Missbrauchsfälle in Korntal: Brüdergemeinde bittet um Entschuldigung

Stuttgart/Korntal - Die Aufklärer der Missbrauchsfälle in Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal (Kreis Ludwigsburg) stellen am Donnerstag (10.30 Uhr) in Stuttgart ihren Abschlussbericht vor.

Immer wieder sollen sich die Mitarbeiter der Gemeinde an Heimkindern vergangen haben. (Symbolbild)
Immer wieder sollen sich die Mitarbeiter der Gemeinde an Heimkindern vergangen haben. (Symbolbild)  © 123RF

Nach Angaben der Aufklärungs-Moderatoren berichtet die Richterin im Ruhestand, Brigitte Baums-Stammberger, von der Auswertung ihrer Gespräche mit mehr als 100 Betroffenen.

Der Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger stellt demnach das Ergebnis seiner Analyse von Archivmaterial und der Befragung ehemaliger Mitarbeiter der Brüdergemeinde vor.

Bis zu 300 Heimkinder haben nach Angaben von Opfergruppen in den 1950er bis 1980er Jahren Gewalt und sexuellen Missbrauch in Einrichtungen der Brüdergemeinde Korntal erlebt.

Opfervertreter haben lange dafür gekämpft, dass die pietistische Gemeinde ihre Vergangenheit aufarbeitet und ehemalige Heimkinder für das erlittene Leid entschädigt.

Inzwischen haben die Opfer von der Brüdergemeinde jeweils zwischen 5000 Euro und 20.000 Euro sogenannte Anerkennungsleistung erhalten.

Bei der Pressekonferenz nehmen laut Ankündigung auch ehemalige Heimkinder sowie die Brüdergemeinde Stellung zum Abschluss der Aufarbeitung.

Auf der Internetseite der Heimopfer kann man sich das Schicksal und die Bewegründe der Opfer noch einmal genauer anschauen. Die Arbeitsgemeinschaft Heimopfer Korntal arbeitete ebenfalls an den Ergebnissen mit.

UPDATE: 12.50 Uhr

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal hat sich für Missbrauchsfälle in ihren Heimen entschuldigt. "Wir bitten ehrlich und von Herzen um Entschuldigung", sagte Gemeindevorsteher Klaus Andersen bei der Vorstellung des Aufklärungsberichts zu den Missbrauchsfällen am Donnerstag in Stuttgart. Der Bericht bringe "erschreckende Gewissheit" darüber, was in den Heimen passiert sei. Erziehungswissenschaftler Bruno Hafeneger, der unter anderem Archivmaterialien der Brüdergemeinde analysiert hat, kam zu dem Ergebnis: "Man hat gewusst von Taten und Tätern."

Opfervertreter Detlev Zander sprach von Genugtuung und Erleichterung, weil nun schwarz auf weiß nachzulesen sei, was ihm und anderen in den Heimen angetan wurde. Er sei jedoch geschockt, dass die Verantwortlichen der Brüdergemeinde damals laut Bericht von Misshandlungen wussten und sie die Kinder trotzdem nicht davor geschützt haben. "Da müssten einem die Tränen kommen."

Titelfoto: 123RF


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