Als er Selbstmord-Attentäter werden sollte, floh der Ex-Taliban nach Deutschland

Stuttgart - Ein mutmaßlicher ehemaliger Anhänger der radikalislamischen Taliban muss sich von Dienstag (9 Uhr) an vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten.
 Der Mann soll unter anderem Wache geschoben und Fahrzeuge kontrolliert haben. (Im Bild: afghanische Sicherheitskräfte)
Der Mann soll unter anderem Wache geschoben und Fahrzeuge kontrolliert haben. (Im Bild: afghanische Sicherheitskräfte)  © DPA

Der vermutlich 22-jährige Afghane war im Jahr 2015 nach Deutschland geflüchtet, hieß es. Er soll 2013 für sechs Monate Wachen für die Terrorvereinigung geschoben, schwer bewaffnet Fahrzeuge kontrolliert und zahlreiche Menschen festgenommen haben.

Mehrere von ihnen seien für Spione gehalten und deswegen ausgepeitscht worden, teilte das OLG weiter mit.

Als der Mann für eine Ausbildung zum Selbstmordattentäter ausgesucht und dafür in ein Lager in Pakistan gebracht worden sei, habe er beschlossen zu fliehen. Seit Ende September sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Vorwurf lautet Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage bis 7. Februar vorgesehen.

 Der Prozess findet am Oberlandesgericht in Stuttgart statt.
Der Prozess findet am Oberlandesgericht in Stuttgart statt.  © DPA

Update 15 Uhr

Dem jungen Mann wird zur Last gelegt, sich 2013 auf Druck seines Bruders und seines Onkels den Taliban angeschlossen zu haben, so die Stuttgarter Generalstaatsanwaltschaft. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag.

Laut dem Tatvorwurf soll er mit 17 Jahren für mindestens ein halbes Jahr Mitglied der Taliban gewesen sein. Dazu sagte der Angeklagte, dass er seine Geschichte zwar im Jahr 2017 bei einer Anhörung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) so erzählt habe. Allerdings habe er gelogen, weil er dachte, so in Deutschland als Flüchtling anerkannt zu werden. Auch Angaben zur Familie stellte der Angeklagte anders dar, als noch bei der Anhörung des BAMF.

Vor Gericht gab der Angeklagte an, eigentlich als Illegaler im Iran gelebt zu haben. Demnach war er lediglich 2013 drei Monate in Afghanistan, weil er in sein Heimatland abgeschoben worden war. In dieser Zeit habe er bei Verwandten gelebt, bevor er mithilfe eines Schleuser erneut in den Iran und später über die Türkei nach Deutschland geflohen sei.

Hier lebte er seit 2015 in Flüchtlingsunterkünften, machte nach eigenen Angaben unter anderem einen sechsmonatigen Sprachkurs und ein Praktikum als Schweißer. Der Angeklagte ist mutmaßlich 22 Jahre alt, den Behörden liegen aber unterschiedliche Geburtsdaten vor.

Seit Ende September sitzt er in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung. Weil er laut mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen sein soll, muss sich der Angeklagte zudem wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verantworten. Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte demnach am 7. Februar fallen.

Die Taliban sind radikale Islamisten, die für ein "islamisches Emirat" in Afghanistan kämpfen. Um ihre Ziele zu erreichen, verüben sie unter anderem Selbstmordattentate gegen ausländische Kräfte und afghanische Sicherheitskräfte. Dabei kommen auch Zivilisten ums Leben.

Titelfoto: DPA

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