Autofahrer attackiert nach Unfall Polizisten, die müssen ihre Waffe ziehen

Stuttgart - Am frühen Samstagmorgen ist es in Stuttgart-Vaihingen erst zu einem Unfall gekommen, anschließend fielen Schüsse - ein Mann starb!

Mitarbeiter der Spurensicherung am Samstag in Vaihingen.
Mitarbeiter der Spurensicherung am Samstag in Vaihingen.  © Simon Adomat/visualmediadesign

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilen, war ein 32-Jähriger mit seinem silberfarbenen Kleinwagen aufgrund seiner unsicheren Fahrweise aufgefallen, als er aus Richtung Stuttgart-Möhringen kommend auf der Möhringer Landstraße unterwegs war.

"Im weiteren Verlauf fuhr er entgegen der Fahrtrichtung in den Kreisverkehr an der Kreuzung Am Wallgraben ein, streifte Verkehrseinrichtungen und eine Gebäudewand und prallte schließlich auf Höhe der Wörthstraße frontal auf eine Litfaßsäule", schreiben die Ermittler.

Zeugen hatten unterdessen die Polizei verständigt und eine Streifenbesatzung des Polizeipräsidiums Stuttgart stellte beim Eintreffen am Unfallort den 32-Jährigen und dessen mutmaßliche Beifahrerin fest, die sich zu Fuß vom Fahrzeug entfernten.

Plötzlich eskalierte die Situation: "Auf Ansprache griff der 32-Jährige den Polizeibeamten und seine Kollegin unvermittelt mit einem schwertähnlichen Gegenstand mit einer ca. 70 cm langen Klinge an."

Nachdem ein Pfeffersprayeinsatz keine Wirkung zeigte, gaben beide Beamten Schüsse ab, um den Angreifer zu stoppen. Der 32-Jährige erlitt dabei Schussverletzungen, an denen er kurze Zeit später in einem Krankenhaus verstarb.

Die Kriminalpolizeidirektion des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hat die weiteren Ermittlungen übernommen.

Update: 13.15 Uhr

Mann war psychisch krank

Der 32-Jährige krachte mit seinem Kleinwagen (rechts) zunächst gegen eine Litfaßsäule.
Der 32-Jährige krachte mit seinem Kleinwagen (rechts) zunächst gegen eine Litfaßsäule.

Wie die Polizei mitteilt, sind die Ermittlungen der Kripo vorangeschritten.

Demnach stand der 32 Jahre alte Serbe "offensichtlich unter dem Eindruck einer psychischen Erkrankung und war zusammen mit seiner 69-jährigen Mutter am Freitagabend vom gemeinsamen Wohnort in einer Kommune im Zollernalbkreis in seinem Pkw losgefahren".

Zeugen hatten gegen 0.30 Uhr die Polizei verständigt, nachdem der silberfarbene Kleinwagen aufgrund unsicherer Fahrweise aufgefallen und es zur Gefährdung von Fußgängern gekommen war. Im Zuge einer sofort eingeleiteten Fahndung entdeckte eine Streifenbesatzung des Polizeipräsidiums Stuttgart den Wagen, nachdem er auf der Möhringer Landstraße frontal gegen eine Litfaßsäule geprallt war.

Zu diesem Zeitpunkt entfernten sich Fahrer und Mitfahrerin zu Fuß von dem Unfallauto und konnten nach etwa 100 Metern von den Beamten eingeholt werden. Der 32-Jährige führte zu diesem Zeitpunkt ein Schwert mit einer Klingenlänge von rund 70 Zentimetern mit sich, mit dem er die Beamten bedrohte und auf sie zuging.

"Nachdem er den Anweisungen, die Waffe abzulegen, keine Folge leistete und auch ein anschließender Pfeffersprayeinsatz nicht zur Beendigung des Angriffs führte, machten die Polizeibeamtin und ihr Kollege von der Schusswaffe Gebrauch", schreiben die Ermittler.

Der 32-Jährige wurde mehrmals getroffen und erlag seinen Verletzungen in einem Krankenhaus. Bei seiner 69-jährigen Mutter wurden Verletzungen festgestellt, die eine stationäre Aufnahme in einer Klinik erforderlich machten. "Die Herkunft der Verletzungen ist derzeit noch nicht geklärt."

Die Durchsuchung der Wohnung des 32-Jährigen führte mittlerweile zur Sicherstellung von zwei Gaspistolen, einer Armbrust und eines weiteren Schwertes. Für den morgigen Sonntag ist eine Obduktion des Verstorbenen anberaumt.

Update: 13.21 Uhr

Polizeigewerkschaft fordert Taser-Waffen

Die Einsatzkräfte vor Ort.
Die Einsatzkräfte vor Ort.  © Simon Adomat/visualmediadesign

Nach den tödlichen Polizeischüssen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft erneut die Ausrüstung jeder Streife mit einem Distanz-Elektroimpulsgerät (Taser).

Oft hätten Polizisten vor Ort keine andere Lösung, als von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. "Zwischen der Hiebwaffe, dem Pfefferspray und der Schusswaffe fehlt der Polizei ein wichtiges und aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft unverzichtbares Einsatzmittel", sagte Ralf Kusterer,

Vize-Bundesvorsitzender und Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg in einer Mitteilung vom Samstag.

Die Polizeigewerkschaft spricht von einer "Eskalation der Gewalt auf den Straßen". Es gebe immer mehr Gewalt gegen Polizeibeamte. "Immer mehr hat es dabei die Polizei mit psychisch Kranken, alkoholisierten oder drogenabhängigen Menschen zu tun. In einigen Fällen kommt es zum Gebrauch der Schusswaffe. Aber vor allen Dingen, weil uns auch andere Möglichkeiten fehlen."

Distanz-Elektroimpulsgeräte gibt es Kusterer zufolge schon in einigen Bundesländern, darunter in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg habe nur das SEK ein solches Gerät.

Er verwies auch auf die Belastungen des Schusswaffengebrauchs für Polizisten: "Ein solcher Fall muss gut aufgearbeitet werden, damit er keine psychischen Folgen hinterlässt."

Titelfoto: Simon Adomat/visualmediadesign

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