Über 25 Prozent betroffen: Immer mehr Junge psychisch krank!

Stuttgart - Jeder vierte junge Erwachsene in Baden-Württemberg hat einer Studie zufolge eine psychische Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kommt der in Stuttgart vorgestellte Barmer-Arztreport.

Die Zahl der jungen Erwachsenen in Baden-Württemberg, die an Depressionen leiden,ist von 4,6 Prozent (2006) auf mittlerweile 7,9 Prozent gestiegen.
Die Zahl der jungen Erwachsenen in Baden-Württemberg, die an Depressionen leiden,ist von 4,6 Prozent (2006) auf mittlerweile 7,9 Prozent gestiegen.  © DPA

Mit einem Betroffenen-Anteil von 25,9 Prozent liegt Baden-Württemberg demnach knapp über dem Bundesdurchschnitt (25,8 Prozent). Depressionen wurden bei 7,9 Prozent der 18- bis 25-Jährigen diagnostiziert und waren damit besonders häufig. Zum Vergleich: 2006 waren es in diesem Bereich noch 4,6 Prozent. Auch andere Kassen registrieren viele psychisch bedingte Beschwerden - bei Jung und Alt.

Für den Report wertete die Barmer-Krankenkasse die Arzt- und Krankenhausbesuche ihrer Versicherten aus den Jahren 2005 bis 2016 aus. Erfasst wurden nach Angaben von Landesgeschäftsführer Winfried Plötze Daten von 770.000 Menschen.

"Die Dunkelziffer der Betroffenen liegt aber weitaus höher", sagte der Psychologe David Daniel Ebert von der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Hemmschwelle, bei psychischen Problemen einen Arzt aufzusuchen, sei sehr hoch. Ihm zufolge vergehen durchschnittlich acht bis zehn Jahre, bis sich ein Patient in Behandlung begibt.

Im Jahr 2016 wurden bei der AOK Baden-Württemberg 14,9 Prozent der Versicherten im Alter von 18 bis 25 Jahren stationär oder ambulant wegen psychischer Erkrankungen behandelt. (Symbolbild)
Im Jahr 2016 wurden bei der AOK Baden-Württemberg 14,9 Prozent der Versicherten im Alter von 18 bis 25 Jahren stationär oder ambulant wegen psychischer Erkrankungen behandelt. (Symbolbild)  © DPA

Bei der AOK Baden-Württemberg wurden 2016 insgesamt 14,9 Prozent der Versicherten zwischen 18 und 25 Jahren aufgrund einer psychischen Erkrankung stationär oder ambulant behandelt.

Diese Zahl sei seit 2014 nahezu konstant geblieben. Der Gesundheitsreport 2017 der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt die von der Barmer-Krankenkasse aufgezeigte Tendenz ebenfalls - allerdings werden alle Altersgruppen einbezogen. Bei Muskel- und Skeletterkrankungen dagegen verzeichnete die TK einen deutlichen Rückgang.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) sagte: "Diese Entwicklung ist bedauerlich, macht aber deutlich, dass es richtig und notwendig war, die Bedarfsberechnung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie umzustellen."

Jedes Krankenhaus könne nun seinen Bedarf anhand der Behandlungen ausrechnen und dementsprechend Betten beantragen und mit den Krankenkassen abrechnen.

Titelfoto: DPA


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