Architekt zu Stuttgart 21: "Mit allen Strecken sind es doch längst 10 Milliarden"

Ein Kranfahrer bedient am 12.10.2017 in Stuttgart seinen Kran über der Baustelle des Bauprojektes für den neuen Hauptbahnhof Stuttgart 21. (Archivbild)
Ein Kranfahrer bedient am 12.10.2017 in Stuttgart seinen Kran über der Baustelle des Bauprojektes für den neuen Hauptbahnhof Stuttgart 21. (Archivbild)  © DPA

Stuttgart - Nach Ansicht des Stuttgart-21-Architekten Christoph Ingenhoven übersteigen die Kosten für das Bahnprojekt die jüngst bekannt gewordenen Mehrkosten bei weitem.

"10 Milliarden Euro sind es doch längst, wenn Sie alle Bahnstrecken hinzunehmen", sagte er dem Spiegel. Diese Aussage habe sich auf das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und allen einbezogenen Bahnstrecken inklusive der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm bezogen, stellte Ingenhovens Büro anschließend klar.

Zuvor war ein Anstieg des Kostenrahmens von 6,5 Milliarden auf bis zu 7,6 Milliarden Euro bekanntgeworden. Bei dieser Summe geht es jedoch lediglich um den Tiefbahnhof und die unmittelbaren Anschlüsse.

Eine endgültige Prognose sei immer noch schwer, sagte Ingenhoven dem Magazin. "Sie können keine Garantie übernehmen, das hätten Sie auch nicht bei den Kosten für die Wiedervereinigung gekonnt."

Ingenhoven hatte 1997 den Wettbewerb für eine unterirdische Durchgangsstation gewonnen, die den bisherigen Kopfbahnhof in der Landeshauptstadt ersetzen soll.

Ein alltägliches Bild für die Stuttgarter, nur das es jetzt teurer und teurer wird: Stuttgart 21. (Archivbild)
Ein alltägliches Bild für die Stuttgarter, nur das es jetzt teurer und teurer wird: Stuttgart 21. (Archivbild)  © DPA

Kürzlich wurde ebenfalls bekannt, dass der Bahnhof nicht wie zuletzt geplant 2021 in Betrieb gehen soll, sondern drei Jahre später. Im Verhältnis zu seiner Lebenszeit dauere das Projekt "einfach zu lange", sagte Ingenhoven dem Magazin.

Der Verzug habe nichts mit normalem Planen und Bauen zu tun. Nach Meinung des Architekten hätte man Stuttgart 21 in zehn Jahren realisieren können. Dennoch stehe er hinter dem Projekt: Stuttgart habe die Chance, sich neu zu erfinden.

Unterdessen forderte der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Filius aus Ulm in einem Brief an den Bahnvorstand eine fristgerechte Inbetriebnahme der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen; auch müsse die Strecke zweigleisig - statt wie bisher eingleisig - an das bisherige Netz bei Wendlingen angebunden werden.

Die Neubaustrecke liegt im Gegensatz zur Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens im Plan und könnte 2021 in Betrieb gehen.

Titelfoto: DPA


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