Arbeitnehmer in Sorge: Kosten Elektro-Autos Zehntausende Jobs?!

Stuttgart - Kostet die Umstellung hin zu mehr Elektromobilität Zehntausende Jobs oder bringt sie neue Wertschöpfung ins Land?

Ist die Elektromobilität für die Beschäftigten in der Autobranche Fluch oder Segen? (Symbolbild)
Ist die Elektromobilität für die Beschäftigten in der Autobranche Fluch oder Segen? (Symbolbild)  © DPA

Eine Studie soll die Chancen der Transformation für die Industrie in Baden-Württemberg und den Standort beleuchten. Dabei geht es auch um Perspektiven der Digitalisierung.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) stellen die Ergebnisse am Montag (10 Uhr) in Stuttgart vor. Landläufig wird davon ausgegangen, dass durch die Transformation hin zur Elektromobilität viele Jobs auch im Südwesten wegfallen könnten.

Bei den hiesigen Autobauern haben die Betriebsräte deshalb ausgehandelt, dass nicht nur die Elektromodelle an bestehenden Standorten gefertigt werden. Im vergangenen Jahr hatte die Daimler-Geschäftsleitung unter dem Druck der Arbeitnehmer entschieden, dass künftig auch Batterien am Stammsitz in Untertürkheim gefertigt werden.

In diesem Jahr will der Betriebsrat auch Zusagen über die Produktion von Antrieben für Elektroautos aushandeln.

UPDATE: 10.15 Uhr

Je schneller Elektroautos Erfolg haben, desto mehr Jobs könnten im Südwesten auf dem Spiel stehen. Zu dem Schluss kommt eine Analyse im Auftrag der Landesagentur e-mobil BW GmbH, die am Montag in Stuttgart vorgestellt wurde.

Die Analyse geht in zwei Szenarien davon aus, dass der Anteil reiner E-Autos an den Neuzulassungen in der EU im Jahr 2030 bei 15 oder 51 Prozent liegen wird. Im ersten Fall könnten dank des Wachstums der neuen Komponenten bei der Beibehaltung der Verbrennertechnologien sogar 8900 Jobs geschaffen werden. Ein schnellerer Hochlauf hingegen würde rund 30.800 Menschen ihren Arbeitsplatz kosten.

"Für den gesamten baden-württembergischen Automobilstandort können diese Beschäftigungseffekte als moderat eingeschätzt werden", heißt es in der Veröffentlichung. Die Szenarien basieren auf verschiedenen Faktoren wie der Entwicklung der Batteriekosten, der Ausweitung der Produktionskapazitäten und des Angebots von E-Autos oder der internationalen Nachfrage.

Im Südwesten hängen rund 470.000 Jobs direkt oder indirekt am Auto. Das sind rund 11 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt. Die Effekte, so die Autoren, dürften über die Branche unterschiedlich ausfallen. Besonders stark seien sie bei den direkt vom Antriebsstrang abhängigen Produktionswerken mit ihren 70.000 Beschäftigten. Dort könnten laut den Schätzungen beim schnelleren Hochlauf sogar rund 31.000 Jobs wegfallen.

Das deckt sich mit den Erwartungen einer früheren Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Darin wird davon ausgegangen, dass bundesweit rund 114.000 Jobs der etwa 800.000 Jobs in der Autoindustrie wegfallen - davon 83.000 im Fahrzeugbau.

Sie geht von einem Marktanteil der E-Autos von 23 Prozent bis zum Jahr 2035 aus. Mit ähnlichen Marktanteilen planen auch die Autobauer. BMW und Daimler beispielsweise peilen 2025 einen E-Auto-Anteil von 15 bis 25 Prozent bei ihrem Absatz weltweit an.

Bei Daimler haben die Arbeitnehmer Druck gemacht. Künftig sollen am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim auch Batterien hergestellt werden. (Symbolbild)
Bei Daimler haben die Arbeitnehmer Druck gemacht. Künftig sollen am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim auch Batterien hergestellt werden. (Symbolbild)  © DPA

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