Die ersten Toten seit 14 Jahren: Zwei Männer sterben im Polizeigewahrsam

Stuttgart - Rund 14 Jahre lang sind keine Menschen mehr gestorben, die in Stuttgart in Polizeigewahrsam waren. Nun gab es gleich zwei Todesfälle.

Beide Männer betrunken, starben nur wenige Tage auseinander. (Symbolbild)
Beide Männer betrunken, starben nur wenige Tage auseinander. (Symbolbild)  © DPA

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilen, handelt es sich bei den Toten um zwei Männer im Alter von 48 und 51 Jahren. Bei beiden wurden Obduktionen angeordnet, um die Todesursache abzuklären.

"Vor der Aufnahme in den Polizeigewahrsam waren beide Männer jeweils einem Arzt vorgestellt worden, der die Haftfähigkeit bescheinigte", heißt es in einer Mitteilung. Demnach starb der 48-Jährige am vergangenen Mittwoch, 23. Januar, gegen 2.15 Uhr in einer Ausnüchterungszelle.

Ein Gerichtsmediziner stellte eine "innere Kopfverletzung als todesursächlich fest", so die Behörden. Wann sich der Mann diese Verletzung zuzog, ist unklar. Der Leichnam soll nun in der Tübinger Gerichtsmedizin näher untersucht werden.

Der stark betrunkene und polizeibekannte 48-Jährige war am Dienstag, 22. Januar, Mitarbeitern der Stuttgarter Straßenbahnen aufgefallen. "Eine Polizeistreife sorgte sich um ihn und brachte ihn schließlich auf richterliche Anordnung in die Gewahrsamseinrichtung."

Jede Stunde wurde nach den 48 und 51 Jahre alten Männern geschaut. (Symbolbild)
Jede Stunde wurde nach den 48 und 51 Jahre alten Männern geschaut. (Symbolbild)  © DPA

Das 51-jährige Todesopfer wiederum starb am vergangenen Samstagmorgen.

"Polizeibeamte, der im Dienst befindliche Arzt des Polizeigewahrsams und ein hinzugerufener Notarzt versuchten, den ebenfalls deutlich alkoholisierten Mann noch zu reanimieren", ist zu lesen. Der Mann wurde gegen 5.25 Uhr leblos in der Ausnüchterungszelle bei einem Kontrollgang vorgefunden.

Er war von Polizisten am Freitagnachmittag wegen eines Vorführungshaftbefehls der Staatsanwaltschaft festgenommen worden, sollte in ein Gefängnis gebracht werden. Die Obduktion soll am morgigen Dienstag erfolgen.

Wie es weiter heißt, wurden beide Männer bei Kontrollgängen stündlich persönlich überwacht: "Als die Kontrollbeamten jeweils eine Stunde zuvor nach den Männern sahen, gab es keine Auffälligkeiten."

Aus Neutralitätsgründen wurden die Ermittlungen der Kriminalpolizei Ludwigsburg übertragen. "Hinweise auf ein Fehlverhalten Dritter gibt es beim jetzigen Ermittlungsstand nicht", so Staatsanwaltschaft und Polizei.

Wie es abschließend heißt, verloren bis ins Jahr 2000 im Stuttgarter Polizeigewahrsam 18 Menschen ihr Leben. Darum wurde "die damals einmalige Institution der Zentralen Ausnüchterungseinheit im Polizeigewahrsam ins Leben gerufen".

Dort arbeiten medizinisches Personal und Polizeibeamte Hand in Hand - "und es gab dank der persönlichen Kontrollgänge und der Videoüberwachung am Monitor hier keine Todesfälle mehr". Bis jetzt.

UPDATE: 29. Januar

Mittlerweile liegt das Obduktionsergebnis des 51-Jährigen vor, so die Polizei. Demnach starb der Mann "mutmaßlich an einem akuten Herz-Kreislaufversagen mit Krampfanfällen aufgrund Entzugserscheinungen". Es gibt nach Polizeiangaben keine Hinweise auf Fremdverschulden.

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