Zwei Menschen sterben: Darum ist der 21-jährige Raser trotzdem kein Mörder

Stuttgart - Es ist schon überraschend. Obwohl er wegen Mordes angeklagt war, verurteilte das Stuttgarter Landgericht den 21-jährigen Raser nach Jugendstrafrecht "nur" zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. (TAG24 berichtete)

In dem Kleinwagen (r.) saß das junge Pärchen, das sofort tot war. Links ist der Jaguar des inzwischen 21-Jährigen zu sehen.
In dem Kleinwagen (r.) saß das junge Pärchen, das sofort tot war. Links ist der Jaguar des inzwischen 21-Jährigen zu sehen.

Am Aschermittwoch dieses Jahres hatte der junge Mann eine Spritztour mit einem 18-jährigen Freund durch die Stuttgarter Innenstadt unternommen.

Mit 165 Sachen krachten sie, das Gaspedal war bis kurz vor dem Aufprall durchgedrückt, in den Kleinwagen eines Pärchens. Der 25-jährige Fahrer und seine 22-jährige Freundin waren sofort tot.

"Dass Sie ein Mörder sind, konnten wir nicht feststellen", hieß dennoch das Fazit der Richterin gegenüber dem Angeklagten und widersprach somit der Staatsanwaltschaft und zwei von drei Nebenklägern, die ein Urteil wegen Mordes nach Jugendstrafrecht gefordert hatten.

Der dritte Nebenkläger verlangte sogar eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes nach Erwachsenenstrafrecht.

Die Richterin sprach zwar von einem "riskanten und rücksichtslosen Fahrtstil", hielt dem 21-jährigen Angeklagten allerdings zugute, dass er vorher noch nicht wegen Verkehrsgefährdung aufgefallen war.

Stuttgarter Raser-Prozess: Wegen Mordes angeklagt, aber nicht verurteilt

Nach einem Raser-Unfall mit zwei Toten in der Stuttgarter Innenstadt ist ein junger Mann zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden.
Nach einem Raser-Unfall mit zwei Toten in der Stuttgarter Innenstadt ist ein junger Mann zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden.  © DPA/ Marijan Murat

Weiter sagte sie, dass "das gesamte Gefahrenszenario" dem Angeklagten bewusst war und warf ihm vor, "mit völliger Überschätzung seiner Möglichkeiten" agiert zu haben.

Weshalb der 21-Jährige dennoch nach dem Urteil kein Mörder ist, dürfte an folgender Feststellung des Gerichts liegen: Der Angeklagte habe ernsthaft darauf vertraut, den Tod anderer nicht zu riskieren, so die Richterin. Die Kammer könne ihm keinen bedingten Tötungsvorsatz nachweisen, heißt es in den "Stuttgarter Nachrichten".

Der 21-Jährige war der erste Raser, der in Baden-Württemberg wegen Mordes angeklagt war, deutschlandweit gab es allerdings zwei vergleichbare Fälle. (TAG24 berichtete)

2017 hatte ein Mann in Hamburg ein Taxi gestohlen und krachte mit 155 km/h in ein anderes Taxi, wobei ein Mensch starb und zwei weitere schwer verletzt wurden. In Berlin lieferten sich 2016 dagegen zwei Männer ein Autorennen am Kurfürstendamm. An einer Kreuzung krachte dann einer der beiden in einen Wagen eines 69-Jährigen, der noch in seinem Auto starb. Beide Berliner Raser wurden wegen Mordes verurteilt, der Hamburger ebenfalls.

Der 21-jährige Stuttgarter muss nun dagegen nach dem Jugendstrafrecht für fünf Jahre in den Knast. Seinen Führerschein ist er außerdem dann für vier Jahre los.

Titelfoto: DPA/ Marijan Murat

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