Hunde sollen Rebecca finden: Ist diese Suche völlig sinnlos?

Berlin - Die Suche der Berliner Polizei mit sogenannten Mantrailer-Hunden nach der vermissten Rebecca an Straßen wird von einer Expertin für nicht aussichtsreich gehalten.

Polizisten und Einsatzkräfte suchen am Rastplatz Biegener Hellen an der Autobahn 12 Richtung Polen nach Spuren der Berliner Schülerin Rebecca.
Polizisten und Einsatzkräfte suchen am Rastplatz Biegener Hellen an der Autobahn 12 Richtung Polen nach Spuren der Berliner Schülerin Rebecca.  © DPA

"Die Suche entlang der Autobahn sehe ich sehr, sehr kritisch und ich traile jetzt seit 20 Jahren", sagte die Mantrailer-Ausbilderin und -trainerin Karina Kalks aus Österreich am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Bei Autofahrten blieben kaum Geruchsspuren zurück, zudem hielten sie sich nicht wochenlang. Warum die Polizei trotzdem so vorgehe, könne sie nicht verstehen.

Kalks sagte, sie und ihre Kollegen würden Hunde in sogenannten Blindversuchen testen.

"Wir suchen mit unseren Hunden Personen, die sich entfernt haben, ohne dass wir wissen wohin", erklärte sie. "Jemanden zu Fuß wegzuschicken oder mit dem Fahrrad funktioniert sehr zuverlässig, allerdings nicht hundertprozentig. Einer Person zu sagen, fahr mit dem Auto weg und wir finden dich, hat bei uns noch nie funktioniert, wirklich noch nie. Und ich behaupte mal: Meine Hunde sind nicht die dümmsten."

Kalks fügte hinzu: "Was soll aus einem geschlossenen Fahrzeug durch die Lüftung nach außen dringen? Dazu kommen noch der Fahrtwind auf der Autobahn und die Verwirbelungen. Über welche Zahl von Geruchspartikeln sprechen wir, die ein Hund noch aufnehmen soll? Ich bin überzeugt von der Hundenase, aber ich glaube nicht, dass sie zaubern können." Entsprechende Behauptungen seien noch nie in Tests und Studien bewiesen worden.

Mit einem Boot suchen Polizeibeamte mit einem Spürhund auf dem Storkower Kanal nahe dem Wolziger See im Landkreis Dahme-Spreewald.
Mit einem Boot suchen Polizeibeamte mit einem Spürhund auf dem Storkower Kanal nahe dem Wolziger See im Landkreis Dahme-Spreewald.

Die Hunde-Trainerin nahm nach eigener Aussage selber an vielen Sucheinsätzen nach vermissten Menschen teil. Der Erfolg hänge stark von den Bedingungen ab, sagte sie.

Ein großer zeitlicher Abstand mache die Suche zusätzlich schwierig. Innerhalb der ersten 48 Stunden könnten Hunde die Spuren von Fußgängern "fast immer" erkennen. Bis zu zehn Tage lang gebe es einige Möglichkeiten, allerdings keine Sicherheit. "Aber bei Wochen und Monaten? Da glaube ich nicht dran."

Die Mantrailer verfolgten Geruchsspuren, meist erzeugt durch Mikroorganismen im und am Menschen, erklärte Kalks.

"Wir verlieren ständig sehr viele Geruchspartikel, sowohl Hautschuppen wie auch gasförmige Duftstoffe. Was genau davon die Hunde alles riechen, um eine Spur zu verfolgen, wissen wir nicht vollständig. Aber wir sehen, dass es funktioniert."

Allerdings schwäche sich die Geruchsspur eines Menschen mit der Zeit ab. "Man kann sich eine Suche vorstellen wie ein Puzzle. Da kann etwas fehlen, aber der Hund kann die Spur noch verfolgen. Aber wenn man lange wartet, passt es für den Hund nicht mehr zusammen." Dazu komme der Einfluss des Wetters. "Wenn es ein bisschen regnet, mag das die Hundenase gerne", sagte Kalks. "Aber wenn länger viel Wasser von oben runterkommt, dann geht irgendwann nichts mehr."

Im Gegensatz zu Mantrailern suchten Leichenspürhunde nach anderen Geruchsstoffen als bei einer vermissten lebenden Person. Solche Geruchspartikel entstünden auch bei Toten in Gewässern. Ausgebildete Hunde könnten aufgestiegene Partikel in den Verwesungsgasen an der Wasseroberfläche riechen. "Das funktioniert sehr, sehr zuverlässig. Ähnlich wie die Suche in einer Lawine."

Titelfoto: dpa/Polizei berlin

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