Vierköpfige Familie stirbt vermutlich durch Gasvergiftung

Bereits kurz nach dem Unglück sammelten sich wohl die ersten Angehörigen der Opfer vor dem Haus.
Bereits kurz nach dem Unglück sammelten sich wohl die ersten Angehörigen der Opfer vor dem Haus.  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Esslingen - Polizei und Rettungskräfte rücken in Esslingen zu einem Großeinsatz aus. In einem Wohnhaus sterben vier Menschen. War eine erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentration im Spiel?

Angehörige hatten die leblosen Körper am Montag durch ein Fenster entdeckt und per Notruf die Rettungskräfte alarmiert.

Für ein Verbrechen oder einen Suizid gebe es keinen Hinweis, sagte ein Polizeisprecher. Messtechniker sprachen von einer erhöhten Konzentration von sehr giftigem Kohlenmonoxid in dem Wohnhaus.

Das farb- und geruchlose Gas entsteht unter anderem beim Verbrennen von Kohle oder Gas und führt zu Bewusstlosigkeit und zum Erstickungstod.

Bei den Toten handelt es sich um eine Familie aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Das Alter der Eltern gab die Polizei mit jeweils 29 Jahren an.

Ein Junge sei vier Jahre und ein Mädchen drei Jahre alt gewesen. Angehörige wollten demnach die türkischstämmige Familie besuchen, aber niemand öffnete nach Klopfen und Klingeln die Haustür.

"Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ist dem derzeitigen Stand der Ermittlungen zufolge die Ursache", sagte ein Polizeisprecher.

Das Haus steht in der Obertürkheimerstraße in Esslingen.
Das Haus steht in der Obertürkheimerstraße in Esslingen.

Die Warngeräte der Rettungskräfte hätten sofort angeschlagen, als sich die Helfer Zutritt zum Haus verschafften. Wegen der deutlich überhöhten Werte konnte die Feuerwehr das Gebäude nur mit Atemschutz betreten.

Bei einer Untersuchung der gefundenen Körper habe nur noch der Tod festgestellt werden können. "Kriminaltechniker haben die Ermittlungen aufgenommen, Familienangehörige werden vor Ort durch den Notfallnachsorgedienst betreut", sagte der Sprecher.

Wie es zur überhöhten Gas-Konzentration kommen konnte, war zunächst unklar. Bei dem Haus handelt es sich ersten Angaben zufolge um einen Neubau. An dem Gebäude standen am Mittag Rettungswagen, auch ein Fahrzeug eines Gas-Notdienstes war zu sehen.

Immer wieder kommt es zu Unglücken mit Kohlenmonoxid (CO). Erst im Januar hatte sich eine Familie in Ludwigsburg beim Heizen damit vergiftet. Nach ersten Erkenntnissen war das Kohlenmonoxid aus einer Gastherme im Nebenraum ausgetreten und hatte sich in den Räumen verteilt. Eine 26-Jährige und ihre 64 und 65 Jahre alten Eltern kamen mit Vergiftungen ins Krankenhaus.

Kohlenmonoxid entsteht unter anderem, wenn Materialien ohne genügend Sauerstoff verbrennen, etwa in geschlossenen Räumen oder bei defekten Heizanlagen. Bei der Lagerung von Holzpellets kann ebenfalls CO entstehen. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden.

Kohlenmonoxid blockiert den Transport von Sauerstoff im Blut. Bei einer Vergiftung kommt es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit - und im schlimmsten Fall zum Erstickungstod. Vor allem im Schlaf werden die Symptome nur selten bemerkt.

Update 15.41 Uhr: Ein Angehöriger fand die Toten gegen 12 Uhr

Wie die Polizei Reutlingen twitterte, hatte ein Angehöriger die Toten vorgefunden, nachdem er mehrmals vergeblich geklingelt und geklopft hatte. Die Kriminaltechniker sind zudem aktuell mit den Ermittlungen beschäftigt, ob wirklich die erhöhte CO-Konzentration für das Unglück verantwortlich ist.

Update 14.21 Uhr: Polizei bestätigt 4 Tote

Update 14.06 Uhr: Womöglich 4 Tote, erhöhte CO-Konzentration könnte verantwortlich sein

Nach Angaben der Polizei sind möglicherweise vier Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei twitterte zudem: "Es gibt Hinweise auf eine deutlich erhöhte CO (Kohlenmonoxid)-Konzentration im Gebäude."

Die Einsatzkräfte haben das Gebiet um das Haus abgesperrt.
Die Einsatzkräfte haben das Gebiet um das Haus abgesperrt.
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung der Polizei betritt ein Haus, in dem mehrere Tote gefunden wurden.
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung der Polizei betritt ein Haus, in dem mehrere Tote gefunden wurden.  © DPA
Laut Polizei werden die Ermittlungen noch bis Ende der Woche andauern.
Laut Polizei werden die Ermittlungen noch bis Ende der Woche andauern.

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