Stuttgart "lahmgelegt": Klima-Aktivisten sitzen auf der Straße, Autofahrer stehen im Stau

Stuttgart - Straßenblockaden in der Stuttgarter Innenstadt! Rund 50 Aktivisten blockieren am Freitagnachmittag für eine Dreiviertelstunde die Kreuzung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Rotebühlplatz.

Aktivisten blockieren die Kreuzung Theodor-Heuss-Straße und Rotebühlplatz.
Aktivisten blockieren die Kreuzung Theodor-Heuss-Straße und Rotebühlplatz.

"Der Kessel wird besetzt, Verkehrswende jetzt", rufen Protestler gegen 16.30 Uhr im Chor.

Um diese Uhrzeit ist die Theodor-Heuss-Straße normalerweise voll, Autos reihen sich aneinander und schieben sich im Schritttempo voran.

Doch heute stehen Menschen auf der Straße. Ein Banner mit der Aufschrift "Wir wollen nicht verrecken wie die Lemminge", weist auf die Protestbewegung hin, die hier ihre Straßenblockade errichtet.

Stuttgarter Klimaaktivisten vom Aktionsbündnis "Kesselbambule" haben zuvor angekündigt, die Stadt "lahmlegen" zu wollen.

Zwischen einigen Aktivisten, die sich auf die Hauptstraße gesetzt haben und Plakate in die Luft halten, steht Marco Schlich mit seinem Hemd mit Weltkugel-Print und einen Schild mit der Aufschrift "Sie finden mein Hemd hässlich? Dann sollten Sie erstmal die Klimapolitik unserer Regierung sehen."

Ein Autofahrer steht im Stau und kommt nicht weiter.
Ein Autofahrer steht im Stau und kommt nicht weiter.  © TAG24

Schlich geht für einen besseren Klimaschutz auf die Straße. In seinen Augen hat die Politik es versäumt etwas für unsere Umwelt zu tun.

"Der Nahverkehr ist zu teuer, die Sozialpolitik fraglich, denn mit den Mietpreisen können nur noch Betuchte mit SUV in den Städten wohnen, während die anderen zur Arbeit in die Stadt pendeln müssen", sagt der Ingenieur, der im Bereich Umweltschutz tätig ist.

Doch er denkt auch global: "Die Proteste richten sich an den Bund und Europa: Sie müssen aus den fossilen Energien austreten und den Emissionshandel stoppen", fordert Schlich.

Während die Klimaschützer protestieren ist auch die Polizei präsent, die aber die friedlichen Demonstranten passieren lässt.

Dabei ist die Straßensperrung keinesfalls legal. Auf Twitter schreibt die Polizei Stuttgart: "Wie bereits betont, haben wir als Polizei eine Strafverfolgungspflicht. Beim Blockieren von Straßen besteht der Verdacht der Nötigung, möglicherweise strafbares Handeln wird dokumentiert - auch von unserem Hubschrauber".

Marco Schlich steht mit seinem Schild auf der Straße.
Marco Schlich steht mit seinem Schild auf der Straße.

Was sagt Schlich dazu? "Die Folgen, die uns drohen, wenn wir keinen richtigen Klimaschutz bestreben, sind viel schlimmer, als die mir hier drohen".

Hinter einem Banner mit der Aufschrift "Aussteigen - Umsteigen" stehen die Autos. Einige Fahrer sind ausgestiegen, denn hier kommen sie so schnell nicht weiter. Einer von ihnen ist Dominik, der verärgert ist. "Ich stand den ganzen Tag im Stau". Sein Friseurtermin hat er vor rund einer Stunde verpasst.

Er hat grundsätzlich Verständnis für die Klimaaktivisten: "Es ist aber der falsche Weg. Umdenken findet nicht statt, weil sie hier Straßen blockieren."

Dominik ist seit rund anderthalb Stunden unterwegs und kommt im Stop-and-go kaum voran. Er fragt sich: "Ob das so gut für die Umwelt ist?"

Für die verärgerten Autofahrer hat Marco Schlich auch Verständnis, dennoch hält er die Blockade für wichtig. "Wir haben keine andere Wahl", sagt der Aktivist.

Die Aktivisten räumen die Straße, Autos fahren wieder über die Kreuzung. Sie machen sich auf den Weg zur Paulinenbrücke, wo sie die nächste Straße sperren, um auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen.

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