Niedrig-Renten drohen! Aktionen gegen Altersarmut geplant

Im Südwesten reichen jetzt schon 100.000 Menschen die Renten nicht mehr zum Leben. (Symbolbild)
Im Südwesten reichen jetzt schon 100.000 Menschen die Renten nicht mehr zum Leben. (Symbolbild)  © DPA

Stuttgart - Das Bündnis gegen Altersarmut im Land plant Aktionen, um die Menschen für das Thema stärker zu sensibilisieren.

"Dazu soll es Veranstaltungen in Tafelläden oder Vesperkirchen geben", sagte Verdi-Landeschef Martin Gross, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Dort, wo die Menschen anzutreffen seien, die sich im normalen Supermarkt nichts leisten könnten oder kein Geld für eine warme Mahlzeit am Tag hätten. "Wir laden die Politik herzlich dazu ein, sich ein Bild davon zu machen, wie Armut in unserem reichen Land aussieht."

Im Südwesten gebe es jetzt schon fast 100.000 Menschen, deren Renten so gering seien, dass sie zum Sozialamt gehen müssten, um Grundsicherung zu beantragen. "Tendenz dramatisch steigend." Der Kampf gegen die drohende massenhafte Altersarmut gehe erst los. Jetzt nichts zu machen, wäre verantwortungslos. Die Politik handele nicht. "Wir brauchen keine weitere Expertenkommission."

Demokratie gefährdet?

Noch seien vor allem ehemals Alleinerziehende, Frauen oder auch Langzeitarbeitslose besonders von Altersarmut betroffen, ab 2030 werde dies, wenn jetzt nicht gehandelt werde, auch Millionen Menschen treffen, die langjährig solide verdient und eingezahlt hätten.

Verdi-Landeschef Gross hat das Bündnis einst mit ins Leben gerufen. Es ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Gewerkschaften, Sozialverbänden und Kirchen. "Wenn wir die soziale Spaltung nicht stoppen, gefährden wir langfristig die Stabilität unserer Demokratie."

Die Stuttgarter Leonhardskirche bietet Mahlzeiten für Hilfsbedürftige an. (Archivbild)
Die Stuttgarter Leonhardskirche bietet Mahlzeiten für Hilfsbedürftige an. (Archivbild)  © DPA

Rentenpolitik sei zwar Bundespolitik, die Folgen von Altersarmut hätten aber Land und Kommunen zu schultern. "Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein Vize Thomas Strobl sind doch beide Schwergewichte in ihrer Partei. Sie müssen bei Grünen und CDU darauf hinwirken, dass es zu einer Änderung der Rentenpolitik kommt."

Das Rentenniveau liegt aktuell bei 48 Prozent. "Das Bündnis hält ein Rentenniveau von 50 Prozent langfristig für möglich und auch finanzierbar", sagte Gross. Oftmals sei die Altersarmut nicht sichtbar. "Flaschen sammeln schon lange nicht mehr nur Obdachlose. Viele ältere Menschen versuchen sich damit ihre schmale Rente aufzubessern."

Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte mit Verweis auf den 2015 veröffentlichten Armuts- und Reichtumsbericht des Landes, dass ältere Menschen insgesamt im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein leicht erhöhtes Armutsrisiko besäßen. Als Folge des Berichts wurden mehrere Modellprojekte auf den Weg gebracht.

Sie betreffen auch die Bereiche Prävention der Altersarmut von Frauen, Entwicklung eines speziellen Konzepts der Schuldnerberatung für ältere Menschen sowie Schuldnerberatung für Ältere im Stadtteil. Die Projekte werden derzeit ausgewertet und die Ergebnisse im März 2018 vorgestellt.

Titelfoto: DPA


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