"Alle wollen den Klimaschutz": Tausende protestieren in Stuttgart gegen die aktuelle Politik

Stuttgart - "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", hallt es am Freitag stundenlang durch die Klimastreik auf und die Resonanz ist gewaltig.

Auf dem Schlossplatz versammeln sich tausende Demonstranten.
Auf dem Schlossplatz versammeln sich tausende Demonstranten.  © TAG24

"20.000 sind wir", ruft die Fridays-for-Future-Sprecherin Lucia Parbel in den Lautsprecher und die bunte Menschenmenge am Schlossplatz jubelt ihr zu.

Ob es schlussendlich wirklich so viele sind, ist fraglich. Die Polizei will sich zu genauen Zahlen nicht äußern.

"Für Stuttgarter Verhältnisse ist es jedenfalls verdammt groß", sagt ein Polizist, der an der Spitze des Demonstrationszuges für Ordnung sorgt.

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Doch es ist auch egal, denn die Menschenmassen wirken.

Über eine Stunde dauert es, bis alle an ihrem Ziel am Schlossplatz ankommen, wo die Abschlusskundgebung stattfindet.

Zuvor fand eine Sterndemo statt, also drei verschiedene Proteste, die sich am Rotebühlplatz zusammenschlossen.

"Die Gesellschaft ist in der Wirklichkeit angekommen und die Wirklichkeit ist, dass wir eine Wende brauchen, weil sonst kommt der Klimawandel und macht die Wende von selbst", erklärt Fridays-for-Future Sprecherin Parbel gegenüber TAG24.

Auch er demonstriert für eine bessere Welt: Till Scheller, 85 Jahre alt.
Auch er demonstriert für eine bessere Welt: Till Scheller, 85 Jahre alt.  © TAG24

Die 20-Jährige studiert Agrarwissenschaft und ist sich sicher, dass es so nicht weiter gehen kann.

"Die Politik hat keine Ausreden mehr. Die Gesellschaft steht hinter unserer Bewegung. Egal ob jung, alt, oder von welcher Berufsgruppe: Alle wollen den Klimaschutz", so Parbel.

Und genau diesen Eindruck vermittelt die Demo am Freitag.

"Ich begrüße, dass so viele jungen Menschen die Initiative ergreifen", sagt beispielsweise der 85-jährige Till Scheller.

Scheller gibt alles dafür, um die Aktivisten rund um Fridays for Future zu unterstützen. Mit einem Demo-Schild und einem Spazierstock protestiert er.

"Es ist ein neues Bewusstsein bei der Jugend entstanden, das wir brauchen, um die aktuellen Verhältnisse zu verändern. Schuld an der Erderwärmung sind die Konzerne, die gilt es zu stoppen", so der 85-jährige Rentner, der sein halbes Leben als Bewährungshelfer arbeitete.

"Ich glaube, wir sind in einem Zeitalter, indem zwei Sachen parallel existieren", erklärt Fridays-for-Future-Sprecherin Parbel.

Denn als die Protestierenden auf der B14 in Richtung Schlossplatz laufen, kommt es zu einer bezeichnenden Situation. Während die Demonstranten durch die Absperrung zügig vorwärts kommen, stehen die Autos auf der Gegenseite im Stau.

"Das eine ist die Zukunft, das andere ist die Vergangenheit. Und die Vergangenheit manifestiert sich in den Autos", beschreibt Parbel dabei ihre Gefühlslage.

Am Rotebühlplatz trafen die drei Demonstrationszüge aufeinander und machen sich auf dem Weg zum Schlossplatz.
Am Rotebühlplatz trafen die drei Demonstrationszüge aufeinander und machen sich auf dem Weg zum Schlossplatz.  © TAG24

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