhere Geldbeträge, teils im fünfstelligen Bereich.

Hessen

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Von 219 Betrugs-Fällen in 2016 stieg die Zahl bis 2017 auf 462 an. Was den Schaden angeht, so gaben die Opfer laut LKA nicht immer an, um wie viel sie betrogen wurden. Somit steht nur fest, dass die Schadenshöhe von rund 1,5 Millionen auf über 1,6 Millionen Euro anstieg.

Mecklenburg-Vorpommern

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Auch hier ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Laut LKA gab es 2016 noch 468 sogenannte "Trickstraftaten zum Nachteil älterer Menschen", wovon etwa zehn Prozent auf die falschen Polizisten entfielen. Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Straftaten bereits auf 996 an, die angeblichen Polizeibeamten waren da schon mit 25 Prozent (rund 250 Fälle) vertreten. Auch die Schadenssumme, die auf das Konto der falschen Polizisten ging, wuchs enorm: von 3000 Euro (2016) auf 170.000 Euro (2017).

Niedersachsen

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Rund 50 vollendete Taten gab es 2016, im Folgejahr waren es schon etwa 110. Dabei stieg die Schadenshöhe von circa 1,6 Millionen auf 2,5 Millionen. Das LKA Niedersachsen bezeichnet die Zahlen jedoch selbst als "nicht ausreichend belastbar", da sie Momentaufnahmen darstellen und die manuelle Auswertung der statistischen Daten weitere Fehlerquellen beinhalte.

Nordrhein-Westfalen

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Die "falschen Polizisten" werden hier nicht einzeln erfasst, sondern erscheinen laut Polizei unter dem Sammelbegriff "Betrug zum Nachteil älterer Menschen". Darunter fällt dann etwa auch der sogenannte "Enkeltrick". Demnach gab es 2016 insgesamt 5200 Betrugsfälle, bei denen rund 7,9 Millionen Euro Schaden entstand. Im Jahr 2017 waren es schon knapp 11.700 Fälle mit über 15,1 Millionen Euro Schaden.

Rheinland-Pfalz

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Laut Kriminalitätsstatistik haben sich die Fallzahlen im vergangenen Jahr verfünffacht auf 1620. Dabei erbeuteten die Kriminellen 1,5 Millionen Euro. Die Taten wurden demnach vor allem aus dem Ausland gesteuert.

Saarland

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Auch hier werden die falschen Polizisten nicht gesondert erfasst, sondern gemeinsam mit anderen Betrugsmaschen (etwa Enkeltrick oder falsche Gewinnversprechen am Telefon). In den Jahren 2016 und 2017 wurden über 300 Fälle bearbeitet, das Innenministerium geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. 2016 waren die Betrüger demnach nicht erfolgreich, dafür erbeuteten sie bei nur drei vollendeten Taten 2017 insgesamt mehr als 100.000 Euro. Dieses Jahr konnten sie bei nur einem erfolgreichen Betrug sogar über 200.000 Euro einstreichen.

Sachsen

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Wie das LKA Sachsen mitteilt, ist auch hier keine Einzelauswertung möglich. So fließen unter dem Schlagwort "falsche Polizisten" Amtsanmaßungen, Erpressungen und Betrugsfälle in die Statistik ein - oft sind die einzelnen Delikte nicht voneinander zu trennen. Klar ist jedoch: die Fallzahlen steigen. Wurden unter den Schlagworten Amtsanmaßung, Erpressung/Nötigung und Betrug 2015 noch insgesamt 194 Delikte erfasst, wuchs die Zahl bis 2017 auf 311 an. Der angerichtete Schaden sank dabei jedoch von rund 1,16 Millionen (2015) auf etwa 316.000 Euro (2017).

Sachsen-Anhalt

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Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) ist es schwer, an Zahlen dieser bestimmten Betrugsmasche zu kommen. "Die Fälle müssten händisch ausgezählt werden", so ein Sprecher. Jedoch habe man für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Oktober 2017 im Auftrag des Bundeskriminalamts recherchiert. In dem Zeitraum wurden laut LKA etwa 500 Telefonbetrügereien erfasst. Dabei wurden 95 Fälle angezeigt, bei denen sich die Betrüger als Polizisten ausgaben. Zum entstandenen Schaden liegen keine Zahlen vor.

Schleswig-Holstein

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Einen deutlichen Anstieg der Betrugsmasche verzeichnet das LKA: Insgesamt gab es 2016 noch 152 Versuche, 2017 waren es bereits 649. Der angerichtete Schaden stieg dabei von über 783.000 auf rund 1,46 Millionen Euro. Jedoch weist das LKA darauf hin, dass die Zahlen Schwankungen unterliegen, sich im Nachhinein noch ändern können. Etwa, wenn Opfer erst spät Anzeige erstatten.

Thüringen

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Für das Jahr 2016 konnte das LKA Thüringen keine Zahlen zur Verfügung stellen. Jedoch gab es 2017 insgesamt 194 Fälle. Zehnmal waren die Gauner erfolgreich, konnten so über 68.000 Euro einstreichen.

Wie kann man sich schützen?

Angesichts der offenbar immer beliebter werdenden Masche stellt sich die Frage: Wie können sich Bürger gegen die "falschen Polizisten" schützen? Stefan Kulle von der Opferorganisation Weißer Ring rät: "Der beste Schutz ist, keine Wertsachen auszuhändigen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, mit der örtlichen Polizeidienststelle Kontakt aufzunehmen, falls ein entsprechender Betrugsverdacht besteht."

Aber Vorsicht: Weil die Betrüger mittlerweile ihren Opfern auf dem Telefon-Display vorgaukeln können, dass sie über die Nummer 110 angerufen werden, sollten Bürger auf keinen Fall einfach die Rückruftaste wählen! "Entweder man tippt die 110 selbst auf dem Telefon ein oder man sucht sich im Telefonbuch oder im Internet die Telefonnummer des für den Wohnort zuständigen Polizeireviers heraus", so Kulle.

Gerne hätten wir auch Opfer der Abzocker anonym zu Wort kommen lassen. Doch bei den Menschen sitzt die Scham darüber, auf die Betrüger hereingefallen zu sein, einfach zu tief, wie uns der Weiße Ring mitteilte.

Titelfoto: 123RF/DPA


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