Kommentar: Diesel und Benziner - wird uns jetzt alles verboten?!

Stuttgart - Jetzt wird es ernst: Ab dem 1. Januar 2019 dürfen in Stuttgart keine älteren Diesel mehr rein!

Das Neckartor in Stuttgart. Hier ist die Schadstoffkonzentration besonders hoch.
Das Neckartor in Stuttgart. Hier ist die Schadstoffkonzentration besonders hoch.  © DPA

Damit ist die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg Vorreiter. Denn sie wird die erste deutsche Stadt sein, in der die Fahrer von älteren Dieseln (also bis einschließlich Euro 4) flächendeckend draußen bleiben müssen.

Auch für mich heißt es ab Dienstag: "Du kommst hier nicht rein!" Denn mein treues Diesel-Ross schafft "nur" Euro 4. Und ist eingefleischten Umwelt-Aktivisten damit ein Dorn im Auge. Völlig egal, ob mein robuster Daimler mal als sauber galt.

Tja, die einen werden ab morgen also jubeln, womöglich gar schon von komplett autofreien Innenstädten träumen. Und dabei ignorieren, dass die Diesel, die hier nicht mehr rollen, halt einfach nach Osteuropa verkauft wurden und werden. Aber Abgas-Luft macht ja offenbar an der deutschen Grenze Halt.

Und die anderen? Die werden schauen müssen, was sie nun machen. Wie sie etwa vom Land zu ihrer Arbeitsstelle nach Stuttgart kommen. Besonders Geringverdiener und Schichtarbeiter dürften über das Diesel-Fahrverbot nicht erfreut sein. Ach, was sage ich: Eine Mordswut dürften die im Bauch haben.

Denn nicht jeder kann sich mal eben so ein neues Auto kaufen. Es gibt doch tatsächlich Menschen, die haben nicht die Kohle dafür. Die fahren einen älteren Wagen, weil der Geldbeutel es ihnen so diktiert. Und: Nicht jeder wohnt außerhalb der Großstadt, nur weil er die Landschaft so gerne mag.

Oftmals spielen auch da handfeste finanzielle Gründe die Rolle: Viele können sich die meist sauteuren Mieten in der Stadt nicht mehr leisten. Und die Anbindung an die Öffentlichen ist gerade sonn- oder feiertags in ländlichen Gegenden alles andere als traumhaft. Echt klasse, wenn man dann nicht mal mehr auf seinen Diesel ausweichen kann.

Außerdem ist bei der Euro-Norm 4 ja nicht Schluss. Die jüngeren Diesel-Modelle mit Euro-5-Motoren sind die nächsten auf der Abschussliste in Stuttgart.

Klare Ansage: Alle Diesel unter Euro 5 müssen ab 2019 draußen bleiben.
Klare Ansage: Alle Diesel unter Euro 5 müssen ab 2019 draußen bleiben.  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Und wer sich jetzt denkt: "Ach, ich habe ja einen brandneuen Diesel der die Norm Euro 6 erfüllt, was soll mir schon passieren?" oder "Ich lebe ja gar nicht in Baden-Württemberg, was juckt mich das?", dem sei gesagt: Dem Klageverein Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist das piepegal!

Der Verein kündigt auf seiner Homepage nämlich an: "2019 werden wir in über 30 Städten Diesel-Fahrverbote bis inkl. Euro 5 Fahrzeuge durchsetzen." Und damit nicht genug: "Dort wo dies nicht reicht, wie in Stuttgart, Berlin oder München, folgen in 2020 Fahrverbote auch für Euro 6 Diesel-Fahrzeuge."

Ihr habt es wahrscheinlich schon zwischen den Zeilen herausgelesen: Ich bin alles andere als begeistert von den Fahrverboten. Der Affentanz, der um die Stickoxid-Werte veranstaltet wird, geht aber nicht nur mir und vielen Leuten, mit denen ich spreche, auf den Zeiger.

Professor Dieter Köhler, Lungenarzt und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Lungenheilkunde, redete im SWR Klartext: "Stickoxide in diesen Grenzwerten sind überhaupt nicht gefährlich. Wir reden von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, das ist der Grenzwert. Ein Raucher beispielsweise erreicht über 200.000 Mikrogramm pro Kubikmeter, wenn er eine Zigarette raucht - und er fällt ja nicht tot um."

Und er legte nochmals nach: "Diese Grenzwerte in diesem Bereich sind völlig ungefährlich. Das macht gar nichts. Bedenken Sie: Der Arbeitsplatzgrenzwert in Deutschland liegt bei 950 Mikrogramm, in der Schweiz sogar bei 6000 Mikrogramm. Und wie gesagt, die Raucher liegen über 100.000. Also, das ist alles Unsinn."

Und wie wird dieser Unsinn ab Dienstag kontrolliert? Bei der Polizei heißt es ganz direkt, dass es sich beim Fahrverbot um einen "nicht umsetzbaren Schildbürgerstreich" handelt. Gesagt hat das Ralf Kusterer, baden-württembergischer Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im Südwestrundfunk. Seine Kritik wird noch deutlicher: "Die Gerichte haben etwas entschieden, von dem sie eigentlich wissen, dass das gar nicht umsetzbar ist. Die Regierung wird zu einem Handeln in einer Art und Weise gezwungen, wie wir das noch nie hatten in Deutschland."

Feuerwerke in Innenstädten (im Bild: Stuttgart) sind der Deutschen Umwelthilfe ein Dorn im Auge.
Feuerwerke in Innenstädten (im Bild: Stuttgart) sind der Deutschen Umwelthilfe ein Dorn im Auge.  © DPA

Aber spielen wir das Szenario doch mal spaßeshalber bis zum Ende durch. Die klagefreudige DUH bekommt ihren Willen, Diesel-Besitzer werden im Prinzip kalt enteignet und der Antrieb verschwindet von unseren deutschen Straßen (im Osten und in Nordafrika werden sie ja noch Jahre und Jahrzehnte weiterfahren).

Wären die Umweltschützer dann zufrieden? Nein! Denn die nächste fixe Idee steht schon im Raum. SPD-Politiker Karl Lauterbach etwa will auch den Benzinern den Garaus machen. "Langfristig muss auch das Ende des Benziners kommen", schrieb er auf Twitter. Er will weder Diesel, noch Benziner - sondern Elektroautos. Dumm nur, das E-Autos nicht die Heilsbringer sind, als die sie von manchen gepriesen werden.

Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Stromer auf deutschen Straßen haben. Doch am Stichtag 1. Januar 2018 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt gerade einmal 53.861 E-Autos zugelassen. Von der Millionen-Marke ist das noch sehr, sehr weit entfernt.

Und umweltfreundlicher sind Stromer auch nur auf den ersten Blick. Denn der Auspuff, der Benzinern und Dieseln zueigen ist, der ist beim Elektroauto einfach nur an einen anderen Ort verlagert worden. Der Kraftwerks-Schornstein ist der neue Auspuff.

Würde man alle Verbrenner durch ihre Elektro-Artgenossen ersetzen, bräuchten wir in Deutschland laut WDR satte 23 Prozent mehr Strom als derzeit verbraucht wird. Und woher käme der demnach? Na, etwa von Kohlekraftwerken! Ohne hundertprozentigen Ökostrom ist also auch der Elektro-Flitzer kein Umweltengel.

Und was den Feinstaub angeht, über den ja nicht nur in Stuttgart, sondern deutschlandweit gerne hochemotional diskutiert wird: Feinstaub entsteht vor allem durch den Abrieb von Reifen und durchs Bremsen. Und da sind Stromer nicht besser als Benziner oder Diesel. Auch die rollen, auch die bremsen.

Vielleicht wird's also irgendwann ein Technik-Mix sein, der die Lösung bringt? Oder das ÖPNV-Netz wird auch auf dem Land lückenlos sein? Oder die Grenzwerte für Feinstaub werden nochmals genauer betrachtet - und gegebenenfalls nach oben korrigiert? Fest steht: Die Verbots-Debatte wird uns auch im kommenden Jahr beschäftigen.

Bis dahin wünsche ich Euch einen guten Rutsch und lasst es zu Silvester ordentlich krachen. Aber nicht zu dolle, denn die Deutsche Umwelthilfe hat schon die innerstädtischen Feuerwerke im Blick und fordert einen Stopp der Ballerei. Begründung: Feinstaub.

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