Es reicht! Krankenpfleger demonstrieren gegen Personenmangel

Pflegekräfte der Uni Tübingen kritisieren die Personalnot der Pflege.
Pflegekräfte der Uni Tübingen kritisieren die Personalnot der Pflege.  © DPA

Stuttgart/Tübingen - Nach der Absage von Warnstreiks an den Unikliniken in Tübingen und Freiburg haben am Mittwoch Pflegekräfte gegen Personalmangel demonstriert.

"Mehr von uns ist besser für alle!", riefen die Krankenpfleger in der Tübinger Altstadt. "Ohne mehr Personal gibt es Streik", kündigte Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross bei einer Kundgebung an. Pfleger müssten und wollten Patienten wieder mit einem guten Lebensgefühl ausstatten. "Wir brauchen mehr Personal, damit wir diese Menschlichkeit auch leben können." Die Polizei zählte rund 100 Teilnehmer.

Nach Verdi-Angaben gibt es im Südwesten gut 37 000 Pflegekräfte - das seien mindestens 7000 zu wenig.

Als Redner traten auch zwei Pfleger aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart auf. "Ihr seid die Vorreiter, andere Krankenhäuser schauen auf Euch", riefen sie den Kollegen des Tübinger Universitätsklinikums zu. "Das ist mehr als ein normaler Arbeitskampf", sagte der Sprecher des Tübinger Bündnisses für mehr Personal in unseren Krankenhäusern, Marvin Pfeifle. Es gebe ein breites gesellschaftliches Interesse an guter Versorgung in Kliniken.

Teilnehmerinnen einer Verdi Demonstration laufen am 08.11.2017 mit Schildern durch Tübingen (Baden-Württemberg). Die Pflegekräfte der Uniklinik Tübingen kritisieren die Personalnot in der Pflege. Nach der kurzfristigen Absage eines Warnstreiks der Beschäftigten der Uniklinik fand die Demonstration dennoch statt. Foto: Sina Schuldt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Mangel an Pflegekräften führe bei Kliniken inzwischen auch zu drastischen Methoden. Sogenannte Abwerbeprämien kommen in Mode. Beträge von mehreren Tausend Euro pro Kopf seien inzwischen keine Seltenheit, sagte der Landesgeschäftsführer des evangelischen Krankenhausverbandes, Bernd Rühle, in Stuttgart.

Der Beruf dürfe auch nicht länger öffentlich abgewertet werden. "Wenn Menschen ohne entsprechende Qualifizierung die Lücken in der Pflege schließen sollen, dann wird die Kompetenz der Fachkräfte mit ihrer dreijährigen Ausbildung in Frage gestellt", sagte Rühle.

Nach Verdi-Angaben gäbe es etwa 7000 Pflegekräfte zu wenig in Deutschland
Nach Verdi-Angaben gäbe es etwa 7000 Pflegekräfte zu wenig in Deutschland  © DPA

Titelfoto: DPA


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