Zündelnder Feuerwehrmann muss für Jahre in den Knast

Der Mann gehörte der Hooligan-Szene in Berlin an. In seiner Heimatstadt Rutesheim hatte er Brände gelegt. (Symbolbild)
Der Mann gehörte der Hooligan-Szene in Berlin an. In seiner Heimatstadt Rutesheim hatte er Brände gelegt. (Symbolbild)  © 123RF

Stuttgart - "Ich gehe zum Einkaufen" - mit Sätzen wie diesem soll der 36-Jährige seine Taten angekündigt haben. "Einkaufen" gleich "Brand legen".

Fünfmal hat er nach Überzeugung des Landgerichts Stuttgart in seinem Wohnort Rutesheim bei Leonberg gezündelt. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, als das er anschließend selbst die Flammen bekämpfte. Weil in einem Fall Menschen in Gefahr waren, verurteilte ihn das Gericht wegen versuchten Mordes zu achteinhalb Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar zwölf Jahre gefordert.

Zwei kleinere Brandstiftungen - an einem Schuppen und an einem Müllhäuschen - hatte der Mann gegen Ende des Prozesses eingeräumt. Mit dem Vollbrand eines bewohnten Mehrfamilienhaus im Januar 2016 aber will er nichts zu tun haben. Dort mussten mehrere Bewohner über eine Drehleiter gerettet werden. Drei erlitten Rauchgasvergiftungen, eine Frau hat bis heute psychische Schäden.

Tod billigend in Kauf genommen

Als Feuerwehrmann habe er gewusst, wie gefährlich Rauchgas sei, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Geiger. "Sie haben billigend in Kauf genommen, dass Menschen zu Tode kommen." Der 36-Jährige saß derweil gebückt auf der Bank, blickte selten auf. Das Urteil nahm er am Donnerstag ohne sichtbare Regung auf.

Der zweifache Vater stammt aus dem Großraum Berlin, ging schon nach der sechsten Klasse von der Schule ab, weil er für seine Eltern arbeiten musste, wie er angab. Bald rutschte er in die rechtsextreme Szene ab, nahm schon als Jugendlicher Drogen. Bis heute habe er auch mit Alkohol Probleme. Über Jahre gehörte er zur Hooligan-Szene in Berlin, prügelte sich am Rande von Fußballspielen rum. Mit 26 kam er nach Baden-Württemberg - wie er erzählte, um sich "abzusondern".

Spekulationen über Rechtsextremismus

Nach dem Brand des von mehreren Ausländern bewohnten Hauses im Januar 2016 war spekuliert worden, ob die Tat möglicherweise von Rechtsextremisten begangen worden sein könnte. Das Haus brannte damals gleich zweimal. Am 5. Januar 2016 war in einem Lagerraum im Keller des Gebäudes ein Feuer ausgebrochen. Beim zweiten Brand am 11. Januar blieben die Bewohner verschont, da sie wegen des ersten Feuers nicht mehr in dem Gebäude wohnten.

Das Urteil stützt sich in erster Linie auf Zeugenaussagen, auch von der Frau des 36-Jährigen. Ihr habe er die Brandstiftungen stets angekündigt, sagte Richter Geiger am Donnerstag bei der Urteilsverkündung. Sie konnte genau schildern, wo und wie die Feuer gelegt wurden. Ihr soll der 36-Jährige auch gesagt haben, er habe bei dem Brand am Mehrfamilienhaus darauf geachtet, dass niemand da war.

Als Motiv gab das Gericht Habgier an. Der 36-Jährige habe die Taten begangen, um sich das Einsatzgeld zu sichern, das Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bekommen: zehn Euro je angefangene Stunde.

Titelfoto: 123RF


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