Pflanzen-Schutzmittel: Darum wird das Verbot zum Bumerang für Bienen!

Stuttgart - Ein Experte der Universität Hohenheim bezweifelt die positiven Auswirkungen des EU-Verbots von drei Pestiziden auf die Bienen.

Vor allem das Entstehen von "grünen Wüsten" ohne blühende Pflanzen macht Bienen zu schaffen. (Symbolbild)
Vor allem das Entstehen von "grünen Wüsten" ohne blühende Pflanzen macht Bienen zu schaffen. (Symbolbild)  © DPA

"Das generelle Verbot sehe ich nicht unkritisch", sagte der Agraringenieur und Imker Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart. Er hätte sich eine detaillierte fachliche Diskussion gewünscht. "Der gesamte Naturhaushalt hätte in den Blick genommen werden müssen."

Aus seiner Sicht ist der Erhalt des Rapsbestandes als entscheidende Nahrungsquelle für das Überleben der Insekten wichtiger als ein Verbannen dreier Neonicotinoide aus dem Ackerbau.

Die EU-Staaten hatten einem Freilandverbot für drei bienenschädliche Insektenmittel am Freitag zugestimmt. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sprach von einem "guten Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa".

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, das Artensterben aufzuhalten, "ist eine der zentralen politischen Aufgaben unserer Zeit". Die Entscheidung in Brüssel sei aber nur einer der Bausteine, um das Insektensterben aufzuhalten.

Nach dem Pestizidverbot sprach Julia Klöckner (Foto) von einem "guten Tag für den Schutz der Bienen".
Nach dem Pestizidverbot sprach Julia Klöckner (Foto) von einem "guten Tag für den Schutz der Bienen".  © DPA

Die sogenannte Beizung, also das direkte Behandeln des Saatgutes mit Pflanzenschutzmitteln, ist mit der Entscheidung nicht mehr möglich.

Es sei zu vermuten, dass die Bauern andere Wirkstoffe großflächig auf die Äcker brächten, die neben Schädlingen nützliche Kleinstlebewesen wie Käfer und Spinnen vernichten, meinte Wallner. Der für die Landwirte künftig aufwendigere Pflanzenschutz insbesondere beim von Bienen bevorzugten Raps könne sie zu einem Umstieg auf Sojapflanzen bewegen. "Das wäre dann ein dramatischer Bumerang", sagte Wallner.

"Den wenigsten Imkern und Politikern ist bewusst, dass diese Entscheidung den Bienen gar nichts bringt und die Ersatzmaßnahmen die Lage verschlechtern können." Spritzmittelspuren im Honig seien an seinem Institut in den vergangenen Jahren nicht nachweisbar gewesen, betonte Wallner, der das Rückstandslabor leitet.

Das größte Problem für das Überleben der Bienen ist nach Auskunft Wallners der Verlust von blühenden Pflanzen. "Die Tiere finden weder auf den Wiesen noch in den Hausgärten blühende Pflanzen und Kräuter." Vor allem die Wildbienen leiden nach seinen Worten unter den "grünen Wüsten". Unter den 560 Wildbienenarten mit einem Flugradius von gerade mal wenigen hundert Metern seien viele hoch spezialisiert.

"Wenn die Glockenblumen-Scherenbiene keine Glockenblumen findet, wird sie untergehen", sagte der Experte. Er gab die Zahl der Bienenvölker in Deutschland mit rund einer Million an. Nach Angaben aus dem Agrarministerium entfallen davon 170.000 auf den Südwesten.

Rund eine Million Bienenvölker leben in Deutschland.
Rund eine Million Bienenvölker leben in Deutschland.  © DPA

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