Kuscheltiere, Farbspray, Boxsack: So kämpft Sachsen gegen Drogen im Knast

Benjamin (19), verurteilter Gewalttäter aus Dresden, war vier Jahre auf Crystal und lässt sich nun im Jugendknast therapieren.
Benjamin (19), verurteilter Gewalttäter aus Dresden, war vier Jahre auf Crystal und lässt sich nun im Jugendknast therapieren.

Regis-Breitingen - Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) hat am Freitag in der Jugendstrafvollzugsanstalt (JSA) in Regis-Breitingen eine Suchttherapiestation eröffnet. Das deutschlandweit einmalige Projekt ist vor allem eine Kampfansage an die Teufelsdroge Crystal.

"Etwa zwei Drittel der jugendlichen Straftäter, die bei uns inhaftiert werden, haben erhebliche Suchtprobleme - vor allem mit Crystal", sagt Anstaltsleiter Uwe Hinz (53). Normalerweise finden Drogentherapien erst nach der Haft statt. Doch für manche kommt das zu spät.

Nicht nur die Rückfallgefahr sei ein Problem, auch die Entstehung einer Drogen-Subkultur hinter Gittern, weiß Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow. Deshalb gibt es jetzt im Jugendknast eine Suchttherapiestation für Härtefälle - mit insgesamt elf Plätzen.

Einer dieser Härtefälle ist Benjamin (19). "Vier Jahre habe ich Crystal genommen, da fühlt man sich stark, wird nicht müde", erzählt der Dresdner. Doch auch seine Aggressivität stieg immens. Weil er immer wieder Leute verprügelte, schickte ihn ein Richter für ein Jahr hinter Gitter. Jetzt gehört er zur ersten Belegung der neuen Suchtstation.

Auch das ist Knast-Therapie: In diesem "Kinderzimmer" sollen sich junge Strafgefangene mit ihrer Kindheit auseinandersetzen.
Auch das ist Knast-Therapie: In diesem "Kinderzimmer" sollen sich junge Strafgefangene mit ihrer Kindheit auseinandersetzen.  © Peter Zschage

In der acht Monate dauernden Therapie soll Benjamin lernen, seinen Suchtdruck zu bewältigen, die eigene Gefühlswelt wieder bewusst wahrzunehmen und zwischenmenschliche Konflikte zu lösen.

Das von Dr. Michael Spaeth (35) geleitete Therapiezentrum hat dafür viele Themenräume. Da ist das "Kinderzimmer" mit Zelt und Kuscheltieren, wo die Gefangenen die Konflikte und Gewalterfahrungen aus der Kindheit verarbeiten sollen. Nebenan gibt's den Entspannungsraum mit Lichttherapie. Im kunsttherapeutischen Bereich können Benjamin und seine Mitinsassen sprayen. Und der große Boxsack im Sportraum fängt den Frust ab.

"Die Jungs sollen vor allem wieder Zugang zu ihren Gefühlen und Gedanken bekommen, die von den Drogen verschüttet waren", beschreibt Dr. Spaeth den Therapieansatz.

Und die Erfolgsaussichten? "Zwei bis drei von zehn werden es schaffen, dauerhaft drogenfrei zu leben", schätzt der Psychotherapeut.

Boxt gegen Crystal an: Dr. Michael Spaeth, Leiter der Suchttherapiestation in Regis-Breitingen.
Boxt gegen Crystal an: Dr. Michael Spaeth, Leiter der Suchttherapiestation in Regis-Breitingen.  © Peter Zschage

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